​Juli 2019 Lesezeit 4 Minuten 


Nachweis: Probiotika können gefährliche Clostridien-Infektion vermeiden

Der Darmkeim Clostridium difficile verursacht starke Durchfälle, die lebensbedrohlich sein können. Gegen das resistente Bakterium hilft jedoch kein Antibiotikum. Im Gegenteil: Gerade die Einnahme von Antibiotika kann dazu führen, dass sich der gefährliche Erreger im Darm ausbreiten kann. Probiotika sind nach Meinung von Medizinern jedoch dazu in der Lage, eine Infektion zu vermeiden.

Forscher haben den Nachweis erbracht, dass dem gefährlichen Darmkeim Clostridium difficile mit Probiotika vorgebeugt werden kann.  

Gleichzeitig sind Forscher derAnsicht, dass viele Magen-Darm-Infektionen mit tödlichem Verlauf auf Clostridium difficile zurückzuführen sind. Gerade in Krankenhäusern grassiert das Bakterium, das vor allem Patienten befällt, die Antibiotika einnehmen oder chemotherapeutisch behandelt werden. Immer mehr Menschen in Deutschland bekommen die Auswirkungen von Clostridium difficile zu spüren: Im Jahr 2011 mussten über 28000 Patienten wegen einer Infektion mit Clostridium difficile stationär aufgenommen werden. Rund zehn Jahre zuvor waren es lediglich 1000.

Ungleichgewicht im Mikrobiom

Der Keim, der in der Umwelt und auch im menschlichen Körper als eigentlich ungefährliches Bakterium auftritt, kann durch den Einsatz von Antibiotika zur Gefahr werden, da diese Medikamente nicht nur die Schädlinge, sondern auch nützliche Bakterien der Darmflora zerstören und so zu einem Ungleichgewicht im Mikrobiom führen. Das Bakterium Clostridium difficile, das auf Antibiotika nicht anspricht, kann sich auf diese Weise massenhaft im Verdauungssystem vermehren.

Gefährliche Toxine

Forscher gehen davon aus, dass rund fünf Prozent der Deutschen Träger des Bakteriums sind.  Was den Keim gefährlich macht, sind seine Gifte die er ausscheidet: Diese führen in ungünstigen Fällen zu einer Lähmung der Darmwand und lassen den Dickdarm auf diese Weise ballonartig aufgasen, was zu einer pseudomembranen Kolitis führt und letztendlich eine lebensbedrohliche Sepsis hervorrufen kann. In einer aktuellen Studie, an der auch das Universitätsklinikum in Regenburg beteilgt ist,  ist ein Team von Wissenschaftlern nun zu diesem Ergebnis gekommen, dass es einen nachweislich positiven Effekt durch Probiotika gibt.

Probiotika helfen

 Probiotika helfen demnach, während einer Behandlung mit Antibiotika den Darm zu unterstützen, damit sich Clostridium difficile nicht explosionsartig im Körper ausbreiten kann. Das gefürchtete Bakterium ist Gram-positiv, anaerob und gelangt meistens über die Nahrung in den menschlichen Körper. Für geschwächte Menschen oder Senioren kann das Gift, das Clostridium difficile produziert, zur potentiellen Gefahr werden.

Aggressive Variante aus Amerika 

Besonders ein von Nordamerika ausgehendes Bakterium der Gattung, der sogenannte „NAP-1“-Stamm, in Deutschland als R027 bekannt, soll bedeutend aggressiver als herkömmliche Varianten sein und wird deshalb besonders gefürchtet. Durch eine Mutation produziert NAP1 ein Vielfaches an Toxinen (16mal mehr Toxin A und 23mal mehr Toxin B) als andere Stämme. Durch den Einsatz von Probiotika mit nützlichen Bakterien kann die Verbreitung von Clostridium difficile gestoppt werden.

Laktobazillen besonders hilfreich

 Das hat nicht nur die aktuelle Studie bewiesen: In einer Metaanalyse wurden nun auch Daten aus 17 randomisierten Studien erfasst. Sie alle befassten sich mit der Eindämmung von Clostridium difficile durch den Einsatz von Probiotika. Alle der rund 3000 Probanden im Alter zwischen 55 und 77 Jahren nahmen während einer Antibiotika-Therapie zusätzlich verschiedene Probiotika ein. Dabei ergab sich, dass gerade Laktobazillen oder spezifische Mischungen verschiedener Organismen eine Rolle bei der Vermeidung einer Clostridium difficile-Infektion spielen.

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