Mai 2019 Lesezeit 3 Minuten


Zahl der Parkinson-Betroffenen steigt dramatisch

Die Zahl der Parkinsonpatienten ist nach Ergebnissen einer aktuellen Studie aus den USA in der jüngeren Vergangenheit massiv angestiegen. In nur einer Generation habe sich die Zahl der Betroffenen verdoppelt, berichtet eine Gruppe von Forschern um den US-Neurologen Ray Dorsey. 

Die Zahl der Parkinson-Erkrankten ist dramatisch gestiegen. Ursache der Erkrankung sind unter anderem Proteinverklumpungen im Gehirn. 

Nach deren Prognose können im Jahr 2040 bis zu 17 Millionen Menschen an der gefürchteten Erkrankung leiden. Momentan leben weltweit rund 6,1 Millionen Menschen mit dieser Diagnose, 1990 waren es noch 2,5 Millionen, berechneten die Forscher. Als Ursache für diese rasante Entwicklung vermutet das amerikanische Forscherteam nicht nur die generell gestiegene Lebenserwartung, sondern auch Umwelteinflüsse. Als Begründung ziehen sie unter anderem die aktuelle Situation Chinas heran: Dort stieg die Zahl der Parkinson-Fälle in der jüngeren Vergangenheit besonders dramatisch – und zwar parallel zur wachsenden Industrialisierung. Damit stellt Morbus Parkinson die weltweit am schnellsten zunehmende neurologische Erkrankung dar, die bisher nicht heilbar ist. Einen neuen Ansatz sehen Forscher nun in einer Immuntherapie.

Prominente Betroffene

Parkinson wurde nach seinem englischen Namensgeber James Parkinson erstmal 1817 in seiner Abhandlung „Über die Schüttellähmung“ beschrieben und ist die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung gleich nach Morbus Alzheimer. Meistens beginnt sie im Alter zwischen 50 und 79 Jahren, dann werden üblicherweise die ersten Anzeichen sichtbar. Zu den typischen Symptomen der Erkrankung gehören Bewegungsarmut und Muskelsteifheit sowie ein auffälliges Zittern (Ruhetremor). Prominente Betroffene sind neben dem US-amerikanischen Schauspieler Michael J. Fox, der bereits mit 30 Jahren an Parkinson erkrankte, auch Schauspieler Ottfried Fischer und TV-Entertainer Frank Elstner.

Protein im Fokus

Ob die Krankheit in Zukunft gestoppt werden kann, hängt von neuen Therapien ab. Wie bei Alzheimer spielen auch bei Parkinson-Betroffenen Proteinklumpen im Hirn eine wesentliche Rolle für einen Krankheitsausbruch. Die größten Hoffnungen, Parkinson zu besiegen, setzen Experten dabei auf einen neuen Behandlungsansatz, der Immuntherapie. Im Fokus steht dabei das Protein Alpha-Synuclein als vermuteter Verursacher der Erkrankung. Alle Funktionen dieses Botenstoffs sind zwar noch nicht geklärt, als sicher gilt jedoch,  dass Alpha-Synuclein eine bedeutende Rolle bei der Kommunikation von Nervenzellen im Gehirn spielt. Mithilfe dieser Immuntherapie, bei denen spezielle Antikörper zur Anwendung kommen, sollen nun entsprechende Zusammenballungen von Proteinen gebunden und aus dem Gehirn entfernt werden.

Ähnliche Studien wurden bereits in der Alzheimer-Forschung begonnen, jedoch vorzeitig beendet, weil sich im Verlauf keine Aussicht auf Erfolg eingestellt hatte. Allerdings sind es bei Morbus Alzheimer - anders als bei Parkinson - zwei Protein-Typen, die für die Krankheit verantwortlich gemacht werden. Obwohl der eindeutige Beweis, dass Alpha-Synuclein Grund für Morbus Parkinson ist, noch aussteht, ist nach Angaben von Experten eine Verbindung klar. Im Rahmen zweier internationalen Studien über eine mögliche Passiv-Impfung, an denen unter anderem auch die Technische Universität München beteiligt ist, soll sich  bereits gezeigt haben, dass durch die Gabe des Antikörpers Prasinezumab der Synuclein-Wert im Körper sinkt. Der Wirkstoff wird den Studienteilnehmern ein Jahr lang vierwöchentlich verabreicht.

Ergebnisse bis 2020

In der zweiten Studie, die in den USA durchgeführt wird, verwenden Forscher den  Antikörper BIIB054. Die Ergebnisse aus den beiden Forschungsstudien sollen bis Mitte 2020 vorliegen. Neben dieser passiven Impfung wurden in Österreich in einer Untersuchungsreihe aktive Impfstoffe eingesetzt, die den Körper dazu anhalten sollen, eigene Antikörper gegen die schädlichen Proteine zu bilden. Ein großer Erfolg für die Forscher wäre schon, die Erkrankung in ihrem Verlauf bremsen zu können.