Zuletzt aktualisiert: Februar 2021

Wird Kurzsichtigkeit durch digitale Medien verstärkt?

Laut dem Zentralverband der Augenoptiker und Optometristen (ZVA) trugen im Jahr 2019 41,1 Millionen Menschen über 16 Jahren in Deutschland eine Brille, was in etwa 67 Prozent der Bevölkerung in diesem Alter entspricht, dazu kommen ca. 3,4 Millionen Menschen, die Kontaktlinsen verwenden.

Verantwortlich dafür ist vor allem Kurzsichtigkeit. 

Wirkt sich die Corona-Pandemie auf unser Sehvermögen aus?

Laut Expertenmeinungen erhöht die Corona-Pandemie das Risiko, an Kurzsichtigkeit zu erkranken, die in Fachkreisen auch Myopie genannt wird – besonders bei Kindern und Jugendlichen.

Der Grund dafür ist, dass wir während der Pandemie unsere sozialen Kontakte einschränken und auch weniger Möglichkeiten haben, um unsere Freizeit zu gestalten, was dazu führt, dass der durchschnittliche Deutsche erheblich mehr Zeit vor diversen Bildschirmen verbringt, sei es am Computer, Tablet, Smartphone oder Fernseher.

Wer das Glück hat, von zu Hause arbeiten zu können, verbringt sowieso einen Großteil seiner Zeit vor dem Bildschirm, aber auch wer nicht im Home Office ist nutzt momentan vor allem digitale Medien zur Freizeitgestaltung, spätestens am Abend sitzen dann fast alle vor dem Bildschirm und lassen sich von Netflix, Amazon, YouTube & Co. unterhalten – Anbieter digitaler Dienstleistungen sind der große Gewinner der Krise.

Kinder und Jugendliche sind besonders gefährdet

Schon seit längerem ist bekannt, dass das Risiko für Kurzsichtigkeit steigt, wenn Menschen mehr Zeit vor Bildschirmen und weniger außerhalb der eigenen vier Wände verbringen.

Jüngere Menschen sind hierbei besonders gefährdet, denn solange der Körper noch wächst ist es wahrscheinlich, dass sich die Augäpfel durch eine Dauerfixierung verlängern, was zu den häufigsten Ursachen für Kurzsichtigkeit zählt.

Eine Studie, die von der AOK in Baden-Württemberg durchgeführt und Ende letzten Jahres veröffentlicht wurde, kam zu dem Ergebnis, dass Konzentrationsprobleme, ungesunde Ernährung, Kopfschmerzen und Kurzsichtigkeit zunehmen, je mehr Zeit ein Kind Zeit vor Bildschirmen verbringt.

Der Datenschutz erschwert die Forschung in Deutschland

Während sich Wissenschaftler in anderen Ländern schon länger mit diesem Thema beschäftigen, gestaltet sich die Forschung in Deutschland schwierig, denn hierzulande gilt ein vergleichsweise strenger Datenschutz, insbesondere für Kinder und Jugendliche. Dies macht die Erstellung einer soliden Datengrundlage für Studien nahezu unmöglich, jedoch kann man sich an Forschungsergebnissen aus anderen Ländern orientieren.

Eine neue Studie aus China bestätigt beispielsweise die Annahme, dass der stark veränderte Alltag zu Zeiten der Pandemie auf lange Sicht Kurzsichtigkeit fördert. Hierfür haben Wissenschaftler der Medizinischen Universität in Tianjin seit dem Jahr 2015 rund 123.500 Kinder untersucht, die in der Stadt Feicheng die Schule besuchen.

Laut Forschungsergebnissen hat die Kurzsichtigkeit unter den Kindern während des chinesischen Lockdowns im Frühjahr 2020 im Vergleich zu den Jahren zuvor um 0,3 Dioptrien zugenommen, was laut den Wissenschaftlern eine deutliche Verschiebung darstellt, zudem steige die Prävalenz von Myopie verglichen mit den fünf vorhergehenden Jahren 2020 um das 1,4 bis Dreifache.

Ist Kurzsichtigkeit eine anerkannte Krankheit?

Nicht jeder, der an Kurzsichtigkeit erkrankt, benötigt sofort eine Sehhilfe - es kann mehrere Jahre dauern, bis sich Myopie entwickelt. Aus medizinischer Sicht handelt es sich bei Kurzsichtigkeit in der Regel nicht um eine Krankheit, sondern um eine Anomalie.

Über diese Definition wird schon seit längerer Zeit gestritten, denn dahinter könnten auch finanzielle Interessen stecken: würde Myopie offiziell zu einer Krankheit erklärt werden, wären manche Krankenkassen zumindest zum Teil dazu verpflichtet, für Sehhilfen wie Brillen, Kontaktlinsen oder spezielle Therapiemethoden aufzukommen, was sich auf mehrere Milliarden Euro summieren könnte.

Wie kann man Kurzsichtigkeit vorbeugen?

Wissenschaftler, die in diesem Bereich forschen vermuten, dass natürliches Licht die Dopamin-Ausschüttung begünstigt. Ein erhöhtes Dopaminlevel führe wiederum dazu, dass Augen nicht verstärkt in die Länge wachsen und Myopie auslösen.

Es kann außerdem eine Rolle spielen, dass wir in der Natur sehr oft zwischen Dingen in der Ferne und in unserer Nähe hin- und herblicken und das Auge die Sehschärfe dadurch immer wieder neu einstellen muss und somit „in Übung“ bleibt, was beim Blick auf den Bildschirm nicht der Fall ist.

Die beste Prävention für Kurzsichtigkeit sind also regelmäßige und ausgedehnte Aufenthalte im Freien, am besten in der Natur. Schon 30 bis 60 Minuten täglich können dazu beitragen, das Myopie-Risiko zu senken, dies gilt insbesondere für Kinder.

Außerdem sollten regelmäßig Pausen eingelegt werden, in denen man sich auf etwas anderes konzentriert, wenn man längere Zeit auf einen Bildschirm blicken muss.

Sei es Homeoffice, Homeschooling oder der Videoanruf bei Eltern und Großeltern - viele von uns haben momentan gar keine andere Wahl als ständig vor einem Bildschirm zu sitzen.

Dennoch können wir einer dauerhaften Schädigung unserer Augen entgegenwirken, indem wir uns regelmäßige Pausen gönnen und im besten Fall bei dieser Gelegenheit das Haus verlassen, um einen Spaziergang zu machen.

Dies kann nicht nur dazu beitragen unsere Sehkraft zu erhalten, sondern wirkt sich positiv auf unseren gesamten Organismus aus.


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