Zuletzt aktualisiert: Mai 2021

Wie funktioniert unsere Verdauung?

Wusstest du, wie lange eine Pizza braucht, um den Körper zu durchqueren? Was genau passiert mit ihr auf diesem Weg und wozu benötigen wir überhaupt die Verdauung?  Wir machen es ununterbrochen, doch keiner schenkt der Verdauung große Aufmerksamkeit. Der Darm kommt seinen zahlreichen Aufgaben meistens unbemerkt nach. Dabei ist das Verdauungssystem mit all seinen Aktivitäten ein kleines Wunderwerk!

Anders als Pflanzen, die Sonnenlicht in Energie umwandeln können, sind Menschen und Tiere auf eine Energiezufuhr von außen, also durch Nahrungsaufnahme, angewiesen. Ob beim Treppensteigen, Sport oder einfach nur beim Sitzen, aber auch für die Regulierung der Körpertemperatur, für die Atmung und weitere Funktionen benötigt dein Körper ständig Energie.

Eine gesunde Verdauung versorgt ihn mit allen notwendigen Nährstoffen, indem sie Kohlenhydrate, Eiweiße und Fette aus dem Essen in ihre nutzbaren Bestandteile zerlegt und in Energie umwandelt.

Darm und Gehirn

Der Darm ist wahrscheinlich das erste Organ, das dir in den Sinn kommt, wenn du an das Thema Verdauung denkst. Er ist aber mehr als nur ein langer Schlauch, der das Essen und Trinken transportiert. In einem gesunden Darm sind rund 80% aller Abwehrzellen für das Immunsystem zu finden, was ihn zum wichtigsten Organ für die körpereigene Abwehr macht. Zudem dient er mit seiner großen Oberfläche als Schutz gegen Bakterien, Viren und Giftstoffe.

Darüber hinaus wird der Darm auch als das zweite Gehirn des Menschen bezeichnet, denn er enthält mit über 100 Millionen Neuronen fast genauso viele Nervenzellen wie das Gehirn. Daher spüren wir Wohlbefinden, aber auch Stress und Ärger schnell im Bauch.

Der Darm reagiert auf negative Gefühle häufig mit Störungen. Bauch und Kopf kommunizieren miteinander über den Vagus-Nerv, der das „Bauchhirn“ mit unserem Gehirn verbindet. Dabei fließen nur rund 10% der übertragenen Informationen vom Gehirn in den Bauch. 90% der Informationen dagegen sendet das Bauchhirn an den Kopf. So kann ein gesunder Darm auch für gute Stimmung sorgen. Das Glückshormon Serotonin beispielsweise wird zum größten Teil im Darm gebildet. Dafür ist eine ausreichende Zufuhr an Mineralstoffen und Vitaminen sowie eine erfolgreiche Aufnahme dieser energiereichen Stoffe wichtig. Grund genug, sich etwas näher mit der Verdauung zu befassen.

Der Verdauungsvorgang kann in drei Stationen unterteilt werden:

Station 1: Die Nahrungsaufnahme

Genau genommen beginnt die Verdauungsarbeit bereits im Mund, wo Zunge und Zähne das Essen zerkleinern. Gutes Kauen, am besten 30 Mal, ist wichtig, denn durch die Kaubewegungen werden die Speicheldrüsen angeregt und es entsteht Speichel. Dieser hat zwei wichtige Aufgaben: Er dickt die Bissen ein und sorgt dafür, dass diese als gut angefeuchteter Brei über die Speiseröhre in den Magen rutschen können.

Außerdem liefert der Speichel ein Enzym, das bereits im Mund Kohlehydrate aufspaltet. Daher schmeckt Brot auch süß, wenn du es lange genug kaust. Geruch und Geschmack des Essens oder sogar nur der Gedanke daran regen zusätzlich die Speichelproduktion an.

Pro Tag produzieren wir etwa 1 – 1,5 Liter Speichel, der den Verdauungsprozess mit vielen nützlichen Substanzen unterstützt. Je besser die Nahrung schon im Mund zerkaut wird, desto weniger Arbeit hat das übrige Verdauungssystem mit der Aufspaltung der Mikrobestandteile.

Nach dem Schlucken gelangt der Essensbrei in die Speiseröhre. Wenn dabei Bissen in die Luftröhre gelangen, reagiert der Körper mit starkem Husten, um diese wieder zu entfernen. Im schlimmsten Fall können Essensreste in der Luftröhre zum Ersticken führen. Daher wird die Luftröhre beim Schluckvorgang durch den Kehlkopfdeckel geschützt.

Die Speiseröhre besteht aus einer circa 25 cm langen Muskelschicht, die sich wellenartig zusammenzieht und damit den Nahrungsbrei weiter in den Magen schiebt. Durch diese „Peristaltik“ kann das Essen in jeder Körperhaltung in den Magen gelangen, sogar im Kopfstand.

Station 2: Die Verarbeitung des Essens

Der Magen mit seiner dehnbaren Muskelschicht kann Mengen bis zu 1,5 Litern zwischenlagern. Zur Speiseröhre hin sorgt ein Ringmuskel dafür, dass weder Magensäure noch Nahrungsgemisch zurücklaufen. Sonst käme es zu Sodbrennen und das würde auf Dauer die Speiseröhre schädigen.

Je nachdem, was auf unserem Speisezettel steht, nimmt sich der Magen rund eine bis fünf Stunden Zeit, um die Mahlzeit zu verarbeiten. Für leichte Speisen benötigt er 1-2 Stunden und für Fleisch oder fetthaltige Speisen sehr viel länger.

In dieser Zeit wird das Essen zersetzt, durchgewalkt und mit dem Magensaft vermischt, der sich unter anderem aus Magensäure, Wasser und Schleim zusammensetzt. Die Magensäure besteht aus Salzsäure und ist so ätzend, dass sie vorhandene Keime abtötet. Dem Magen schadet die Säure nicht, er wird durch eine Schleimschicht geschützt. Der Nahrungsbrei wird nun weiter in Kohlehydrate, Fette und Proteine aufgespalten und gelangt zum „Pförtner“ am Magenende. Dieser Schließmuskel lässt das Essen häppchenweise in Richtung Dünndarm durch.

Der erste Teil des Dünndarms nennt sich Zwölffingerdarm. Der Name ergibt sich daraus, dass er ungefähr 25 cm lang ist, also in etwa so breit, wie 12 aneinander gelegte Finger.

Sobald die Nahrung in den Dünndarm gelangt, kommen weitere Verdauungssäfte aus der Bauchspeicheldrüse und der Leber hinzu, wie beispielsweise die Gallenflüssigkeit, die in der Leber produziert wird. Der Nahrungsbrei ist inzwischen recht dünnflüssig. Während die Mahlzeit sich durch den Verdauungstrakt bewegt, wird sie durch die Verdauungssäfte chemisch aufgebrochen.

Die Schleimhaut des Dünndarms ist mit Millionen kleiner Darmzotten und Falten versehen und hat so insgesamt eine riesige Oberfläche von 400-500 Quadratmetern. Über diese Zotten wird der größte Teil der Mikronährstoffe aufgenommen und in den Blutkreislauf geleitet. Was nun aus dem Nahrungsbrei übrigbleibt, sind unverdauliche Reste wie Ballaststoffe und Abfallstoffe, die an den Dickdarm weitergeleitet werden.

Darmbakterien und Mikroorganismen unterstützen im Dickdarm die Verwertung von schwer verdaulichen Pflanzenstoffen und Ballaststoffen. Die Besiedelung des Darms durch 100 Billionen Bakterien und Organismen wird als „Darmflora“ bezeichnet. Jeder Bakterienstamm hat unterschiedliche Aufgaben und Wirkungen. In ihrer Vielfalt unterstützen sie sich gegenseitig und spielen damit für unsere Gesundheit eine wesentliche Rolle. Inzwischen wurden dem dünnflüssigen Nahrungsbrei Wasser, Salz und die verwertbaren Stoffe entzogen. Er wird jetzt eingedickt und in den Enddarm geschoben.

Station 3: Die Ausscheidung des Essens

Der Enddarm ist der letzte Teil des Dickdarms. Der Verdauungsvorgang ist abgeschlossen und die unverwertbaren Nahrungsreste verweilen bis zur Darmentleerung im Rectum. Zwei Schließmuskeln im Analkanal sind am Stuhlgang beteiligt. Der innere Schließmuskel wird nicht willentlich gesteuert, das heißt, wir haben keine Kontrolle darüber. Über Nervenfasern in der Analschleimhaut wird ein Signal an das Großhirn gesendet, was bewirkt, dass sich der innere Schließmuskel öffnet. Dadurch verspüren wir das Bedürfnis, zur Toilette zu gehen. Die innere Schließmuskulatur sorgt ebenfalls dafür, dass der Enddarm sich nicht während des Schlafs entleert.

Der äußere Schließmuskel kann im Gegensatz dazu willentlich gesteuert werden. Durch Entspannung kann die Darmentleerung bewusst in Gang gesetzt werden, sie lässt sich aber auch durch Anspannung des äußeren Schließmuskels sowie der Bauchmuskulatur kurzfristig verhindern oder verzögern.

Ein gesunder Darm ist kein Zufall

Egal, wie genau wir uns ernähren – um richtig zu funktionieren, benötigt unser Organismus eine Vielfalt an Nährstoffen. Ein gesunder Darm spielt eine erhebliche Rolle für unsere Gesundheit.

Neben Kohlehydraten, Eiweißen und Fetten müssen wir ihm Vitamine, Ballaststoffe und Mineralien in ausreichender Menge zuführen. Das ausgewogene Gleichgewicht der wertvollen Mikroorganismen kann durch die Ernährung positiv beeinflusst werden.

Vollkornprodukte und Ballaststoffe helfen dem Darm auf die Sprünge. Viele Nüsse, allen voran Walnüsse, haben einen wertvollen Gehalt an Vitaminen und Mineralstoffen. Auch fermentierte Speisen wie Sauerkraut oder Naturjoghurt liefern nützliche Milchsäurebakterien.

Dagegen wirkt sich industriell verarbeitete Kost ungünstig auf die Darmflora aus. Tierische Fette mit vielen gesättigten Fettsäuren tragen zur Vermehrung von schlechten Bakterien bei und sollten daher nur in Maßen gegessen werden. Auch Zucker verdrängt die guten Darmbakterien und beschleunigt das Wachstum schlechter Hefepilze.

Natürlich ist Zucker auch in Form von Fruktose in Gemüse und Obst enthalten, aber in diesem Fall geht es um den weißen Industriezucker, den wir zum Süßen des Kaffes oder zum Backen benutzen. Honig oder Stevia sind eine natürliche Alternative hierzu.

Wir sind, was und wie wir essen

Es gibt Lebensmittel, die uns zufrieden und fit machen. Bekommt unser Körper die richtigen Speisen, fühlen wir uns voller Energie und werden langfristig gesehen seltener krank. Auch können wir mit geeigneter Kost unsere gute Laune und unser Wohlbefinden steigern.

Alles, was gut für den Darm ist, macht uns auf Dauer leistungsfähiger und aktiver. Ein guter Grund, mehr auf unseren Bauch zu hören.

Wer sich ständig nach dem Essen müde und schlapp fühlt, kann mit Hilfe eines Ernährungstagebuchs Zusammenhänge zwischen dem Essverhalten und eventuellen Beschwerden herausfinden. Das tägliche Protokollieren der Mahlzeiten hat schon zu vielen Aha-Erlebnissen geführt. Vielleicht muss nur wenig geändert werden, um dein Ziel zu erreichen, vielleicht ist aber auch eine Ernährungsumstellung für dein Wohlbefinden nötig.

Auch wer glaubt, sich bereits bewusst zu ernähren, kann durch ein Tagebuch noch viel über Gewohnheiten, Muster und Zusammenhänge erkennen. Wann naschst du Ungesundes? In welchen Situationen isst du mehr als gewöhnlich? Was hat zu Sodbrennen geführt und wann musstest du schon eine Stunde nach der Mahlzeit wieder zu einem Snack greifen, weil du Heißhunger hattest?

Nicht nur das Essen selbst, sondern auch wie wir essen spielt eine große Rolle für die Darmgesundheit.

Wer kennt es nicht: Der Chef möchte dringend etwas von dir erledigt haben und du schlingst dein Brötchen schnell herunter, während du am PC sitzt. Der Körper reagiert auf diesen Alarmzustand, indem er vermehrt Stresshormone ausschüttet, die ihn auf Abwehr, Flucht oder Kampf vorbereiten. In diesem Moment spielt die Verdauung eine untergeordnete Rolle. Gleichzeitig wird durch die angespannten Muskeln mehr Säure im Magen produziert. Die Muskelbewegungen im Darm arbeiten eingeschränkt und die Nahrung wird zu schnell abtransportiert. In der Folge können die verwertbaren Stoffe nicht ausreichend herausgefiltert werden.

Verdauungsprobleme können ihre Ursache in einen dauerhaft zu hohen Stresslevel haben. Unser Darm arbeitet rund um die Uhr. Er zeigt sich dankbar, wenn wir ihm Pausen und Bewegung gönnen und bewusst essen.

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