September 2020 | Lesezeit 5 Minuten


Depressionen - Wie entstehen sie und was kann man dagegen tun? 

Sicherlich hat fast jeder schon mal von der seelischen Krankheit „Depression“ gehört oder sogar die Vermutung aufgestellt, selbst daran erkrankt zu sein.

Heutzutage wird die Diagnose „Depression“ immer häufiger gestellt, doch wie erkennt man eine Depression überhaupt, welche verschiedene Arten gibt es und vor allem: wie kann eine Depression behandelt werden?

Diese und weitere Fragen werden wir in diesem Artikel beantworten. 

Mann sitzt in Abwehrhaltung auf dem Boden

In Deutschland leiden viele Menschen an Depressionen, theoretisch kann es jeden treffen. Zum Glück gibt es Hilfe für Betroffene in Form von Therapien und Medikamenten.

Was sind Depressionen? 

Depressionen können in verschiedenen Arten vorkommen, doch das Grundprinzip bleibt das gleiche: es ist eine seelische Erkrankung, welche von den Betroffenen oft als „schwarzer Vorhang“ oder „dunkle Wolke über dem Kopf” bezeichnet wird.  

Hierbei macht den Betroffenen nichts mehr eine Freude, sie fühlen sich (scheinbar grundlos) niedergeschlagen, schlapp, unmotiviert, ausgelaugt und traurig.  

Es gibt verschiedene Stadien einer Depression, beispielsweise haben die Betroffenen bei leichten Depressionen immer noch die Möglichkeit, ihren Alltag geregelt zu gestalten, wogegen Menschen mit sehr schweren Depressionen kaum das Bett verlassen können.  

Hinzu kommt, dass die Betroffenen durch die starke Niedergeschlagenheit und die scheinbare Hoffnungslosigkeit das Gefühl haben, als könnten sie der Depression nicht entfliehen.  

Dies hat zur Folge, dass die Suizidgefahr stark erhöht ist. Wissenschaftler gehen davon aus, dass rund 10 bis 15 Prozent der Menschen, die an Depressionen leiden, sich das Leben nehmen. 

Welche Arten von Depressionen gibt es? 

Depression ist nicht gleich Depression, denn auch bei dieser Krankheit gibt es verschiedene Arten, zwischen denen unterschieden werden muss, genauer gesagt unterscheiden wir zwischen vier Arten der Depression 

  • Unipolare Depression 
  • Winterdepression 
  • Chronisch depressive Verstimmung  
  • Bipolare Depression

Wie sich diese Arten unterscheiden und was die Erkennungsmerkmale sind, erläutern wir im nächsten Abschnitt. 

Unipolare Depression 

Die unipolare Depression ist die Art der Depression, die am häufigsten vorkommt.

Hierbei kann eine depressive Episode nur einmal, aber auch mehrmals aufkommen.  

Im Gegensatz zu den anderen Arten ist diese Depression allerdings nicht chronisch.

Solch eine Episode dauert mindestens zwei Wochen, in denen die Betroffenen niedergeschlagen, freudlos und antriebslos sind.  

Hierbei kann allerdings nicht pauschalisiert werden, wie schwer diese Erkrankung ist, denn sie kann mild, mittelschwer und schwer ausfallen. 

Winterdepression 

Sicherlich wirst du schon mal etwas von der sogenannten Winterdepression gehört haben.  

Hierbei handelt es sich um eine saisonale Depression, welche vermutlich durch Mangel an Sonnenlicht im Winter ausgelöst wird.  

Die auftretende Niedergeschlagenheit und Traurigkeit nimmt ab, sobald es auf die Frühlingsmonate zugeht. 

Chronisch depressive Verstimmung 

Die chronisch depressive Verstimmung trägt schon im Namen, was sie so besonders macht, denn diese Art der Depression hält mindestens zwei Jahre an, kann jedoch in der Intensität von Tag zu Tag schwanken.  

Es kann auch dazu kommen, dass ein Betroffener an einer chronisch depressiven Stimmung leidet und zugleich noch eine depressive Episode erleidet. Wenn dies vorkommt, sprechen Ärzte von einer doppelten Depression. 

Bipolare Depression 

Eine bipolare Depression haben Betroffene ihr Leben lang.  

Bei dieser Form der Erkrankung wechselt der Betroffene zwischen manischen und depressiven Episoden.  

Eine manische Phase zeichnet sich durch eine extreme Euphorie und ein Hochgefühl aus, welches sich binnen Sekunden zu einer depressiven Episode wandeln kann.  

Gefühle wie Antriebslosigkeit, Freudlosigkeit und Suizidgedanken können in solch einer Phase häufig auftreten. 

Es gibt auch noch weitere Arten der Depressionen, wie beispielsweise die sogenannte PMS Depression, die bei Frauen vor der Periode auftreten kann, allerdings wurde diese noch nicht wissenschaftlich anerkannt, weshalb wir sie in unseren Ausführungen nicht berücksichtigen. 

So erkennst du eine Depression 

Je nach Art der Depression können die Symptome unterschiedlich sein, generell lassen sich jedoch Symptome finden, die fast immer auftreten.  

An dieser Stelle ist allerdings noch zu erwähnen, dass diese Symptome nicht zwangsläufig auf eine Depression hindeuten müssen, viele überschneiden sich zum Beispiel auch mit der Symptomatik eines Burn-Out. 

Um sicherzugehen und eine individuelle Beratung zu bekommen, solltest du im Zweifelsfall immer einen Arzt konsultieren. 

Das sind die häufigsten Symptome bei einer Depression  

Antriebslosigkeit und ein Mangel an Motivation 

Menschen, die an einer Depression leiden, thematisieren sehr oft, dass alltägliche Dinge, die vorher ohne Probleme durchgeführt werden konnten, plötzlich unbezwingbare Hürden darstellen.  

Es fehlt die Motivation, sein Leben anzugehen und bei besonders schweren Fällen kann dies darin resultieren, dass der Betroffene das Bett kaum noch verlässt. 

Niedergeschlagenheit 

Wie bereits angesprochen, bezeichnen Betroffene die Depression oftmals als „schwarzer Schleicher/Vorhang“ oder „dunkle Wolke“, die sich über den eigenen Körper und das Leben ausbreitet.  

Dies hat mit der Niedergeschlagenheit zu tun, die sich oftmals nicht erklären lässt.  

Die Betroffenen können nicht erklären, wieso sie sich so fühlen, sodass es schwer ist, das Problem anzugehen.  

Gedanken wie „Ich habe doch gar keinen Grund traurig zu sein, wieso bin ich es dann und wieso kann ich nicht damit aufhören?“ sind Selbstvorwürfe, die daraus resultieren können. 

Innere Leere 

Den Betroffenen macht nichts mehr Spaß, Dinge, die ihnen früher Freude bereitet haben, bedeuten auf einmal nichts mehr.  

Man ist regelrecht gefühlstot und verliert das Interesse, aktiv am Leben teilzunehmen.

Selbst sehr positive Erlebnisse, über die man sich vorher unglaublich gefreut hätte, lösen im Körper keine Glücksgefühle mehr aus. 

Weitere Symptome können sein: 

  • Das Gefühl, keine Kraft zu haben 
  • Schlafstörungen (Ständige Müdigkeit, aber schlafen ist kaum möglich) 
  • Ruhelosigkeit 
  • Verlust des sexuellen Verlangens 
  • Selbstzweifel 
  • Stetige negative Gedanken 

Es kann auch zu körperlichen Symptomen kommen, wie zum Beispiel: 

  • Schlafstörungen 
  • Appetitlosigkeit
  • Herz-Kreislauf-Beschwerden  
  • Magenprobleme
  • Kopfschmerzen und Rückenschmerzen 

Wie können Depressionen entstehen? 

Die Frage ist nun, wie Depressionen eigentlich entstehen können - hier unterscheiden wir vier Faktoren, die einen Einfluss auf die seelische Gesundheit haben können: 

  • Genetischen Faktoren 
  • Hormonelle Veränderungen 
  • Schicksalsschläge  
  • Neurophysiologische Faktoren  

Zudem ist es noch erwähnenswert, dass Menschen in jedem Alter von Depressionen betroffen sein können.  

Laut Statistiken sind Frauen in jeglichen Altersgruppen fast doppelt so stark betroffen wie Männer.  

Es wird dennoch vermutet, dass die Zahl der depressiven Männer weit höher liegt.  

Generell haben Männer größere Probleme damit, nach Hilfe zu fragen und vor allem bei seelischen Problemen zu einem Experten zu gehen.  

Durch den Stereotypen des „starken Mannes“ sehen viele Männer das Fragen nach Hilfe und das Eingeständnis, dass Hilfe benötigt wird, als Schwäche. 

Hormonelle Veränderungen 

Frauen mit starken PMS (Prämenstruellen Symptomen) wissen, wie viel Einfluss Hormone auf unser Wohlbefinden und unsere Psyche haben.  

Nicht umsonst etabliert sich die Bezeichnung PMS Depression mehr und mehr, denn einige Frauen berichten regelmäßig von starken Stimmungsschwankungen, Abgeschlagenheit und Traurigkeit ca. eine Woche oder auch wenige Tage vor der Periode.  

Doch nicht nur die PMS Depression, sondern auch die unipolare Depression kann durch ein hormonelles Ungleichgewicht ausgelöst werden. 

Schicksalsschläge 

Schicksalsschläge, wie zum Beispiel der Tod einer für uns wichtigen Person oder die Trennung von einem Lebenspartner, kann uns so stark aus der Bahn werfen, dass dadurch eine unipolare Depression und in seltenen Fällen auch eine chronisch depressive Verstimmung ausgelöst wird.  

Hierbei muss allerdings beachtet werden, dass es Unterschiede gibt zwischen einer richtigen Depression und bloßer Trauer. 

Genetische Faktoren 

Man kann eine Tendenz zur Depression auch von den Eltern erben. Natürlich bedeutet das nicht zwangsläufig, dass man auf jeden Fall früher oder später eine Depression entwickelt, doch lässt sich in vielen Fällen eine genetische Verbindung erkennen. 

Neurophysiologische Faktoren 

Schließlich können auch neurophysiologische Faktoren eine Rolle spielen, wie beispielsweise, wenn es zu Stoffwechselveränderungen im Gehirn kommt. Diese können die Ausschüttung von Glückshormonen beeinflussen.

Therapie und Medikation – So werden Depressionen behandelt 

Depressionen beeinflussen das Leben von Betroffenen sehr stark und verschlechtern die Lebensqualität.

Das Gute ist jedoch, dass eine Depression mit Therapie und Medikation in den Griff bekommen werden kann, sobald sie diagnostiziert ist.  

Wie so eine Therapie aussieht und welche Medikamente eingesetzt werden, erfährst du im nächsten Abschnitt: 

Therapie bei Depressionen 

Bei einer Depression muss nicht direkt zu Medikamenten gegriffen werden, denn es gibt verschiedene Therapiemöglichkeiten, die sich positiv auf die Krankheit auswirken können.  

Dazu zählen unter anderem folgende Therapieformen: 

Die Psychotherapie 

Bei der Psychotherapie sucht der Betroffene über viele Monate hinweg einen Therapeuten auf, der ganz individuell den Auslöser der Depression sucht und mit diversen Methoden und Übungen versucht, die mentale Stimmung zu verbessern.  

Dies ist vor allem sehr wirksam, wenn ein Schicksalsschlag der Auslöser der Erkrankung war.  

Diese Therapie benötigt allerdings in der Regel viel Zeit, bis sich positive Veränderungen einstellen.  

Die kognitive Verhaltenstherapie 

Ähnlich wie bei der Psychotherapie suchen Betroffene und ihr Therapeut gemeinsam nach Wegen, die Situation zu verbessern.

Hier liegt der Fokus allerdings mehr auf dem Verhalten, welches sich durch gewisse Muster, negative Gedanken und Überzeugungen auf das Wohlbefinden auswirken.   

Die psychodynamische Psychotherapie 

Auch hier liegt die Basis auf der Psychotherapie, doch mit starkem Fokus auf einen Schicksalsschlag. Dieser wird konkret analysiert und dann mit Übungen möglichst aktiv verbessert. 

Medikamente bei Depressionen 

Bei besonders schweren Formen der Depression oder wenn der Betroffene keine Therapie wünscht, können auch sogenannte Antidepressiva eingesetzt werden.  

Hierbei sollte allerdings beachtet werden, dass nicht jede Person auf die Medikation anspringt und es zu Rückfällen kommen kann, sobald die Medikation abgesetzt wird.  

Im Folgenden zählen wir einige typische Antidepressiva auf, die vom Arzt verschrieben werden können.  

Bitte beachte, dass diese Medikamente nur durch einen Arzt und unter regelmäßiger ärztlicher Beobachtung eingenommen werden sollten und Antidepressiva nicht für die Selbstmedikation geeignet sind. 

Selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer (SSRI) 

Dieses Medikament hilft dabei, das Glückshormon Serotonin im Körper zu aktivieren und so den Serotoninspiegel zu erhöhen. Dies hat in der Regel eine stimmungsaufhellende Wirkung und auch einen allgemeinen positiven Effekt auf Betroffene. Hierbei handelt es sich um das Medikament, das aktuell am häufigsten verschrieben wird. 

Trizyklische Antidepressiva 

Dieses Medikament wird heutzutage kaum noch verschrieben, da es zu starken Nebenwirkungen kommen kann. Besonders bei älteren Betroffenen kann dieses Mittel zu schweren Herzproblemen führen.  

Es wird in der Regel nur noch verschrieben, wenn andere Medikamente nicht wirken. 

Monoaminoxidase Hemmer 

Auch dieses Medikament wird eher selten verschrieben, da es - ähnlich wie bei trizyklischen Antidepressiva - zu schweren Nebenwirkungen kommen kann. 

Ich kenne jemanden, der unter einer Depression leidet - was soll ich tun?

Wenn du oder jemand, den du kennst unter einer Depression leidet, können wir dir nur raten, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. 

Auch wenn Betroffene das Gefühl haben, in einer ausweglosen Situation zu stecken, ist dies keineswegs der Fall. Wie unser Artikel gezeigt hat, gibt es diverse Möglichkeiten zur Behandlung dieser Krankheit.


Ich möchte kostenlos und unverbindlich den was-heilt Info-Newsletter erhalten und stimme der Verarbeitung meiner Daten gemäß Datenschutzerklärung zu. Ich kann diesen Wunsch jederzeit widerrufen.

Neueste Beiträge:


Beliebt:

Empfohlen:


Ich möchte kostenlos und unverbindlich den was-heilt Info-Newsletter erhalten und stimme der Verarbeitung meiner Daten gemäß Datenschutzerklärung zu. Ich kann diesen Wunsch jederzeit widerrufen.

Die wichtigsten Fortbildungen für Deine Praxis

Pflichtunterweisung Hygiene für 1 Euro 14 Tage testen!

  • Interaktive Module, Übungen und Vorlagen für schnelle Umsetzung in der Praxis
  • Erledige essenzielle Themen in nur zwei Stunden pro Monat
  • Mach Schluss mit langwieriger Recherche und verbring mehr Zeit mit Dingen die Dir wichtig sind!

Empfohlen: 

Beliebt: