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Was man zur Pflegereform wissen sollte

Im Juni 2021 beschloss der Bundestag die neue Pflegereform. Das dafür entwickelte Gesetz wird Gesundheitsversorgungsweiterentwicklungsgesetz, kurz GVWG, heißen.

Leistungsbeträge werden sich somit ab dem 01. Januar 2022 ändern, aber auch Zuschüsse zu Pflegekosten werden darin aufgeschlüsselt, neu wird eine Übergangspflege im Krankenhaus sein.

Was bedeutet Pflegebedürftigkeit?

Pflegebedürftigkeit ist ein Zustand, der durch eine Krankheit oder eine Behinderung zustande kommt. Dadurch kann der Betroffene den Alltag nicht mehr selbstständig bewältigen und ist  auf Hilfe und Pflege durch andere angewiesen.

Die Pflege kann durch Angehörige geleistet werden, aber auch professionelle Pflege ist möglich.

Pflegebedürftigkeit an sich ist nicht gleichzusetzen mit einem hohen Alter. Auch in jungen Jahren können Menschen pflegebedürftig sein oder werden. Gerade daher ist es so wichtig, sich mit diesem Thema auseinander zu setzen.

Um Leistungen der Pflegeversicherung in Anspruch nehmen zu können, sollte ein Pflegegrad vorliegen. Je nach Pflegegrad, also wie stark der Mensch eingeschränkt ist, richten sich auch die Beträge, die die Pflegeversicherung übernimmt. Der Medizinische Dienst der Pflegekasse begutachtet den Pflegebedürftigen auf Basis von 6 Modulen.

Die Pflegeversicherung übernimmt oder finanziert zu Teilen die Leistungen, die ein Pflegebedürftiger in Anspruch nehmen muss. Dabei kann zwischen ambulanter und stationärer Pflege unterschieden werden.

Die Leistungen und die Grundlagen der Pflegeversicherung sind im Sozialgesetzbuch neun geregelt.

Warum eine Pflegereform?

Gerade in der Corona-Krise ist vielen bewusst geworden, wie sehr der Berufszweig der Pflege belastet ist und trotz dessen die Löhne oft noch sehr niedrig ausfallen.

Das Pflegesystem muss also umfassend reformiert werden. Die Verantwortung für Pflegekräfte im Gegensatz zu der Bezahlung ist enorm. Der Beruf wird immer unattraktiver und somit wird der Effekt des Pflegenotstandes und des Personalmangels immer deutlicher.

Zudem sind Pflegebedürftige und deren Angehörige einer großen finanziellen Belastung ausgesetzt.

Der Bonus, den einige Pflegekräfte in der Corona-Krise ausgezahlt bekommen haben, hat nur kurz für Euphorie gesorgt. Schnell wurde vielen Pflegekräften bewusst, dass die gesamte Situation dadurch nicht verbessert wird.

Und auch die Kosten für Pflege steigen jährlich und immer mehr Menschen können sich eine professionelle Pflege nicht mehr leisten. In der Pflege müssen sich grundsätzliche Bedingungen wie Finanzierung der Pflege, aber auch Entlohnung des Personals ändern.

Pflegekosten im Heim mit weiteren Zuschüssen

Ein Heimplatz setzt sich aus mehreren Kostenstellen zusammen. Dabei gibt es die Pflegekosten, die Ausbildungskosten, die Investitionskosten und die Kosten für die Unterkunft und die Pflege.

Dabei beteiligen sich die Pflegekassen natürlich auch an den Kosten. Je nach Pflegegrad gibt es pauschale Beträge, die einen Teil der Pflege- und Ausbildungskosten decken.

Oft reichen diese Beträge allerdings nicht aus, um die Kosten decken zu können.

Dadurch kommt der hohe Eigenanteil an den Pflege- und Ausbildungskosten zu Stande, die ein pflegebedürftiger Mensch decken muss. Dazu kommen dann noch die Kosten für die Unterkunft, die Verpflegung und die Investitionskosten.Diese Kosten muss der Pflegebedürftige allerdings immer selbst tragen.

Ab dem 01. Januar 2022 wird also ein Zuschlag zu den Pflege- und Ausbildungskosten gewährt. Dadurch verringert sich der Eigenanteil der Pflegebedürftigen.

Diese Kosten werden dann nach dem Zeitraum, in dem die Leistungen bezogen werden, gestaffelt:

· 5% des Eigenanteils innerhalb des ersten Jahres,

· 25% der Kosten, wenn der Pflegebedürftige länger als ein Jahr im Heim lebt,

· 45% des Eigenanteils, wenn der Pflegebedürftige länger als zwei Jahre im Heim lebt,

· Und 70% des Eigenanteils der Pflegekosten, wenn der Pflegebedürftige länger als drei Jahre in einem Heim lebt.

Dies gilt allerdings erst ab Pflegegrad zwei. Diese Zuschläge müssen nicht extra beantragt werden. Die Einrichtungen bekommen die Informationen von der jeweils zuständigen Pflegekasse mitgeteilt.

Betrag für Pflegesachleistungen wird erhöht

Ebenfalls werden ab 01. Januar 2022 die Beiträge für die Pflegesachleistungen erhöht. Dies betrifft Pflegebedürftige, die zu Hause durch einen Pflegedienst betreut werden. Auch diese Erhöhung der Leistung trifft allerdings erst ab Pflegegrad zwei zu.

Die Pflegesachleistungen werden insgesamt um 5 Prozent erhöht:

· Bei Pflegegrad zwei von 689 Euro auf 724 Euro,

· Bei Pflegegrad drei von 1298 Euro auf 1363 Euro,

· Bei Pflegegrad vier von 1612 Euro auf 1693 Euro,

· Bei Pflegegrad fünf von 1995 Euro auf 2095 Euro.

Auch an die Kurzzeitpflege wurde gedacht. 2021 liegen die Leistungen noch bei 1612 Euro pro Kalenderjahr. Ab 2022 werden die Leistungen der Kurzzeitpflege um zehn Prozent auf 1774 Euro pro Kalenderjahr angehoben. Um diese Leistungen zu erhalten, muss auch hierfür kein gesonderter Antrag gestellt werden.

Im Krankenhaus ist nun Übergangspflege möglich

Wenn im Anschluss des Krankenhausaufenthaltes die Versorgung nicht gewährleistet ist, oder nur mit großem Aufwand sichergestellt werden kann, kann die Übergangspflege in Anspruch genommen werden.

Dies wäre beispielsweise der Fall, wenn nach dem Aufenthalt im Krankenhaus keine Reha-Behandlung oder Kurzzeitpflege anschließt, oder wenn beispielsweise Verhinderungspflege oder Tagespflege nicht verfügbar sind.

Dies sind alles Leistungen der Pflegeversicherung. Tritt dieser Fall ein, kann die Übergangspflege im Krankenhaus genutzt werden. Dies ist allerdings nur für zehn Tage je Krankenhausaufenthalt möglich.

Dieses Angebot wurde komplett neugestaltet und es sind noch nicht alle Einzelheiten dazu einheitlich geklärt. Die Übergangspflege wird von der Krankenkasse gestaltet, das heißt, sollte diese beantragt werden, muss die Beantragung immer über die Krankenkasse laufen.

Nach dem Tod erlischt der Erstattungsanspruch nicht

Ab Januar 2022 können teilweise Erstattungen geltend gemacht werden, die auch über den Tod des Pflegebedürftigen hinaus möglich sind. Dazu zählen beispielsweise auch die Kosten von wohnumfeldverbessernden Maßnahmen, wenn z. B. die Wohnung altersgerecht gestaltet wird.

Aber auch Kosten für Entlastungsleistungen oder für Verhinderungspflege können noch geltend gemacht werden. Dies gilt nach dem Tod des Pflegebedürftigen bis zu einem Zeitraum von zwölf Monaten.

Beratungsansprüche steigen

Bisher war es der Fall, dass nach Beantragung eines Pflegegrades eine Pflegeberatung durch einen konkreten Ansprechpartner stattfinden musste.

Diese Beratung führte meist ein Pflegedienst durch. Ab Januar 2022 ist eine professionelle Beratung allerdings auch nötig, wenn andere beziehungsweise weitere Leistungen der Pflegeversicherung beantragt werden.

Dieser Beratungsanspruch gilt dann auch bei Pflegesachleistungen, Pflegegeld, Kombinationsleistungen oder Pflegehilfsmitteln.

Aber auch wohnumfeldverbessernden Maßnahmen, digitalen Pflegeanwendungen oder Tages-, Nacht- und Kurzzeitpflege gilt dieser Beratungsanspruch.

Auch wenn eine Unterbringung in einem Heim geplant ist, muss diese Beratung durchgeführt werden. Diese Pflegeberatung kann auch durch die zuständige Pflegekasse abgedeckt werden.

Auch die Ausstellung eines Beratungsgutscheines durch die Pflegekasse ist möglich. Wichtig hierbei ist, dass die Beratung innerhalb von zwei Wochen erfolgt.

In dem Beratungsgespräch muss zudem ausdrücklich die Möglichkeit des individuellen Versorgungsplans angesprochen werden.

Hilfsmittelversorgung bald leichter

Viele pflegebedürftige Menschen benötigen früher oder später Hilfsmittel. Die Versorgung mit Hilfsmitteln kann Pflegebedürftigen auch ein Stück Selbstständigkeit zurückgeben. Oft sind sie aber auch eine Erleichterung für den Alltag.

In Zukunft dürfen Pflegefachkräfte Empfehlungen für Hilfsmittel oder Pflegehilfsmittel geben. Diese Empfehlung kann dann sogar einem Antrag auf Hilfsmittel oder Pflegehilfsmittel hinzugefügt werden.

Eine ärztliche Begutachtung oder eine ärztliche Verordnung sind somit nicht mehr nötig. Die Empfehlung der Pflegefachkraft darf in diesem Fall allerdings nicht älter als zwei Wochen sein.

Auch hier sind jedoch die Einzelheiten noch nicht abschließend geklärt und werden vermutlich erst Ende des Jahres veröffentlicht.

Damit wird die Hilfsmittelbeantragung für Pflegebedürftige deutlich leichter.

Ohne Antrag Pflegesachleistungen umwandeln

Pflegesachleistungen konnten bisher teilweise für anerkannte Entlastungsleistungen genutzt werden. Dies musste allerdings immer über den Weg der Antragstellung geschehen.

In Zukunft können bis zu 40 Prozent der ungenutzten Pflegesachleistungsbeträge für Entlastungsleistungen genutzt werden.

Wie wird diese Pflegereform finanziert?

Die Pflegereform wird den Staat jährlich rund 3 Milliarden Euro kosten.

Ab 2022 wird die Pflegeversicherung dafür einen pauschalen Bundeszuschuss erhalten. Dieser Zuschuss wird jedes Jahr circa 1 Milliarde betragen. Hinzu kommt, dass Kinderlose nun einen Beitragszuschlag von 0,1 Prozentpunkten tragen müssen. Dadurch wird die Pflegeversicherung jährlich circa 400 Millionen Euro zusätzlich erhalten.

Wurde auch an die Pflegekräfte gedacht?

Die Pflegekräfte bekommen, wie oben bereits beschrieben, einen größeren Verantwortungsbereich.

Sie können jetzt beispielsweise Hilfsmittel empfehlen, wofür sonst eine ärztliche Verordnung nötig war. Dadurch wird der Verantwortungsbereich der Pflegekräfte noch einmal deutlich erhöht und somit kann auch mehr Wertschätzung dem Pflegepersonal gegenüber entstehen und deutlich gemacht werden.

Aber auch am Personalschlüssel soll sich etwas ändern - es wird einen bundeseinheitlichen Personalschlüssel geben. Heime müssen dann demnach mehr Pflegpersonal einstellen.

Die größte Veränderung wird es beim Gehalt der Pflege- und Betreuungskräfte geben. Ab dem 01. September 2022 können nur noch Einrichtungen mit der Pflegeversicherung abrechnen, wenn sie nach Tarif bezahlen.

Dadurch werden viele Pflegekräfte endlich nach Tariflohn bezahlt und mehr Pflegekräfte müssen eingestellt werden. So kann eventuell der Unzufriedenheit des Pflegepersonals entgegengewirkt werden.

Ursprüngliche Pflegereform

Eigentlich sollten drei Bereiche reformiert werden. Dazu sollten die häusliche Pflege, die stationäre Pflege und die Tarifbindung zählen. Viele Vorhaben werden 2022 also noch nicht umgesetzt.

Ursprünglich war beispielsweise geplant, den Eigenanteil für die stationäre Pflege, also für eine Unterbringung in einem Heim, auf maximal 700 Euro zu beschränken. Dies sollte für drei Jahre gelten, danach sollte der Eigenanteil gänzlich gestrichen werden.

Eventuell werden viele Punkte in einer späteren Gesetzbildung aufgenommen.

Fazit zur Pflegereform

Pflege in Deutschland ist teuer und wird es auch bleiben.

Durch die neue Pflegereform können jedoch spürbar die Kosten, die auf Pflegebedürftige zukommen, gesenkt werden.

Besonders Pflegebedürftige, die in einem Heim leben, werden entlastet. Aber auch den Pflegekräften kommt die Pflegereform zugute. Lohnzahlungen nach Tarif und mehr Verantwortungsbereiche und damit die entstehende Wertschätzung gehören dazu.

Wie lange dieser Effekt anhalten wird, bis die Preise für die Pflege langsam wieder angeglichen sind, wird sich zeigen.

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