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Was kostet Pflege? Ein Überblick über die Situation in Deutschland

Wenn Angehörige oder geliebte Menschen pflegebedürftig werden, ist das oft nicht einfach. Glücklicherweise hilft die öffentliche Hand mit finanzieller Unterstützung. Welche Möglichkeiten du hast und wie die Pflege allgemein organisiert ist, verrät dir dieser Beitrag.

Entscheidend sind Pflegegrad und Art der Pflegeleistung

Zunächst die gute Nachricht: In Deutschland hilft die Pflegeversicherung bei der finanziellen Bewältigung der Pflegekosten. Die Höhe der Zuzahlungen richtet sich dabei nach dem Pflegegrad des Bedürftigen.

Zur Einteilung in die fünf Pflegegrade wird durch ein Gutachten des Medizinischen Dienstes (MD) ermittelt, wie stark die Einschränkungen in sechs Bereichen wie etwa Mobilität und Fähigkeit zur Selbstversorgung sind.

Der Pflegegrad 5 ist dabei die höchste Stufe und gewährt die umfangreichsten Leistungen (Pflegegeld und Pflegesachleistungen) durch die Pflegeversicherung, etwa ein Zuschuss für die Kosten eines Seniorenheims.

Leider reichen die monatlichen Zahlungen der Pflegekassen oft nicht aus, um die tatsächlichen Kosten vollständig zu decken. Daher ist je nach Höhe des Pflegegrades und der Art der Unterbringung ein Eigenanteil zu tragen. Dieser kann zum Beispiel bei Unterbringung in einem Altenheim und Pflegegrad 5 bei durchschnittlich 1.800 Euro liegen.

Für die Abschätzung der zu erwartenden Kosten ist daher entscheidend, ob der Pflegebedürftige stationär, zu Hause durch Angehörige oder durch Pflegedienste betreut wird und welchen Pflegegrad er hat.

Ambulante Pflege

Zunächst gibt es die Möglichkeit der ambulanten bzw. häuslichen Pflege. Dabei wird der Pflegebedürftige in seinem häuslichen Umfeld von einem Angehörigen, einer privaten Pflegekraft oder einem ambulanten Pflegedienst betreut.

Der Vorteil hierbei ist, dass der Pflegebedürftige in seiner gewohnten Umgebung verbleiben und dennoch Pflegeleistungen erhalten kann.

Wer die Pflege übernimmt, richtet sich meist nach dem Umfang der erforderlichen Hilfe.

So kann es ausreichen, dass nur einige Male in der Woche bei der Körperpflege, in der Küche oder häuslichen Erledigungen geholfen wird, was meist auch durch Angehörige erfolgen kann.

Auf der anderen Seite kann auch eine Tag & Nacht-Pflege mit professioneller medizinischer Betreuung erforderlich werden, was nur durch ambulante Pflegedienste zu leisten ist.

Häusliche Pflege durch Angehörige: Kosten und Zuschüsse

Grundsätzlich gilt: Die Kosten der häuslichen Pflege sind selbst zu tragen. Nur wenn der Pflegebedürftige einen Pflegegrad von 2 oder höher hat, besteht Anspruch auf Pflegegeld.

Außerdem muss sichergestellt sein, dass die Pflege durch Angehörige oder Bekannte tatsächlich und regelmäßig erfolgt. Die Leistungen stehen dem Pflegebedürftigen in Person zu. Es liegt also an ihm, ob er damit die pflegende Person vergüten möchte. Die Höhe des Pflegegeldes beträgt monatlich:

  • 316 Euro bei Pflegegrad 2
  • 545 Euro bei Pflegegrad 3
  • 728 Euro bei Pflegegrad 4
  • 901 Euro bei Pflegegrad 5

Zusätzlich stehen jedem Pflegebedürftigen jedoch weitere 125 Euro monatlicher Entlastungsbetrag zu. Dieser ist zweckgebunden und dient der Erstattung von Pflegeleistungen der zugelassenen Pflegedienste. Diesen Betrag können auch Personen mit Pflegegrad 1 beantragen.

Häusliche Pflege durch eine private Pflegekraft

Da die Leistungen des Pflegegeldes dem Pflegebedürftigen persönlich zustehen, kann er sich auch dazu entscheiden, eine private Pflegekraft in seine Dienste zu stellen. Die Auswahl der Person obliegt dabei ihm.

In diesem Fall kann er ebenfalls das Pflegegeld anteilig zur Begleichung der entstehenden Kosten einsetzen. Während die Höhe des Pflegegeldes sich nicht von den Leistungen bei der Pflege durch Angehörige oder Pflegedienste unterscheidet, sind private Pflegedienste in der Regel deutlich kostspieliger.

Als Durchschnittswert können bei der privaten Betreuung etwa 2.000 Euro monatlich angesetzt werden.

Häusliche Pflege durch einen ambulanten Pflegedienst

Wird der zeitliche Aufwand höher oder werden die zu bewältigenden Aufgaben komplexer, können professionelle Pflegedienste die häusliche Betreuung übernehmen.

Sie leisten zunächst die Grundpflege, also Hilfe bei der Ernährung, dem Ankleiden oder der Körperwäsche.

Neben hauswirtschaftlicher Versorgung können Sie jedoch auch einfache medizinische Behandlungspflege wie Injektions- oder Medikamentengabe übernehmen.

Wenn der Pflegebedürftige mindestens den Pflegegrad 2 hat, kann er dafür eine Kostenübernahme beantragen. Die Leistung der Pflegekasse erfolgt in diesem Fall als sogenannte Pflegesachleistung.

Die monatlichen Beträge werden hier nicht an den Pflegebedürftigen gezahlt, sondern von den Pflegediensten direkt mit der Pflegekasse verrechnet.

Rechnungen der Pflegedienste werden jedoch nur bis zu einem bestimmten Höchstbeitrag übernommen. Übersteigen die tatsächlich angefallenen Kosten diesen Betrag, muss der Pflegebedürftige die Differenz tragen. Die Höhe der monatlichen Pflegesachleistung beträgt:

  • 689 Euro bei Pflegegrad 2
  • 1.298 Euro bei Pflegegrad 3
  • 1.612 Euro bei Pflegegrad 4
  • 1.995 Euro bei Pflegegrad 5

Wie hoch die darüber hinaus berechneten Kosten der ambulanten Pflegedienste sind, ist abhängig von deren Kostenstruktur und der individuell benötigten Leistungen. Daher sind pauschale Angaben der Höhe des Eigenanteils nicht möglich, jedoch kann der Durchschnitt etwa bei Pflegegrad 2 mit 211 Euro und bei Pflegegrad 4 mit ca. 1.500 Euro angesetzt werden. Bei Pflegegrad 5 sind Eigenanteile von durchschnittlich bis zu 2.100 Euro möglich.

Kombinationsleistung

Der Pflegebedürftige kann sich auch dafür entscheiden, nur einen Anteil der Pflegesachleistung in Anspruch zu nehmen. Der verbleibende Anteil kann dann für die Pflege durch eine Privatperson verwendet werden, wenn diese etwa die hauswirtschaftlichen Aufgaben übernehmen soll.

Zu beachten ist allerdings, dass der verbleibende Anteil nicht nach dem Pauschalbetrag der Pflegesachleistung berechnet wird, sondern sich anteilig aus dem Betrag des Pflegegeldes des gleichen Pflegegrades ergibt.

Wird also zum Beispiel die Hälfte der Pflegesachleistung verwendet, steht für die Vergütung des Angehörigen die Hälfte des Pflegegeldes des gleichen Pflegegrades zur Verfügung.

Vollstationäre Pflege

Ist eine ambulante Versorgung nicht mehr angemessen oder hat sich der Pflegebedürftige für eine Unterbringung in einem Seniorenheim entschieden, ist die vollstationäre Pflege eine weitere Möglichkeit.

Bei den entstehenden Kosten muss hier zunächst zwischen Wohnkosten, Investitionskosten und Pflegekosten unterschieden werden.

Wohn- und Investitionskosten

Grundsätzlich gilt auch hier, dass der Pflegebedürftige die Kosten seiner Unterbringung selbst zu tragen hat. Dazu gehören zuvorderst die Aufwendungen für Unterkunft und Verpflegung. Diese Kosten sind eine Frage der Ausstattung des jeweiligen Seniorenheims und der gewählten Komfortklasse des Zimmers.

Wie am gewöhnlichen Mietmarkt auch, unterliegen die Wohnkosten einer großen Bandbreite und sind Sache der Vertragsparteien. Daher sind sie vonseiten der Pflegeversicherung nicht zuschussfähig.

Ebenso werden die Verpflegungskosten individuell festgesetzt und müssen selbst getragen werden. Zudem erheben die Betreiber der Pflegeheime gleich einem Vermieter Investitionskosten, welche auf alle Bewohner umgelegt werden und Rücklagen für Instandsetzung und Reparatur der Gebäude bilden sollen. Auch diese müssen durch den Pflegebedürftigen selbst bezahlt werden.

Die eigentlichen Pflegekosten

Wie stets gilt, dass auch die Pflegekosten in einem Pflegeheim selbst getragen werden müssen.

Jeder kann sich auf Wunsch in ein privates Pflegeheim begeben und die dortigen Leistungen in Anspruch nehmen.

Für staatliche Pflegeeinrichtungen ist jedoch in der Regel eine sog. Heimbedürftigkeitsbescheinigung erforderlich, die ab Pflegegrad 1 beantragt werden kann.

Bei bestehendem Pflegegrad übernimmt die Pflegeversicherung in staatlichen Einrichtungen einen Teil der Pflegekosten, welchen sie als Pauschalbetrag direkt an das Pflegeheim überweist. Die Höhe der Leistungen beläuft sich dabei derzeit auf:

  • 125 Euro Entlastungsbeitrag bei Pflegegrad 1
  • 770 Euro bei Pflegegrad 2
  • 1.262 Euro bei Pflegegrad 3
  • 1.775 Euro bei Pflegegrad 4
  • 2.005 Euro bei Pflegegrad 5

Darüber hinaus muss der Pflegebedürftige einen Eigenanteil tragen, der bei Pflegegrad 1 nur um den Entlastungsbeitrag von 125 Euro gemindert wird.

Ab Pflegegrad 2 wird von der Pflegeeinrichtung ein für alle Pflegestufen gleicher Eigenanteil festgesetzt. Dies stellt gewissermaßen den Sockelbetrag dar, die darüber hinaus entstehenden Kosten werden von der Pflegekasse in Höhe der o. g. Pauschale getragen.

Der Eigenanteil unterscheidet sich zwischen den Pflegeeinrichtungen und wird in Absprache mit der Pflegeversicherung festgesetzt. Als Durchschnittswert für den Eigenanteil können etwa 900 Euro angegeben werden. Dazu kommen dann noch die Kosten für Unterbringung, Verpflegung und die Investionsrücklagen.

Insgesamt kann so im Durchschnitt mit 1.800 Euro monatlichen selbst zu tragenden Gesamtkosten gerechnet werden, wobei die Schwankungsbreite wegen Unterschieden in Ausstattung und Komfort erheblich ausfallen kann.

Mangelnde Leistungsfähigkeit des Pflegebedürftigen

Kann der Pflegebedürftige seinen Eigenanteil nicht selbst bestreiten, muss er zuerst sein bestehendes Vermögen wie Immobilien verwerten, wobei ein Schonvermögen von 5.000 Euro belassen wird.

Darüber hinaus haben Eltern, Ehegatten und Kinder eine Unterhaltspflicht und müssen für den Eigenanteil aufkommen. Für Kinder des Pflegebedürftigen gilt jedoch, dass sie erst ab einem jährlichen Bruttoeinkommen von 100.000 Euro unterhaltspflichtig werden. Findet sich kein leistungsfähiger Unterhaltspflichtiger, übernimmt das Sozialamt den Eigenanteil.

Pflegewohngeld

In drei Bundesländern wird die Entrichtung von Wohngeld übernommen, sofern das Einkommen des Pflegebedürftigen nicht ausreicht. Es wird jedoch nur ein Zuschuss zu den Investitionskosten gezahlt, der direkt an die Pflegeeinrichtung überwiesen wird. Diese Bundesländer sind:

  • Mecklenburg-Vorpommern
  • Nordrhein-Westfalen
  • Schleswig-Holstein

Teilstationäre Pflege

Sollte vorübergehend oder dauerhaft die häusliche Pflege nicht möglich und eine ambulante Versorgung nicht ausreichend sein, ist auch die halbtägliche stationäre Unterbringung möglich.

Das kann etwa notwendig werden, wenn der pflegende Angehörige tagsüber unabkömmlich ist und der Pflegebedarf durch einen ambulanten Pflegedienst nicht gedeckt werden kann.

In diesem Fall ist die Kostenverteilung ähnlich strukturiert wie die vollstationäre Pflege: Die Unterkunfts-, Verpflegungs- und Investitionskosten müssen in Eigenverantwortung getragen werden.

Für die in der Einrichtung erbrachten Pflegeleistungen wird jedoch ein Pauschalbetrag von der Pflegekasse gezahlt, welcher in seiner Höhe den Pflegesachleistungen bei häuslicher Pflege entspricht.

Wenn du dich für das Thema Pflege interessierst, schau dir auch gerne unseren Artikel zum Thema "Ambulante Pflege" an.

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