Zuletzt aktualisiert: August 2021

Volkskrankheit Gicht: Ursachen, Folgen und Behandlung

Besonders nach Festtagen machen sich die ersten Anzeichen bemerkbar. Das üppige Mahl, der Alkohol und die beschauliche Ruhe gehören zwar zu den Gewohnheiten, aber bald darauf suchen viele Menschen die Arztpraxen auf, weil anhaltende Gelenkschmerzen sie plagen. Der Mediziner diagnostiziert dann meist zielsicher einen Gichtanfall, oft bedingt durch eine purinhaltige Ernährung und  Bewegungsmangel.

Als Gicht bezeichnen die Ärzte eine Stoffwechselstörung, die vor allem zu schmerzhaften Entzündungen in Gelenken führt. Im Blut befindet sich übermäßig viel Harnsäure und lagert sich in Form von Kristallen in der Haut der Gelenke ab, aber auch in Schleimbeuteln, den Sehnen oder im Ohrknorpel.

Wie entsteht die Erkrankung?

Für einen hohen Harnsäurespiegel gibt es zwei Gründe. Entweder ist zu viel Harnsäure vorhanden, oder die Nieren scheiden nicht genug davon aus. Sind die Werte stark erhöht, kommt es zu einem akuten Schmerzanfall, begleitet von Rötungen, Schmerzen und Schwellungen.

Beim Aufspalten von Purinen entsteht Harnsäure. Die Abbauprodukte bilden sich normalerweise, wenn der Organismus erkrankte Zellen abbaut. Aber auch Nahrungsmittel enthalten Purine. Das trifft besonders auf Fleisch und Wurst zu, gilt aber auch für Käse, Innereien und sogar für einige Gemüsesorten.  Alkohol gilt ebenso als Ursache, der außerdem noch das Ausscheiden der Harnsäure durch die Nieren einschränkt.

Primär oder sekundär? Angeboren oder erworben?

Die allermeisten Patienten mit einem Gichtleiden, nämlich 90 Prozent, sind von einem gestörten Stoffwechsel betroffen, der angeboren ist. Die Mediziner sprechen von einer „primären“ Gicht oder einer „primären Hyperurikämie“. Meist kommen die Nieren ihrer eigentlichen Aufgabe nicht ausreichend nach, sie scheiden zu wenig Harnsäure aus. Oder der Arzt entdeckt – in seltenen Fällen - einen Gendefekt mit Namen Lesch-Nyhan-Syndrom, der besonders bei jungen Menschen auftritt. Der Organismus produziert dann mehr Harnsäure, als die Nieren verarbeiten können.

Sekundär nennt man die Krankheit, wenn sie als Folge anderer Beschwerden auftritt. Bei einer Leukämie etwa gehen massenhaft körpereigene Zellen zugrunde, was dann Purine in großen Mengen freisetzt.

Aber auch andere Erkrankungen verursachen eine gesteigerte Produktion der Harnsäure. Manche Krebserkrankungen gehören in diese Kategorie, auch die Blutarmut (oder Anämie). Während einer Krebstherapie setzen die Ärzte oft Bestrahlungen ein, die ebenfalls den Harnsäureanteil im Blut in die Höhe treiben, auch zytostatische Medikamente wirken ähnlich.

Bei einer Erkrankung der Nieren oder einem unbehandelten Diabetes scheidet der Körper Harnsäure nicht in genügender Menge aus, so dass der Harnsäurespiegel ansteigt.

Der Patient sollte die Gicht unbedingt behandeln lassen, denn mit der Zeit nehmen die Gelenke Schaden. Mehrheitlich sind Männer betroffen, die Erkrankung entwickelt sich meist erst ab dem vierzigsten Lebensjahr. Wenn Frauen den Beschwerden ausgesetzt sind, dann erst mit dem Beginn des Klimakteriums.

Gicht oder Rheuma?

Der Begriff „Rheuma“ umfasst diverse Krankheitsbilder, unter anderem auch Arthrose oder Osteoporose (Knochenschwund). Die Gicht rechnet man ebenfalls zu den rheumatischen Leiden, sie gilt allerdings als Sonderform, denn das Immunsystem ist in diesem Fall nicht der Auslöser der Gelenkentzündungen. Ursache ist vielmehr, wie oben beschrieben, eine Stoffwechselstörung.

Auslöser der Gicht

Auch Gicht bezeichnet man als eine Wohlstandskrankheit, denn sie tritt in Industrieländern häufiger auf als in ärmeren Regionen. China ist ein gutes Beispiel für den Zusammenhang zwischen Gicht und Ernährung, denn mit steigendem Konsum weiter Teile der Bevölkerung befindet sich auch hier die Erkrankung auf dem Vormarsch.

Bekannte Faktoren begünstigen die Gicht: Eine Ernährung mit viel Fleisch, Meeresfrüchten, Fruktose und auch Alkohol (besonders Bier) in Verbindung mit Übergewicht und andauerndem Bewegungsmangel.

Zwar klingt es paradox, aber auch Diäten und eine Mangelernährung lösen die Beschwerden aus. Bei einer strengen Nahrungsreduktion baut der Organismus Muskelgewebe ab, denn so gewinnt er neue Energie - mit der ungewollten Nebenwirkung, dass er auch viele Purine freisetzt. Bei einer Überanstrengung, was je nach Diät nicht selten vorkommt, entsteht Milchsäure. Sie wird zwar von den Nieren abgebaut, aber sie blockiert auch das Umwandeln und Ausscheiden der Harnsäure.

Abführmittel oder harntreibende Medikamente lösen ebenfalls Gichtsymptome aus. Werden sie übermäßig oder über längere Zeit eingenommen, verdicken sie das Blut, weil die Nieren ständig mehr Wasser ausscheiden als der Patient Flüssigkeit aufnimmt. Der Harnsäureanteil bleibt jedoch gleich, was nichts anderes bedeutet, als dass seine Konzentration ansteigt.

Die ersten Anzeichen

Oft beginnt ein Gichtanfall in der Nacht oder sehr früh morgens mit starken Schmerzen und einer plötzlichen Gelenkschwellung. Der betroffene Bereich ist erwärmt, gerötet und druckempfindlich, alles typische Anzeichen für eine Entzündung.

Beim ersten Anfall schmerzt oft nur ein bestimmtes Gelenk, das Grundgelenk der großen Zehen. Nach und nach sind Hände, Arme und auch Schulter oder Hüfte betroffen. Zwischen den Anfällen ist der Patient zu Beginn meist schmerzfrei.

Bei einem chronischen Verlauf entsteht dauerhaft eine leichte Entzündung. Das bedeutet, der Betroffene ist dauerhaft von Schmerzen geplagt, und die Schwellungen bilden sich nicht mehr zurück. Dann verformen sich unter Umständen sogar die Gelenke, was ihre Beweglichkeit einschränkt. Gichtknoten entstehen, denn die Harnsäurekristalle lagern sich an den Gelenken ab und bilden nach und nach größere Verklumpungen. So zeigen sich um das Gelenk herum sichtbare Knötchen, durch medizinische Maßnahmen lassen sich diese sog. Gicht-Trophi jedoch meist verhindern.

Die Harnsäure lagert sich auch innerhalb der Nieren ab und schränkt bisweilen deren Funktion ein. Das bleibt für den Betroffenen zunächst unbemerkt, aber mit der Zeit entsteht das Risiko, dass sich Nierensteine bilden. In der Folge können sogar schmerzhafte Koliken auftreten. Mehr noch, wird die Gicht sehr spät oder unzureichend behandelt, kommt es nicht nur zu Gelenkentzündungen oder Knochenschäden, sondern im Extremfall sogar zu einem Nierenversagen.

Die Behandlung mit Medikamenten

Der Arzt verschreibt gegen die Gicht meist Medikamente, die den Harnsäureanteil verringern. Bei Männern sollten pro Milliliter Blut höchstens 7,2 Milligramm Harnsäure messbar sein, für Frauen gelten 6 Milligramm als Maximalwert.

Bei akuten Anfällen geht der Mediziner zunächst gegen die schmerzhafte Entzündung vor. Als Medikamente stehen mehrere Optionen zur Wahl. Zunächst sind die entzündungshemmenden, kortisonfreien Antirheumatika zu nennen, die auch ohne Rezept erhältlich sind. Bei der Gabe von Colchicin treten hingegen unter Umständen starke Nebenwirkungen auf. Gleiches gilt bei dauerhafter Anwendung für Kortison. Allerdings bewirkt das Medikament eine rasche Linderung, entweder als Tablette oder Spritze ins betroffene Gelenk.

Sind bereits Gelenkschäden vorhanden oder arbeiten die Nieren nur noch eingeschränkt, eignen sich besonders die Wirkstoffe Urikosurika und Urikostatika. Zu letzteren zählt das häufig verordnete Allopurinol. Das Mittel bewirkt, dass sich weniger Harnsäure bildet, es verringert die Ablagerungen der Harnsäurekristalle und reduziert die Gicht-Trophi sowie bereits vorhandene Nierensteine. Ist die Nierenfunktion schon eingeschränkt, verschreibt der Arzt Febuxosat.

Rezeptfreie Medikamente gegen Gicht

Viele Patienten entscheiden sich bei der Behandlung für Medikamente, die rezeptfrei erhältlich sind. Wirksam gegen die Beschwerden sind Schmerzmittel (NSAR) wie Diclofenac, Ibuprofen oder Indometacin. Bei einer hohen Dosierung verschwinden die Symptome bereits nach wenigen Stunden.

Außerdem wird der Arzt seinen Patienten auf die sog. „PECH“-Regel hinweisen, die nicht nur bei Sportverletzungen die Beschwerden lindert. Also „Pause“ machen! Kühlen („Eis“), „Compression“ anlegen und für Entlastung sorgen durch „Hochlagern“.

Den Lebensstil ändern

Besonders die Essgewohnheiten bedürfen bei Gichtpatienten einer „Überarbeitung“. Lebensmittel mit einem hohen Purinanteil sollte der Betroffene meiden, zu denen auch Hülsenfrüchte wie Linsen, Erbsen und weiße Bohnen gehören. Fleisch und Fisch wurden bereits genannt, Rosenkohl und Spinat enthalten ebenfalls viel Purin, wie auch Joghurt und Säfte (Fruchtzucker).

Die Fettzufuhr ist ebenfalls zu senken. Wer seine Nahrungsmittel also grillt oder dünstet, beugt Gichtanfällen vor, denn Fett in hohen Maßen schränkt die Ausscheidung von Harnsäure deutlich ein. In Wurst oder Fertigprodukten sind oft versteckte Fette enthalten.

Geeignet sind hingegen viele Gemüsesorten, Salat und Kartoffeln. Eier und Milchprodukte eignen sich gut als Eiweißquelle, Vitamin C senkt den Harnsäurespiegel, wenn auch nur leicht.

Außerdem baut Bewegung die überschüssige Harnsäure ab, verbessert die Gelenkfunktion und lindert Entzündungen. Ebenfalls ist auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten, mindestens zwei Liter am Tag werden von Ernährungswissenschaftlern empfohlen. Das unterstützt die Nieren und reguliert die Konzentration der Harnsäure.

Wenn du gerne noch mehr zum Thema erfahren möchtest, empfehlen wir dir die folgende Lektüre: "Das Gicht-Buch: Alles, was Sie wissen müssen. Das können Sie selbst tun." von Dr. med. Heike Bueß-Kovacs.

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