Juni 2019 Lesezeit 4 Minuten


Viele Patienten lügen beim Arzt 

Warum lügen Menschen beim Arzt? Dieser Frage sind jetzt Forscher nachgegangen. In einer Studie amerikanischer Wissenschaftler haben bis zu 80 Prozent der befragten Teilnehmer zugegeben, es beim Arztbesuch mit der Wahrheit nicht immer genau zu nehmen.

Gerade bei der Frage nach der ungesunder Ernährung machen viele Patienten falsche Angaben beim Arzt. 

Meistens dann, wenn es um die Ernährung, den Alkoholkonsum und um Sport geht. Hier wird gerne so einiges beschönigt, was der Realität allerdings nicht standhält. Mediziner wissen, dass sie die Dauer der angegebenen sportlichen Aktivitäten halbieren und die Antwort nach dem Alkoholkonsum verdoppeln müssen, um das Verhalten vieler Patienten richtig einschätzen zu können. In der Studie wurden mehr als 4500 Teilnehmer befragt, von denen 60 bis 80 Prozent Fragen zur Ernährung, zum Alkoholkonsum und zu körperlichen Aktivitäten nicht wahrheitsgemäß beantworten. Dabei, so die Forscher, werde häufig unter den Teppich gekehrt, dass Medikamente nicht regelmäßig eingenommen würden, dafür aber regelmäßig zu Nahrungsergänzungsmitteln gegriffen werde. Meistens, so die Wissenschaftler, werde deswegen geschummelt, damit der Arzt keine schlechte Meinung von seinen Patienten bekomme und nicht der Eindruck entstehe, dass sich seine Klientel zu wenig um sich selbst kümmere.

Auch Scham führt zu Lügen

Außerdem, so weitere Gründe für die Schummelei, möchten viele Menschen von ihrem Arzt nicht belehrt werden – und auch nicht zu hören bekommen, wie sehr ihr Verhalten dem Körper schade. Und schließlich sei es auch Scham, die die Patienten dazu treibe, hin und wieder nicht die Wahrheit zu sagen. Insgesamt stünden diese Patienten unter einem moralischen Druck und bemühen sich deshalb, sich in ein besseres Licht zu rücken.

Wichtig: Vertrauensverhältnis

Allerdings werden in diesem Zusammenhang auch die Mediziner kritisiert: Lügen verweisen auf ein mangelndes Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient. So sei es Aufgabe des Arztes, für ein vertrauensvolles Verhältnis zu sorgen. Dazu gehörten Fähigkeiten wie Offenheit und Empathie. Und auch das Bewusstsein darüber, dass der Patient selbst entscheiden dürfe, welche Informationen er preisgebe und welche nicht. Das A und O für eine offene Kommunikation ist Vertrauen. Fehlt dieses, besteht grundsätzlich die Möglichkeit, den Arzt zu wechseln.