Stand September 2022

Ultraschall des Bauchraums zur Krebsfrüherkennung (IGeL)

Jede Frau, die ein Alter von 20 Jahren erreicht hat, kann beim Gynäkologen eine Beckenraum- bzw. Unterbauchuntersuchung durchführen lassen, damit eine Krebserkrankung möglicherweise früher diagnostiziert werden kann. Ergänzend dazu wird von vielen Gynäkologen auch ein transvaginaler Ultraschall angeboten. Aufgrund dieser Untersuchung sollen bösartige Tumore frühzeitig erkannt werden.

Mithilfe des Ultraschalls kann man die Eierstöcke und die Gebärmutter gleichzeitig untersuchen. Für Frauen, die keinerlei Symptome aufweisen und auch erblich nicht vorbelastet sind, ist der Gebärmutter-Ultraschall eine IGel-Leistung, wobei die Kosten dafür zwischen 12 und 27 Euro liegen.

Treten Symptome wie zum Beispiel Blutungen auf oder besteht eine erbliche Vorbelastung, so werden die Ultraschall-Kosten von der Krankenkasse übernommen.

2020 wurde vom IGeL-Monitor-Team eine Recherche durchgeführt, bei der festgestellt wurde, dass von insgesamt 50 Arztpraxen 47 einen transvaginalen Ultraschall anbieten. Von einem Viertel wird die Untersuchung als sinnvoll empfunden, beinahe die Hälfte der Arztpraxen stellt aber nur den Nutzen des Ultraschalls, nicht aber mögliche Schädigungen dar.

Von ungefähr einem Viertel wird die Leistung lediglich aufgelistet, ohne aber Vor- bzw. Nachteile zu nennen.

Worin besteht das gesundheitliche Problem?

Neben dem Gebärmutterhals- und dem Eierstockkrebs können Frauen auch an Gebärmutterkörperkrebs erkranken, wobei man unterschiedliche Formen dieser Krebsart unterscheiden kann.

Eine der häufigsten Formen ist das sogenannte Endometriumkarzinom. Als Endometrium wird dabei die Schleimhaut bezeichnet, mit der die Gebärmutter ausgekleidet ist.

Kommt es zu einer Entartung der Zellen dieser Schleimhaut, so wird dies als Karzinom bezeichnet.

Andere Tumore gehen auch vom Bindegewebe oder von den Muskelzellen aus, diese Formen treten allerdings relativ selten auf.

Man unterscheidet zwischen zwei unterschiedlichen Typen eines Endometriumkarzinoms:

Die Typ-1-Karzinome sind vom Östrogen abhängig. Meistens treten sie bei Frauen zwischen 55 und 65 Jahren auf und sie haben normalerweise eine sehr gute Prognose, weil man den Krebs in einem relativ frühen Stadium schon erkennen kann.

Die Typ-2-Karzinome treten seltener auf und sind nicht vom Östrogen abhängig. Sie sind bösartiger als die Typ-1-Tumore und betreffen meist Frauen zwischen 65 und 75 Jahren.

Das häufigste Symptom, das bei einem Gebärmutterkörperkrebs auftritt, sind Blutungen nach der Menopause. Darüber hinaus können auch chronische Schmerzen im Unterbauch auftreten, manche Betroffene verlieren zudem an Gewicht.

Das Risiko, an dieser Form des Krebses zu erkranken, erhöht sich, wenn das Hormon Östrogen über einen längeren Zeitraum oder in großer Menge Einfluss auf die Gebärmutterschleimhaut hat, zum Beispiel aufgrund einer Hormontherapie, die ausschließlich Östrogen enthält.

Als weitere Risikofaktoren gelten ein hohes Alter, Bewegungsmangel, Diabetes, erbliche Veranlagung bzw. Antihormontherapie mit Tamoxifen.

Methode der Untersuchung

Mithilfe eines Ultraschalls kann man die Körperorgane darstellen, wobei diese Methode als kostengünstig, strahlungsfrei und nebenwirkungsarm gilt. Dafür kommen Schallwellen zum Einsatz, die vom Gewebe dann reflektiert werden, wodurch ein zweidimensionales Bild entsteht.

Ein Ultraschall wird sehr häufig zur Erstdiagnose, zur Nachsorge bzw. als zusätzliches Diagnoseinstrument eingesetzt.

Je näher der Schallkopf an das Organ herangebracht werden kann, desto genauer kann man dieses dadurch darstellen. Daher wird der transvaginale Ultraschall in der gynäkologischen Praxis auch sehr oft eingesetzt.

Empfehlungen anderer Gesellschaften

Die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, der Deutschen Krebshilfe bzw. der Deutschen Krebsgesellschaft rät vom Einsatz eines transvaginalen Ultraschalls bei Frauen ohne Symptome ab, da es keine eindeutigen Daten dazu gibt, dass durch diese Früherkennungsuntersuchung die Wahrscheinlichkeit, an dieser Form des Krebses zu versterben, nicht gesenkt werden kann.

Auch die British Gynaecological Cancer Society (BGCS) spricht in ihrer Leitlinie dieselbe Empfehlung aus.

Bewertung der IGeL-Leistung


Gesundheitlicher Nutzen

Von einem Nutzen einer transvaginalen Ultraschalluntersuchung könnte man dann sprechen, wenn man bei Frauen ohne vorliegenden Symptomen bzw. ohne erbliche Vorbelastung Gebärmutterkörperkrebs frühzeitig erkennen könnte und durch eine früher einsetzende Behandlung das Leben der Betroffenen verlängert werden kann. Es gibt aber bislang keinerlei Studien, die einen Hinweis darauf liefern könnten.

Was noch hinzukommt ist, dass man ein Endometriumkarzinom in sehr vielen Fällen auch ohne Ultraschall früh erkennt, sodass die Betroffenen zumeist eine gute Prognose haben. Insgesamt wäre der Anteil an Frauen, die durch diese Ultraschalluntersuchung tatsächlich einen Nutzen hätten, relativ gering.

Sind Schäden durch die Untersuchung möglich?

Von einem Schaden durch eine transvaginale Ultraschalluntersuchung würde man dann sprechen, wenn sich das Wohlbefinden der Patientinnen dadurch verschlechtern würde.

Bei einer sachgemäßen Handhabung rufen aber Ultraschalluntersuchungen normalerweise keine Schädigungen hervor. Auch hier gibt es keine aussagekräftigen Studien und Hinweise, dass die Untersuchung schaden könnte.

Was der IGeL-Monitor allerdings herausgefunden hat, ist, dass es durch die Untersuchung zu sehr vielen falsch positiven Ergebnissen kommen kann, vor allem bei Frauen, bei denen keinerlei Krankheitsverdacht besteht.

Das ist darauf zurückzuführen, dass die Gebärmutterschleimhaut vieler Frauen verdickt ist. Was dann folgt, ist eine transvaginale Biopsie, also eine Gewebeentnahme, bzw. eine Ausschabung der Gebärmutterschleimhaut.

Dieser Eingriff ist generell nicht gefährlich, es könnte eventuell aber zu Nebenwirkungen aufgrund der Narkose kommen. Darüber hinaus stellt ein falsch positiver Befund immer auch eine psychische Belastung dar.

Fazit zur IGeL-Leistung

Der IGeL-Monitor sieht den "transvaginalen Ultraschall zur Früherkennung von Gebärmutterkörperkrebs" als "tendenziell negativ", da es keinerlei Studien bezüglich des Nutzens dieser Untersuchung gibt.

Der Ultraschall kann aber bei Frauen, die keine Symptome aufweisen, eventuell zu einem falsch positiven Ergebnis führen, was eine psychische Belastung für die Betroffenen darstellt.

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