​August 2019 Lesezeit 4 Minuten 


Natursubstanz mit antibiotischer Wirkung

Hochwirksame Antibiotika werden zwar auf der Basis von Naturstoffen, im Grunde aber synthetisch hergestellt – nun aber wurden Bakterien entdeckt, die auf der Wildpflanze „Acker-Schmalwand“ leben. Das Besondere: Die Mikroben sollen eine bislang unbekannte chemische Substanz aufweisen, den Wissenschaftler eine antibiotische Wirkung zuschreiben.

Die Natur hält eine oft erstaunliche Apotheke für den Menschen bereit. 

Schweizer Forscher haben diese Mikrobengattung  kürzlich auf der Blattunterseite der Pflanze entdeckt und dabei festgestellt, dass hier diverse Naturstoffe existieren, aus denen möglicherweise neue Wirkstoffe für Medikamente gewonnen werden können. Das ist - gerade in Zeiten zunehmender Antibiotika-Resistenzen und einer daraus resultierenden Bedrohung der menschlichen Gesundheit – für die Forscher immerhin ein Hoffnungsschimmer.

Wildkraut unter der Lupe

Bei der Entwicklung der heute existierenden Antibiotika haben Wissenschaftler vor allem im Erdreich Mikroben ermittelt, die selbst Bakterien herstellen können. Durch diesen Mechanismus lässt sich Penicillin & Co herstellen. Zwei Forscher vom Institut für Mikrobiologie der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) jedoch haben sich im Pflanzenreich genauer umgesehen und Blattoberflächen des Wildkrauts „Acker-Schmalwand“ unter die Lupe genommen. Dort stießen die bei Mikrobiologen auf Bakterienstämme, die insgesamt den Mikrokosmos, die sogenannte Phyllosphäre, der Blattoberfläche bilden. Aufgrund des nährstoffarmen Milieus konkurrieren die Bakterien untereinander und produzieren wiederum unterschiedlichste Substanzen zur Verteidigung ihres Lebensraums.

200 Bakterienstämme untersucht

Insgesamt haben die Schweizer Wissenschaftler etwa 200 der auf der Wildpflanze vorkommenden Bakterienstämme untersucht. Dabei ermitteln sie im Laufe der Untersuchungen 725 antibiotische Wechselwirkungen, die zwischen den verschiedenen Stämmen vorherrschen würden. Insgesamt würden sich wegen dieser Beziehungen der Bakterien untereinander spezifische Mikrobenarten nicht mehr vermehren. Für die Antibiotika-Forschung eine interessante Entdeckung: Seit langem wird hier nach neuen Medikamenten gesucht, die sich in ihrer Wirkungsweise von den herkömmlichen unterscheiden. Davon versprechen sich die Wissenschaftler, die Problematik der zunehmenden Antibiotika-Resistenz  weltweit in den Griff zu bekommen.

Neuartige Struktur

Jedoch wussten die Schweizer Forscher zunächst noch nicht, ob sie mit ihrer Untersuchung auf neuartige Verbindungen gestoßen sind oder lediglich auf solche, die aus anderen Lebensräumen bereits bekannt sind. Nach weiteren Tests, anhand derer sich die Experten detailliert mit der chemischen Struktur eines der verschiedenen Bakterienstämme auseinandergesetzt haben, konnten sie mehrere antibiotisch wirkende Substanzen ermitteln. Dabei eine, die eine völlig neuartige Struktur aufweist und von den beiden Forschern Macrobrevin genannt wurde. 

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