September 2019 Lesezeit 3 Minuten


Tinnitus: Lärm der Seele

Pfeifen, brummen, zischen oder klingeln: Fast jeder Mensch kennt Ohrgeräusche. In den meisten Fällen dauert der Lärm im Ohr nur Sekunden oder wenige Minuten an. Anders bei Tinnitus – diese anhaltenden Geräusche nehmen Patienten über einen längeren Zeitraum oder ständig wahr, was den Alltag stark beeinträchtigen und manchmal auch zur Qual werden kann. Gleichzeitig tritt bei vielen Patienten eine Schwerhörigkeit auf. Laut Statistik sind mehr als 25 Prozent der Einwohner aus Industrieländern im Verlauf ihres Lebens von dieser Erkrankung betroffen.

Unangenehme Töne: Tinnitus entsteht vorrangig bei Stress. 

Wenn Ohrgeräusche die Betroffenen derart stark belasten, wird aus dem Symptom eine Erkrankung, die einer neben einer ärztlichen Behandlung vielfach auch einer psychotherapeutischen Unterstützung bedarf. Die Ursachen für die Erkrankung sind vielfältig und reichen von Fremdkörpern im Ohr über Mittelohrentzündungen bis hin zu Stress oder Hörstürzen. Die Ärzte unterscheiden dabei zwischen dem sogenannten subjektiven und dem objektiven Tinnitus.

Störung der Spontanaktivität

Die Gründe für die Entstehung sind noch nicht vollends geklärt. Als mögliche Ursachen werden die Einwirkung von Lärm auf den Hörnerv, also eine Störung der Spontanaktivität durch elektrische Impulse in den Nervenfasern) sowie verschiedene Medikamente diskutiert. Bei einer Beeinträchtigung des Hörnervs können die verschlüsselten Schall-Informationen, die an das Gehirn weitergeleitet werden, gestört sein. Mediziner gehen davon aus, dass bei einem subjektivem Tinnitus eine Schädigung des Hörnervs vorliegt.

Mögliche Ursachen

Ursachen für die subjektive Form können sein:

  • - Ohrentzündung
    - Infekte (auch Borreliose)
    - Mittelohrerkrankungen wie Otosklerose
    - Pfropfbildung durch Ohrenschmalz
    - Schwerhörigkeit
    - Tumor der Gehörnerven (Akustikneurinom)
    - Hörsturz
    - Schalltrauma
    - Tauchunfälle
    - Autoimmunerkrankungen des Innenohrs
    - Halswirbelsäulenprobleme

Wenn die Geräusche direkt im Gehirn entstehen, ist von einem objektivem, beziehungsweise zentralem Tinnitus die Rede. Dabei handelt es sich um eine falsche Weitergabe von Informationen auf dem Übertragungsweg zwischen dem Gehirn und den Haarzellen im Ohr.

Stress als Auslöser

Grundsätzlich aber sehen Mediziner Stress als Auslöser für einen Tinnitus. Bei Stress werden aus der Nebennierenrinde große Mengen des Hormons Kortisol ausgeschüttet. Infolgedessen verengen sich insbesondere die kleinen Blutgefäße, die Kapillaren. Im Innenohr kann diese Verengung zu Gefäßverschlüssen führen. Die Folge ist eine Minderdurchblutung. Allerdings ist noch nicht endgültig geklärt, welcher Mechanismus im Körper greift, damit das unangenehme Pfeifen, Sausen oder Brummen entsteht.

Unterschiedliche Behandlung

Bei den Behandlungsmöglichkeiten wird zunächst zwischen akutem und chronischem Tinnitus unterschieden. Während die Akut-Behandlung darauf abzielt, einen chronischen Tinnitus zu vermeiden, wird von den HNO-Ärzten beim chronischen Tinnitus häufig gezieltes Retraining (Begleitung durch den Arzt, therapeutische und medizinische Maßnahmen), Entspannungsmethoden und ein Hörgerät verordnet. Wichtig ist auch eine intensive Begleitung und Beratung des Patienten durch den Arzt, was eine ähnlich große Rolle spielt wie die Verordnung von Medikamenten.

Auch Therapeuten können helfen

Die medikamentösen Maßnahmen bei der akuten Form bestehen häufig aus der Gabe von Kortison und anderen Arzneimitteln, die die Blutgefäße erweitern. Von chronischen Ohrgeräuschen Betroffene können auch verschiedene Therapien, wie etwa eine Psychotherapie, in Anspruch nehmen. Der Therapeut kann Wege zur Bewältigung des Leidens aufzeigen, insbesondere wird das Augenmerk hier auf den Abbau von Stress und die Bewältigung emotionaler Konflikte gelegt. Auch Körpertherapien wie Tai Chi und Biofeedback können helfen, die Symptome zu lindern und den Umgang mit der Erkrankung zu erleichtern. Auch ergänzende, alternative Heilbehandlungen durch Heilpraktiker, Osteopathen und andere Therapeuten sind möglich: Homöopathie, Bachblüten oder Akupunktur werden auch bei Tinnitus angeboten. Ergänzende Therapiemethoden bieten außerdem Heilpraktiker an.