Juni 2020 | Lesezeit 3 Minuten


Kann man Resilienz lernen?

Resilienz ist ein medizinischer Ausdruck, der in unserer vom Stress geplagten Welt immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit gelangt.

Doch was bedeutet es überhaupt, resilient zu sein und ist es möglich, diese Fähigkeit zu erlernen?

Resiliente Menschen lassen Schicksalsschläge an sich „abprallen“ - so wird es zumindest von vielen Außenstehenden wahrgenommen. In der Tat stammt der Begriff vom lateinischen Wort resilire, was soviel wie „zurückspringen“ oder „abprallen“ bedeutet. Resilienten Menschen beweisen also eine innere Stärke oder psychische Widerstandsfähigkeit, die sie in Krisen stark macht. 

In unserer schnelllebigen Zeit, in der die Menschen immer mehr von Stress „überflutet“ werden, sollten wir demnach stark bleiben und Nervenkraft bewahren. 

Sicherlich ist die Resilienz von vielen Faktoren abhängig, die von der Wissenschaft immer wieder neu definiert und bewertet werden. Fakt ist, dass mancher von uns Schicksalsschläge besser verkraftet und als „Stehaufmännchen“ gilt, während andere Personen schnell an persönlichen Krisen zerbrechen. 

Die Grenze der Belastbarkeit des Menschen hängt also nicht nur von der Art der Krise ab, sondern vor allem davon, wie resilient wir auf bestimmte Situationen reagieren. 

Frau boxt im Sonnenuntergang

Bei manchen Menschen ist die Resilienz stärker ausgeprägt, bei manchen schwächer - doch kann man sie gezielt trainieren?

Die Psyche und die Resilienz

Können wir den Ausbruch von Burnouts und Depressionen verhindern, wenn wir resilient sind?

Der Neurowissenschaftler Raffael Kalisch leitet das Mainzer Resilienzprojekt. Hier wird in einer Langzeitstudie des Deutschen Resilienz-Zentrums ermittelt, wie sich Ausbildung und Beruf über viele Jahre hinweg betrachtet auf die Entwicklung der Menschen auswirkt. 

In seinem anschaulich und gründlich reflektierten Buch hat Kalisch veröffentlicht, was die Forschung tatsächlich über das Wort „Resilienz“ weiß. 

Den Belastungen im Alltag standzuhalten gelingt nach allem, was die Forscher wissen, nicht immer leicht. Resilienz ist also kein Schutzschild, das der eine Mensch vor sich trägt und der andere nicht kennt. 

Somit steht unumstritten fest: Jeder von uns kann lernen, resilienter zu werden.

Wer umdenkt, wird Krisen meistern und die eigene Resilienz stärken

Kalisch beschreibt unter anderem, dass es sinnvoll ist, das „Gute im Schlechten“ zu sehen. Wer also trotz allem Übel positiv denkt und weiß: „Egal, wie ich mich jetzt fühle – ich werde etwas in meinem Leben bewirken!“, bringt gute Grundlagen für die Resilienz mit. 

Wir finden in der Medizin ein neuronales Belohnungssystem, das selbst in sehr hektischen Zeiten oder in Krisen noch aktiv für die Psyche arbeitet. In der Tat liegt es an jedem Menschen selbst, wie er bestimmte Lebenssituationen bewertet. Fest steht, dass durch die Steuerung der Hormone Bewertungs-Stile entstehen, die uns Menschen beeinflussen können. 

Dazu untersuchten die Mainzer Forscher einige Methoden, die Licht ins Dunkel bringen konnten: Die Probanden füllten über Jahre hinweg alle drei Monate Fragebögen zu ihrem individuell wahrgenommenen Befinden aus. 

Aufgrund dieser Aufzeichnungen untersuchten Forscher die Aktivität des Hirns, das Schlafverhalten, ausgeschüttete Stresshormone, den Herzschlag, die Entwicklung des Hautbildes, Blutproben sowie die Mikroorganismen im Stuhl

Das Ergebnis dieser Arbeit: Resilienz ist nicht vom Schicksal abhängig. Jeder Patient kann durch Meditationen, positive Affirmationen oder eine Verhaltensveränderung lernen, seine Grenze der Belastbarkeit neu zu definieren. 

Hierbei ist allerdings kein aktives Zutun erforderlich, damit Menschen lernen, resilienter zu werden - die Heilmethode gilt als langfristiger, eher intuitiver Prozess. Man muss sich tief im Herzen darauf einlassen und erkennen, dass das Leben immer mit Höhen und Tiefen verbunden ist. 

Auch der erfolgreiche Psychiater und Arzt Dr. Christian Peterdogs wurde in seiner Kindheit selbst vom Schicksal geplagt. Nach schwerem Missbrauch in der Kindheit, langen Aufenthalten in Heimen und einer besiegten Drogensucht weiß er, wovon er spricht, wenn er Menschen in Sachen Stressmanagement helfen will. 

Krisen machen uns stark und wir lernen dabei fürs Leben. Vor allem dann, wenn wir innerlich durch die Hölle gehen, werden wir resilienter. 

Wäre es also sinnvoller, die Kinder nicht “in Watte zu packen“, damit sie selbst schon frühzeitig lernen, wie hart das Leben sein kann? 

Diese Frage lässt sich an dieser Stelle natürlich nicht abschließend beantworten. Fest steht allemal, dass Menschen, die in Tiefphasen ihr Leben gut gemeistert haben, resilienter durch den Alltag schreiten.

Durch welche Faktoren können wir Resilienz steuern?

Es ist längst kein Geheimnis mehr: In der Arbeitswelt kommen immer weniger Menschen mit den negativen Auswirkungen der Digitalisierung und dem vorherrschenden Druck klar, vor allem in großen Konzernen. Die möglichen Folgen: Burnout, Depression und weitere psychosomatische Erkrankungen, die zu langzeitiger Arbeitsunfähigkeit führen können. 

Viele Firmen bieten deshalb Resilienz-Seminare an, damit der Gesundheitszustand der Mitarbeiter möglichst lange als „sehr gut“,„gut“ oder zumindest „befriedigend“ zu beurteilen ist. Die Work-Life-Balance gilt als Zauberwort des nachhaltigen Erfolges ohne Stress.

Doch kann man es wirklich als Prävention sehen, wenn lustlose Seminarteilnehmer ihr Pflichtprogramm absitzen? Nicht wirklich -  denn nur wer aus Überzeugung an sich selbst arbeiten will, kann auch in Sachen Resilienz Besserung erwarten. 

Viele Möglichkeiten, die in Fachvorträgen vermittelt werden, sind nicht neu. Es würde den Rahmen sprengen, an dieser Stelle alle wichtigen Faktoren bezüglich der eigenen Belastbarkeit aufzuzählen. Vor allem jedoch kommt es auf folgende sieben Schritte an, die jeder Mensch in einer Krise gehen sollte und die wie folgt lauten:

1. Akzeptanz und Annahme des aktuellen Zustands.

2. Darauf vertrauen, dass die Situation sich bessern wird.

3. Die eigenen, einfachen Bedürfnisse wie Ruhe, Hunger, Durst oder Kommunikation          ernst nehmen.

4. Eigenverantwortung übernehmen und der Rolle als Opfer entfliehen.

5. Fremde Hilfe von Menschen, die es ehrlich meinen, annehmen.

6. Eigene Aktivität und Handlungsbereitschaft helfen, sich selbst aus der misslichen            Lage zu befreien.

7. Zielorientiert an die Zukunft denken, um daraus positive Energie zu tanken – der            letzte Schritt im Notfall-Plan.

Diese Schritte sind oft leichter gesagt als getan – und dennoch unsagbar wichtig.

Jeder Mensch ist für seine empfundene Lebensfreude selbst verantwortlich. Wir müssen uns nicht in jeder Krisensituation als Opfer fühlen. Der Spruch „Hinfallen, aufstehen, Krone richten und weiterlaufen“ ist somit ein fester Bestandteil des Resilienz-Trainings. 

Wenn wir unseren Mitmenschen Fürsorge oder ein ehrliches Lob schenken, leisten wir einen aktiven Beitrag für deren geistige Gesundheit. 

Viele Firmenchefs kritisieren streng und fordern immer mehr Leistung von ihren Mitarbeitern. Hierbei dienen - wenn überhaupt - finanzielle Anreize und Boni als Wertschätzung für die Mitarbeiter. Der positive Effekt dieser Form der Anerkennung hält allerdings nicht ewig an – ganz im Gegenteil. 

Im Modus „immer schneller, immer höher, immer weiter“ möchten viele Führungskräfte und auch die Mitarbeiter selbst immer mehr in immer kürzerer Zeit erreichen und zerbrechen irgendwann an diesen selbst gesteckten Zielen. 

Wir werden also resilienter, wenn der Perfektionismus abgelegt wird. Multitasking kann Gift für die eigene Gesundheit sein. 

Warum lernen viele Menschen dennoch nicht aus dieser Weisheit und lassen sich von Smartphone, Fitness-Uhr und ständiger Erreichbarkeit auf Dauer drangsalieren?

Umdenken kann und sollte vielleicht jeder, der sich jetzt angesprochen fühlt – im Sinne der Gesundheit.

Fazit zur Resilienz

Resilienz kann man sich als formbaren Softball vorstellen, der immer wieder in seinen Ursprungszustand der Stabilität zurückkehrt. Wenn wir es durch Bewegung, Sport und frischen Sauerstoff schaffen, mit Freude zu leben und nicht nur für andere zu funktionieren, ist in Sachen Stress-Management schon viel gewonnen. 

Auch liebevolle Mitmenschen um uns herum sind wichtig für die Seele – diese Tatsache ist nicht neu. 

Unsere Empfehlung: Besinnt euch auf die Dinge in eurem Leben, die euch nachhaltig glücklich machen – im Sinne der Resilienz!

Sozialwissenschaftler und Entspannungspädagoge Tobias Bergmann:

Gib Stress keine Chance - 5 Sofortmaßnahmen für schwierige Gespräche

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