Stand September 2022

Pflegegrad 2: Welche Voraussetzungen muss man mitbringen und was bekommt man an Geld und Leistungen?

Ein Pflegegrad 2 und die dazugehörigen Leistungen werden Versicherten dann zugewiesen, wenn eine erhebliche Beeinträchtigung der Selbständigkeit besteht.

Dabei wird von den Gutachtern von MEDICPROOF oder vom MDK (bzw. seit 2019 MD) die vorhandene Selbständigkeit des Betroffenen berücksichtigt, wobei sowohl kognitive als auch psychische Beeinträchtigungen mit einbezogen werden.

Je nach Selbständigkeit bzw. Unselbständigkeit werden anschließend Punkte vergeben, die dann die Basis für die Pflegegrad-Zuweisung bilden.

Umso mehr Punkte ein Antragsteller erhält, desto höher fällt auch der Pflegegrad aus.

Voraussetzungen für die Vergabe eines Pflegegrads 2

Für einen Pflegegrad 2 muss die Selbständigkeit der Betroffenen erheblich beeinträchtigt sein und im Zuge der Begutachtung muss die vom Gutachter ermittelte Punktezahl zwischen 27 und 47,5 Punkten liegen, damit die Pflegekasse die entsprechenden Leistungen auch zuerkennen kann.

Kriterien für die Begutachtung

Folgende Kriterien werden zur Erstellung des Gutachtens herangezogen:

  • Mobilität: Kann sich der Antragsteller selbständig bewegen und ist er in der Lage, die Körperhaltung zu ändern?
  • Kommunikative bzw. kognitive Fähigkeiten: Ist es dem Betroffenen noch möglich, sich im Alltag zeitlich bzw. örtlich zu orientieren? Können Entscheidungen selbst getroffen sowie Gespräche geführt werden?
  • Psychische Problemlagen und Verhaltensweisen: Wie oft ist Hilfe aufgrund psychischer Probleme wie zum Beispiel ängstlichem oder aggressivem Verhalten notwendig?
  • Selbstversorgung: Kann sich der Antragsteller noch selbst pflegen und waschen?
  • Bewältigung von krankheits- bzw. therapiebedingten Belastungen: Ist beim Umgang mit Therapien bzw. Erkrankungen fremde Hilfe notwendig?
  • Sozialkontakte und Alltagsleben: Ist es dem Begutachteten möglich, Sozialkontakte zu pflegen bzw. seinen Tagesablauf zu planen?

Für jedes dieser sechs Module wird vom Gutachter eine bestimmte Punkteanzahl vergeben, woraus sich dann die Gesamtpunktzahl ergibt und der jeweilige Pflegegrad zugewiesen werden kann.

Sehr sinnvoll ist es, ein Pflegetagebuch zu führen, um auf diese Weise den benötigten Pflegeaufwand festzuhalten. Dadurch fällt es dem Gutachter auch leichter, den tatsächlichen Pflegebedarf zu ermitteln, wodurch die Chancen für den Erhalt entsprechender Leistungen erhöht werden.

Pflegegrad 2: Geld und Leistungen

Erhalten die Versicherten den Pflegegrad 2 zugewiesen, so steht ihnen bei häuslicher Pflege durch Familienangehörige oder Freunde Pflegegeld zu, bei einer professionellen Versorgung erhalten sie Pflegesachleistungen sowie Zuschüsse zur Tages- bzw. Nachtpflege, Verhinderungs-, Kurzzeit- sowie zur vollstationären Pflege.

Nachfolgend ein Überblick über die Geldleistungen, die bei Pflegegrad 2 bezahlt werden:

  • Pflegegeld: 316 Euro pro Monat
  • Pflegesachleistung: 724 Euro pro Monat
  • Tages- und Nachtpflege: 689 Euro pro Monat
  • Kurzzeitpflege: 1.774 Euro pro Jahr
  • Verhinderungspflege: 1.612 Euro pro Jahr
  • Vollstationäre Pflege: 770 Euro pro Monat
  • Betreuungs- und Entlastungsleistungen: 125 Euro pro Monat
  • Pflegehilfsmittel: bis zu 40 Euro pro Monat
  • Hausnotruf: 25,50 Euro pro Monat
  • Wohnraumanpassung: 4.000 Euro (Gesamtmaßnahme)
  • Wohngruppenzuschuss: 214 Euro pro Monat

Pflegegeld

Menschen mit bzw. ohne Demenz, denen ein Pflegegrad 2 zugewiesen wurde, erhalten monatlich ein Pflegegeld von 316 Euro, wenn sie durch Angehörige zuhause gepflegt werden.

Pflegesachleistungen

Werden Betroffene mit einem Pflegegrad 2 durch einen ambulanten Pflegedienst versorgt, so erhalten sie pro Monat Pflegesachleistungen in Höhe von 724 Euro, wobei diese direkt mit der Pflegekasse abgerechnet werden.

Kombination aus Sach- und Geldleistung

Werden Menschen mit Pflegegrad 2 sowohl von Angehörigen als auch von einem ambulanten Pflegedienst versorgt, so ist auch eine Kombination aus Pflegesachleistung und Pflegegeld möglich.

Die Versicherten erhalten das Pflegegeld dann allerdings nicht in vollem Umfang, sondern ihnen wird nur ein sogenanntes "anteiliges Pflegegeld" ausbezahlt, wobei sich der Pflegegeldanspruch um den Prozentsatz der Sachleistungen, die der Betroffene ausgeschöpft hat, verringert.

Tages- und Nachtpflege

Versicherten mit Pflegegrad 2 steht für die Tages- und Nachtpflege als teilstationäre Leistung ein monatlicher Betrag von 689 Euro zu.

Kurzzeitpflege

Sollte ein Pflegebedürftiger mit Pflegegrad 2 nach einem Aufenthalt im Krankenhaus eine weitere professionelle Kurzzeitpflege benötigen, so werden von der Kasse für bis zu 28 Tage pro Jahr maximal 1.774 Euro ausbezahlt.

Der Anspruch kann sich hier auf bis zu 3.386 Euro erhöhen, wenn keine Verhinderungspflege genutzt wurde. Während der Kurzzeitpflege erhalten die Pflegebedürftigen zudem die Hälfte des Pflegegelds, also 158 Euro pro Monat.

Verhinderungspflege

Für Urlaubs- bzw. Verhinderungspflege durch eine professionelle Fachkraft gewährt die Kasse Menschen mit Pflegegrad 2 einen jährlichen Zuschuss von insgesamt 1.612 Euro für maximal 28 Tage.

Während der Verhinderungspflege wird den Pflegebedürftigen zudem die Hälfte ihres Pflegegelds ausbezahlt.

Entlastungsbetrag

Menschen mit Pflegegrad 2 steht darüber hinaus der sogenannte Entlastungbetrag zu, der pro Monat 125 Euro ausmacht. Damit kann man beispielsweise eine Betreuungsgruppe besuchen oder Leistungen der Kurzzeitpflege bzw. der Tages- und Nachtpflege in Anspruch nehmen.

Werden die Pflegesachleistungen in Höhe von 724 Euro nicht zur Gänze ausgeschöpft, so kann man auf Wunsch bis zu 40 Prozent davon auch für Entlastungs- und Betreuungsleistungen verwenden, was auch als Umwandlungsanspruch bezeichnet wird.

Medizinische Pflege- und Hilfsmittel

Personen mit Pflegegrad 2 stehen auch medizinische Hilfsmittel bzw. Pflegehilfsmittel zu, wobei sie für Pflegehilfsmittel monatlich 40 Euro erhalten. Außerdem stehen ihnen für ein Hausnotrufsystem 25,50 Euro pro Monat zu und sie erhalten einen Zuschuss für medizinische Hilfsmittel, die im Hilfsmittelkatalog zu finden sind.

Zuschuss für Wohnraumanpassung

Für eine altersgerechte Wohnraumanpassung können zudem bis zu 4.000 Euro beansprucht werden. Diese kann man dann zur Reduzierung von Barrieren, wie z.B. einen Treppenlift oder einen Badumbau, verwenden.

Kommt es zu einer Verschlechterung des Hilfebedarfs und sind weitere Maßnahmen erforderlich, so kann erneut ein Zuschuss beantragt werden.

Beratungsbesuche und kostenlose Beratung

Versicherte mit Pflegegrad 2 können zudem kostenlose Beratungstermine in Anspruch nehmen, um sich beispielsweise über eine altersgerechte Wohnraumgestaltung zu informieren. Darüber hinaus werden auch regelmäßige Beratungsbesuche durch Pflegekräfte von der Kasse bezahlt.

Pflegekurse für Angehörige

Angehörige sowie Personen, die Menschen mit Pflegegrad 2 ehrenamtlich pflegen, können außerdem kostenlose Pflegekurse besuchen.

Förderung von Wohngruppen

Maximal vier Versicherte, die einen anerkannten Pflegegrad 2 haben, können zudem eine Förderung in Höhe von bis zu 4.000 Euro für eine altersgerechte Wohnraumanpassung in Anspruch nehmen.

Das gilt auch dann, wenn die Betroffenen in eine Senioren-Wohngemeinschaft oder betreute Wohngruppe einziehen.

Zusätzlich dazu gibt es auch einen einmaligen Gründungszuschuss in Höhe von jeweils 2.500 Euro, der ebenfalls höchstens vier Bewohnern zusteht. Muss eine Organisationskraft beschäftigt werden, so kann ein monatlicher Zuschuss von 214 Euro beantragt werden.

Stationäre Pflege bei Pflegegrad 2

Werden Personen mit Pflegegrad 2 in einem Pflegeheim stationär versorgt, so stehen ihnen monatlich 770 Euro dafür zu. Unabhängig vom Pflegegrad müssen darüber hinaus sogenannte "einrichtungseinheitliche Eigenanteile" bezahlt werden, die einheitlich gleich sind und auch bei einem höheren Pflegegrad nicht ansteigen.

Unterschiede können allerdings zwischen den verschiedenen Pflegeheimen auftreten, da die Pflege nicht in jedem Heim gleich hoch ist. Zum pflegebedingten Eigenanteil kommen noch die Kosten für anteilige Investitionen, Verpflegung und Unterkunft dazu, die ebenfalls von den Bewohnern zu finanzieren sind.

Fallbeispiel zum Pflegegrad 2

Bei Personen mit Pflegegrad 2 liegt eine erhebliche Beeinträchtigung der Selbständigkeit vor. Was das in der Praxis genau bedeutet, zeigt das folgende Fallbeispiel:

Herr und Frau S. haben eine kleine Wohnung und verfügen über eine relativ niedrige Rente. Sie kommen damit zwar über die Runden, können sich allerdings keine größeren Ausgaben leisten.

Frau S. leidet schon seit einigen Jahren an Rheuma, sie kann aber nach wie vor noch sehr viel allein bewältigen. Vor einigen Monaten stellte man darüber hinaus bei ihrem Mann eine beginnende Demenz fest.

Um alltägliche Dinge zu bewältigen, benötigt er daher immer öfter auch Unterstützung von seiner Frau, die dadurch an ihre psychische und körperliche Grenze stößt.

Die Pflege von Herrn S. ist sehr zeitaufwändig, sodass sie kaum einen Ausgleich findet. Aus diesem Grund beantragt Frau S. Pflegeleistungen für ihren Mann.

Vom Gutachter wird schließlich Pflegegrad 2 für Herrn S. festgelegt, sodass nun mehrmals pro Woche ein Pflegedienst vorbeikommt, um Frau S. zu unterstützen.

Mit Hilfe des Entlastungsbetrags kann darüber hinaus ein Betreuungsdienst bezahlt werden, der einmal pro Woche mit Herrn S. Gedächtnisübungen durchführt. Nun hat auch Frau S. wieder mehr Zeit und kann sich um ihre eigene Gesundheit kümmern.

Zeitlicher Aufwand

Seit 2017 ist der Pflegegrad nicht mehr vom zeitlichen Aufwand abhängig. Man kann diesen aber trotzdem in einem sogenannten Pflegetagebuch festhalten.

Wer einen Angehörigen zuhause pflegen möchte, muss beachten, dass vor allem für die folgenden Bereiche ein erhöhter zeitlicher Aufwand eingeplant werden muss:

  • Körperpflege: Rasieren, Gesichtspflege, Kämmen, Mund- und Zahnhygiene, Waschen, Duschen
  • Ernährung: Zubereitung von Mahlzeiten bzw. Nahrungsaufnahme
  • Blasen- und Darmentleerung: Stuhlgang, Wasserlassen, Richten der Kleidung
  • Mobilität: Treppensteigen, Aufstehen bzw. Zubettgehen, Anziehen

Der Zeitaufwand ist dabei vom Zustand des Pflegebedürftigen abhängig und kann demnach auch sehr unterschiedlich ausfallen.

Wichtig dabei ist, dass man den Betroffenen Zeit lässt und sie Dinge, die von ihnen noch selbstständig bewältigt werden können, selbst ausführen lässt.

Änderungen seit dem Jahr 2017

Im Zuge der Pflegereform im Jahr 2017 wurde Menschen mit Pflegestufe 1 die nächsthöhere Stufe zugeteilt. Menschen mit Demenz und Pflegestufe 0 erhielten automatisch den Pflegegrad 2, da man an Demenz Erkrankte zwei Stufen höher eingruppierte als zuvor.

Alle anderen Personen, die bis zum Jahr 2016 schon eine Pflegestufe hatten, wurden automatisch in die neue Pflegestufe eingeteilt, daher war es auch nicht notwendig, einen neuen Antrag zu stellen bzw. erneut begutachtet zu werden.

Widerspruch bei Ablehnung einlegen

Wer mit dem Bescheid der Kasse nicht einverstanden ist, kann innerhalb eines Monats Widerspruch einlegen.

Außerdem kann ein Beratungsgespräch sehr hilfreich sein, damit man die Situation besser einschätzen kann und damit auch seine Erfolgschancen erhöht.

Falls du selbst verantwortlich für die Pflege eines Angehörigen bist, können wir dir außerdem die folgende Lektüre empfehlen: "Pflege zu Hause: Was Angehörige wissen müssen".

Was-Heilt Expertenkurs:

Stress verstehen und bewältigen

Wie Stress entsteht, was er im Körper auslöst und wie Du mündig mit ihm umgehst 

  • Physiologische Grundlagen, Modelle, Stressreaktionen, persönliche Ressourcen 
  • Kurzfristige Maßnahmen und langfristige Strategien für ein gesundes Stresserleben

Neueste Beiträge:

Erste Hilfe Online Kurs >>

Einfach

Preiswert

Zertifiziert

Beliebt:

CBD gegen Halsschmerzen
CBD bei Sprachstörungen
Akupunktur in der Schwangerschaft (IGeL)
Kaffeekonsumenten leben länger
Osteopathie als Zusatzqualifikation für Heilpraktiker: eine sanfte, ganzheitliche Therapieform im Trend

Die wichtigsten Fortbildungen für Deine Praxis

Pflichtunterweisung Hygiene für 1 Euro 14 Tage testen!

  • Interaktive Module, Übungen und Vorlagen für schnelle Umsetzung in der Praxis
  • Erledige essenzielle Themen in nur zwei Stunden pro Monat
  • Mach Schluss mit langwieriger Recherche und verbring mehr Zeit mit Dingen die Dir wichtig sind!

Finde Therapeuten in deiner Nähe

Ich möchte kostenlos und unverbindlich den was-heilt Info-Newsletter erhalten und stimme der Verarbeitung meiner Daten gemäß Datenschutzerklärung zu. Ich kann diesen Wunsch jederzeit widerrufen.

Ich möchte kostenlos und unverbindlich den was-heilt Info-Newsletter erhalten und stimme der Verarbeitung meiner Daten gemäß Datenschutzerklärung zu. Ich kann diesen Wunsch jederzeit widerrufen.

Empfohlen:

Was man zur Pflegereform wissen sollte
Pflegegrad 2: Welche Voraussetzungen muss man mitbringen und was bekommt man an Geld und Leistungen?
Flexirente für pflegende Angehörige

Beliebt:

CBD für Pferde
Die Wirkung von CBD bei Parkinson
Digital Detox – Was geschieht mit Körper und Geist, wenn wir uns für längere Zeit aus der digitalen Welt zurückziehen?
>