Stand Mai 2022

Osteopathie als Zusatzqualifikation für Heilpraktiker: eine sanfte, ganzheitliche Therapieform im Trend

Die Osteopathie gewinnt immer mehr an Zuspruch und Aufmerksamkeit. Zu den wichtigsten Vorteilen gehört ihr breites Behandlungsspektrum. Sie kann sowohl dem Leistungssportler als auch dem Büro-Angestellten, Senioren oder Säugling bei seinen Beschwerden helfen.

Der ganzheitliche und nicht invasive Ansatz der Osteopathie wird daher auch zunehmend von Krankenkassen anerkannt. Auch für Heilpraktiker ist die Osteopathie eine sehr interessante Zusatzqualifikation.

Welche Behandlungsmöglichkeiten die Osteopathie bietet, wo ihr Ursprünge liegen und welche Voraussetzungen für die Ausbildung notwendig sind sowie Antworten auf weitere Fragen findest du im nachfolgenden Artikel.

Was ist Osteopathie?

Der Begriff Osteopathie setzt sich aus den beiden griechischen Worten für Knochen (Osteon) und Leiden (Pathos) zusammen. Diese Bezeichnung ist jedoch nicht ganz treffend, denn die Osteopathie befasst sich nicht nur mit den Knochen oder dem Bewegungsapparat.

Die manuelle Therapieform verfügt über ein Wirkpotential, das weit über diese Bereiche hinaus geht. Sie ist eine sanfte, nicht invasive Behandlungsmöglichkeit und für eine Vielzahl von Beschwerden geeignet. Da die Behandlungen schmerzfrei sind, kann sie sogar bei Säuglingen angewendet werden.

Als Gründer der Osteopathie gilt der amerikanische Mediziner Andrew Taylor Still. Im Gegensatz zum üblichen Ansatz der Medizin, ging es Still dabei nicht darum, den Erreger zu bekämpfen, sondern das Abwehrsystem zu stärken. Er war überzeugt davon, dass eine gute Beweglichkeit aller Strukturen nur möglich ist, wenn Nervensystem und Gewebe ordnungsgemäß mit Nährstoffen versorgt und Abfallstoffe reibungslos über das Lymphsystem abgeben werden können.

Still entwickelte dazu ein naturheilkundliches, manuelles Diagnose- und Therapiekonzept. Dabei sollen zum Beispiel Verspannungen, energetische Mangelzustände des Bewegungsapparates, Fehlstellungen oder Blockaden in Faszien, Geweben, Körperflüssigkeiten und Organen ertastet werden.

Laut Stills Auffassung sind diese oft die wahren Ursachen für Krankheiten und Unwohlsein des Patienten. Ziel der osteopathischen Behandlung soll es dabei sein, mit gezielten Techniken Blockaden sowohl auf der körperlichen als auch der geistigen und seelischen Ebene zu lösen und den Fluss der Körperenergien zu reaktivieren.

Still gab selbst an, die Osteopathie 1874 entwickelt zu haben. Der Begriff trat jedoch erstmals um 1891 in den USA auf. Von dort breitete sich Stills neue Behandlungsmethode durch seine Schüler zunächst im englischsprachigen Raum und später auch in ganz Europa aus.

Stills Schüler konnten teilweise sogar die traditionelle Osteopathie weiterentwickeln und weitere wichtige Behandlungswege ergänzen.

So fand zum Beispiel der Mediziner William Garner Sutherland bei der Erforschung der Schädelanatomie 1939 die sogenannte Respirationsbewegung. Hierbei handelt es sich um eine äußerst feine und eigenständig pulsierende Bewegung am Schädel, Steißbein und an weiteren Körperstrukturen, die scheinbar völlig unabhängig von Puls und Atmung ablaufen. Sie ist heute eine wichtige Komponente, um eine Diagnose zu stellen.

Für die Weiterentwicklung der Osteopathie waren schließlich auch die beiden französischen Therapeuten Jean-Pierre Barral und Jacques Weischenk von zentraler Bedeutung. Sie fanden in den 1980er Jahren heraus, wie auch innere Organe osteopathisch untersucht und behandelt werden könnten. Damit legten sie den Grundstein für einen weiteren wichtigen Behandlungsbereich in der Osteopathie.

Welche Behandlungsmöglichkeiten bietet die Osteopathie?

Von den Anfängen durch den Mediziner Andrew Taylor Still bis heute hat sich die Osteopathie stark weiterentwickelt. Heute gibt es insgesamt vier verschiedene Teilbereiche und Therapieansätze, die auf verschiedene Beschwerden abzielen.

Dazu gehören:

Parietale Osteopathie: Hier steht der gesamte Bewegungsapparat, der sich aus Knochen, Bindegewebe, Muskeln, Bändern und Sehnen zusammensetzt, im Zentrum der Behandlung.

Dieser Teilbereich der Osteopathie gilt als Vorläuferin der manuellen Therapieform Chiropraktik. Der Heilpraktiker setzt verschiedene spezielle Techniken ein, um zum Beispiel Verspannungen der Muskeln, Verklebungen im Bindegewebe oder Gelenkblockaden zu lösen und so die Beweglichkeit des Patienten wiederherzustellen.

Dazu werden die Bewegungseinschränkungen mit den Händen erspürten und ebenso mit den Händen gelöst. Gleichzeitig setzt diese Behandlungsmethode Impulse, die die Selbstheilungskräfte des Körpers aktivieren sollen.

Viszerale Osteopathie: In diesem Bereich der Osteopathie werden insbesondere die inneren Organe in der Brust- Bauch- und Beckenregion sowie ihre halt gebenden Strukturen behandelt.

Jedes Organ hat eine ganz spezifische Eigenbewegung. So bewegen sich die inneren Organe zum Beispiel bei jedem Atemzug. Durch falsche Haltung, Erkrankungen, Unfälle oder auch emotionalen Stress kann es zu Verklebungen oder Verwachsungen kommen, die sich dann in Bewegungseinschränkungen und anderen gesundheitlichen Beschwerden ausdrücken.

An diesem Punkt setzt die viszerale Osteopathie ein und kann mit relativ einfachen, nicht invasiven und medikamentenfreien Techniken gute Ergebnisse erzielen.

Kraniosakrale Osteopathie: Wie der Name bereits vermuten lässt, geht es bei diesen Techniken vorrangig um die Behandlung des Schädels (Cranium), des Kreuzbeins (Sakrum) sowie der Wirbelsäule und dem Nervensystem.

Die kraniosakrale Osteopathie verbindet energetische und manuelle Techniken miteinander. Sie richtet sich damit also sowohl an die körperlichen als auch die emotionalen Beschwerden des Patienten.

Der Heilpraktiker setzt sanfte Techniken ein, um die knöchernen, neuronalen, flüssigen und Bindegewebsstrukturen im Körper wieder ins Gleichgewicht zu führen. Auf diese Weise soll die Harmonie zwischen Geist, Körper und Seele wiederhergestellt werden.

Fasziale Osteopathie: Dieser Bereich der Osteopathie richtet sich an das Bindegewebe oder vielmehr die Faszien. Durch Ertasten und Behandeln der Faszienstrukturen sollen die Bewegungsfähigkeit und die Selbstheilungskräfte des Körpers reaktiviert werden.

Darüber hinaus gibt es noch einige spezielle Einsatzbereiche in der Osteopathie. Dazu gehören zum Beispiel die Kinderosteopathie.

Sie nutzt Behandlungsmethoden der kraniosakralen Osteopathie zur Behandlung von Säuglingen und Kleinkindern. Denn besonders in diesem Alter ist das kraniosakrale System besonders gut zu beeinflussen.

Die Anwendungsfelder reichen hier von der Behandlung von Schädelsymmetrien durch Geburtstraumata bis hin zu Skoliosen, Verdauungsstörungen oder auch Entwicklungsverzögerungen.

Mit der Osteopathie kann so eine gesunde Entwicklung auf sanfte Weise gewährleistet werden.

Eine weitere spezielle Technik ist die Positional Release Technik, kurz PRT, oder auch Jones Technik. Sie versetzt den Körper in einen Zustand der maximalen Entspannung, fördert die Durchblutung und den Abtransport von Schadstoffen.

Die Jones-Technik gilt als eine der sanftesten und gleichzeitig effektivsten alternativen Behandlungsmöglichkeiten bei akuten oder chronischen Schmerzen des Bewegungsapparates.

Schließlich gibt es noch einen Teilbereich der Osteopathie, die sich der Behandlung von Störungen des Kiefergelenks widmet.

In der Osteopathie nehmen Craniomandibuläre Dysfunktionen eine Schlüsselrolle ein. Denn häufig können sie Auslöser anderer Beschwerden wie zum Beispiel Kopf-, Nacken- oder Rückenschmerzen sein.

Der Osteopath weiß um die Zusammenhänge zwischen Kiefer und restlichem Körper und kann hier gezielt durch sanfte Therapiemaßnahmen die Beschwerden wirksam und nachhaltig lindern.

Bei diesen Beschwerden kann Osteopathie helfen

Wie schon aus den verschiedenen Teilbereichen der Osteopathie ersichtlich wurde, können die manuellen Therapieformen bei einer Vielzahl von Beschwerden helfen.

Besonders chronische Schmerzen sind ein typisches Behandlungsfeld in der Osteopathie. Doch dabei können Osteopathen noch weitaus mehr Erkrankungen und Beschwerden behandeln:

  • Generelle Einschränkungen der Beweglichkeit
  • Bandscheibenprobleme
  • Ischiasschmerzen
  • Gelenkschmerzen
  • Verspannungen und Fehlhaltungen
  • Als begleitende Therapie nach einer kieferorthopädischen Behandlung
  • Chronische oder wiederkehrende Beschwerden des Magen-Darm-Trakts und des Unterleibs, wie zum Beispiel Reizdarm, Reizblase, Inkontinenz oder Reflux
  • Migräne
  • Schwindel
  • Tinnitus
  • Chronische Prostatabeschwerden
  • Chronische Atemwegserkrankungen

Die Behandlungsmöglichkeiten könnten an dieser Stelle noch um ein Vielfaches weitergeführt werden, denn als ganzheitliche Behandlungsmethode kann die Osteopathie bei zahlreichen Beschwerden helfen oder andere Therapieformen begleitend unterstützen.

Vorteile einer osteopathischen Behandlung und Bedeutung für Heilpraktiker

Die Osteopathie hat zahlreiche Vorteile und macht sie besonders für den Beruf des Heilpraktikers interessant. Durch das breite Indikationsspektrum ist sie vielseitig einsetzbar und für alle Personengruppen geeignet.

So können sowohl Säuglinge als auch Senioren ebenso von einer osteopathischen Behandlung profitieren wie Leistungssportler oder absolute Sportmuffel.

Darüber hinaus greift sie nicht in die natürlichen Funktionen des Körpers ein, sondern unterstützt ihn vielmehr. Damit ist sie weniger invasiv, sanfter, schmerzfrei und birgt, korrekt ausgeführt, keine unerwünschten Nebenwirkungen oder Risiken.

Ein weiterer entscheidender Vorteil gegenüber anderen Therapieformen ist, dass die Osteopathie ohne aufwändige oder teure Instrumente auskommt, denn Osteopathen benötigen zur Diagnose und Behandlung lediglich ihre Hände.

Damit ist sie eine vergleichsweise günstige und unkomplizierte Therapieform, sowohl für den Patienten als auch den Therapeuten selbst.

Das freut auch die Krankenkassen und inzwischen erstatten nicht nur private, sondern auch immer häufiger gesetzliche Krankenkassen eine osteopathische Behandlung. Das zeigt, dass die Osteopathie zunehmend in der breiten Gesellschaft ankommt und dankbar angenommen wird.

Damit wird auch die Nachfrage nach gut ausgebildeten Osteopathen in naher Zukunft weiter steigen. Dies sind insbesondere für Heilpraktiker gute Argumente, sich mit einer Zusatzqualifikation und dem Berufsfeld der Osteopathie auseinanderzusetzen.

Wer darf osteopathische Behandlungen durchführen und wie ist die Gesetzeslage in Europa?

Während in den Vereinigten Staaten von Amerika die Osteopathie der Schulmedizin gleichgestellt ist, gelten in Europa noch andere Regeln: Die Osteopathie gilt hier nur teilweise als eigenständige Therapieform.

Einige europäische Staaten wie zum Beispiel Großbritannien haben die Osteopathie seit 1993 offiziell als Gesundheitsberuf anerkannt. Auch in der Schweiz ist diese Berufsbezeichnung geschützt und darf seit 2013 nur von Personen getragen werden, die ein interkantonales Diplom in Osteopathie abgelegt haben. Damit wird ihre Tätigkeit in der Schweiz von Versicherungen und Gesundheitsbehörden offiziell anerkannt.

Die Berufsbezeichnung Osteopath oder Osteopathin hat sich in Deutschland offiziell noch nicht etablieren können. Hier gilt der Begriff Osteopathie lediglich als konkrete fachliche Ausrichtung in der alternativen Heilmethode.

Ein Gerichtsspruch des Oberlandesgerichts Düsseldorf hat festgelegt, dass eine osteopathische Behandlung ausschließlich durch einen Arzt oder Heilpraktiker angeleitet oder ausgeführt werden darf, denn nach Auffassung des Senats stellt eine solche Behandlung die Ausübung von Heilkunde dar.

Dementsprechend muss eine heilkundliche Qualifikation vorliegen. Daher dürfen gesetzliche Krankenkassen grundsätzlich nur osteopathische Behandlungen von Personen anerkennen, die über eine Erlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz verfügen.

Heilpraktiker können über die Osteopathie-Ausbildung eine Zusatzqualifikation erwerben, um diese Behandlungsmethoden anzubieten. Umgekehrt beinhaltet die Osteopathie-Ausbildung jedoch nicht die Verleihung des Heilpraktiker-Status, da die Heilpraktiker-Prüfung nur beim jeweiligen Gesundheitsamt abgelegt werden darf.

Eine Ausbildung zum Osteopathen kombiniert das Wissen aus der Lehre zum Heilpraktiker mit Inhalten aus der Medizin und der Osteopathie im Speziellen.

Zusammengesetzt ergibt dies eine vollständige Ausbildung zum Osteopathen mit Heilpraktiker-Status.

Fazit zur Osteopathie (als Zusatzqualifikation für Heilpraktiker)

Die Osteopathie gewinnt stetig an Anerkennung. Selbst Schulmediziner und Krankenkassen zeigen sich aufgeschlossener gegenüber dieser alternativen Therapieform. denn auch sie erkennen die Vorteile für das Wohl des Patienten, die eine osteopathische Behandlung bieten kann.

So arbeiten immer häufiger Ärzte und Fachtherapeuten Hand in Hand mit Osteopathen zusammen, um das bestmögliche Ergebnis für ihre Patienten zu erzielen. Das Tätigkeitsfeld für Heilpraktiker mit einer Zusatzqualifikation zum Osteopathen ist daher besonders weit, abwechslungsreich und spannend.

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