August 2019 Lesezeit 5 Minuten


Darmkrebs: Früh erkannt, ist er meist heilbar

Darmkrebs ist eine Erkrankung, die in vielen  Fällen vermieden werden könnte: Bei Vorsorgeuntersuchungen, die von den Krankenkassen ab einem bestimmtem Alter bezahlt werden, können die Mediziner Krebsvorstufen rechtzeitig erkennen und beseitigen. Meistens entsteht Darmkrebs aus gutartigen Polypen, die häufig im Darm vorkommen. Sollte jedoch ein sogenanntes kolorektales Karzinom entstanden sein, hilft in den meisten Fällen nur noch eine Operation, um den Krebs zu besiegen.

Bei Vorsorgeuntersuchungen wird Darmkrebs oft in einem frühen Stadium erkannt.  

Als Darmkrebs wird ein bösartiger Tumor im Dickdarm, das sogenannte Kolonkarzinom, bezeichnet. In Deutschland erkranken Jahr für Jahr knapp 34000 Männer und 30000 Frauen. Damit stellt Darmkrebs die  dritthäufigste Krebsform bei Männer und die zweithäufigste bei Frauen dar. Die meisten Betroffenen sind durchschnittlich 73 Jahre (Männer) und 75 Jahre (Frauen) alt. Solange sich noch keine Metastasen gebildet haben, ist die Prognose deutlich günstiger, als wenn bereits Tochterabsiedlungen im Körper des Erkrankten bestehen.

Unterschiedliche Formen

Von Rektumkarzinom ist die Rede, wenn der Tumor den Enddarm oder den Mastdarm befallen hat. Es entsteht meistens aus Zellen der dortigen Schleimdrüsen (Adenokarzinom). Wenn sich ein Tumor des Rektums aus anderen Zellen entwickelt, zum Beispiel aus denen des Stützgewebes, ist von einem Sarkom die Rede. Andere Krebsformen können sich aus den neuroendokrinen Zellen bilden, die dem Nervensystem entstammen und Botenstoffe wie Hormone freisetzen.

Stadien-Einteilung

Eine Darmspiegelung oder andere Untersuchungsmethoden geben Aufschluss über die Größe des Tumors. Üblich für die Stadien-Einteilung sind zwei Methoden: Zunächst die TNM-Klassifikation, die bei den meisten Tumoren zur Anwendung kommt und über die Ausdehnung des Tumors Aufschluss gibt. Auf diese Weise ist es möglich, die Erkrankung verschiedenen Stadien zuzuordnen.  Die Buchstaben TNM stehen für Tumor, Nodes (Lymphknoten) und M (Metastasen).  Die zweite Methode, die Stadien-Einteilung der UICC, der Union internationale contre le cancer, differenziert quasi die Einteilung nach TNM nochmals.

Lange symptomlos

Das Tückische an Darmkrebs ist, dass er sich relativ langsam entwickelt,  und die Betroffenen deshalb häufig nichts von ihm bemerken. Sobald ein Kolonkarzinom Beschwerden macht oder Symptome zeigt, ist die Erkrankung meist weit fortgeschritten. Die Betroffenen bemerken ihn in vielen Fällen erst dann, wenn der Tumor eine bestimmte Größe erreicht hat, weil er dann die Passage der Nahrung erschwert.

Polypen können entarten

An Darmkrebs erkranken kann jeder. Allerdings gibt es Risikofaktoren, die die Entstehung der Erkrankung begünstigen. Bei den meisten Menschen bleiben gutartige Darmpolypen  folgenlos. Bis sich aus diesen Wucherungen ein bösartiger Tumor gebildet hat, vergehen meistens viele Jahre. Mögliche Entartungen sind nach Meinung der Medizin auf Risiken zurückzuführen.

Risikofaktoren

So soll eine ballaststoffarme Kost, die auch noch viel rotes Fleisch und verarbeitete Wurstwaren enthält, die Gefahr, an einem Darmtumor zu erkranken, erhöhen. Genauso gelten auch Bewegungsmangel und Übergewicht als  Risikofaktoren, ebenso wie Alkohol und der Konsum von Tabak. Darüber hinaus hat die Medizin auch genetische Faktoren entlarvt, die mit einer Erkrankung einhergehen können. Es gibt Fälle, bei denen Darmkrebs vererbbar ist, insbesondere bei Verwandten ersten Grades. Zunächst sind das Veranlagungen, die die Darmkrebs-Gefahr nicht unmittelbar erhöhen, jedoch mit anderen Risikofaktoren zusammen die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung erhöhen.

Genetische Veranlagung

 Weiterhin existieren verschiedene Genmutationen die Darmkrebs begünstigen können. Darunter mehrere Erberkrankungen wie HNPCC (Hereditäres nicht-polypöses Kolonkarzinom-Syndrom oder Lynch-Syndrom), das die häufigste Genveränderung darstellt. Hier kann der Körper Schäden an seinem Erbgut nicht ausreichend reparieren, was die Gefahr für Darmkrebs (und andere Krebsarten) massiv erhöht. Bei der  FAP (familiäre adenomatöse Polyposis) ist sogar mit hoher Wahrscheinlichkeit von der Entwicklung eines Darmkrebses auszugehen. Bei dieser Erkrankung, die selten vorkommt, bildet sich eine Vielzahl von Polypen im Darm. Betroffene müssen sich deshalb von Kindheit an regelmäßig Untersuchungen stellen. Manchmal werden schon zu diesem frühen Zeitpunkt bestimmte Darmabschnitte vorsorglich entfernt.

Weitere Risiken

Nicht zuletzt hat auch das Alter Einfluss auf die Bildung eines Kolonkarzinoms, denn 90 Prozent aller Tumore des Darms entstehen in einem Alter ab 50 Jahren aufwärts. Auch Menschen, die an chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa leiden, haben ein erhöhtes Darmkrebs-Risiko – genauso wie Menschen, die an Diabetes Typ 2 leiden.

Unspezifische Symptome

Symptome, die die Patienten zum Arzt führen, sind häufig veränderte Stuhlgewohnheiten, Blut im Stuhl, Bauchschmerzen, Leistungseinbußen, Müdigkeit und ein ungewollter Gewichtsverlust sowie leichtes Fieber. Wenn der Tumor rechtzeitig entdeckt wird und keine Metastasen vorliegen, kann Darmkrebs häufig geheilt werden. Die Behandlung richtet sich dabei nach dem Zustand und dem Alter des Patienten sowie nach der Größe und Lage der Krebsgeschwulst.

OP und Chemotherapie

Genauso wichtig sind auch Erkenntnisse darüber, ob Metastasen vorliegen. Häufig wird der Tumor samt angrenzender Lymphknoten operativ entfernt. Möglich ist auch, Metastasen operativ oder mithilfe einer Strahlentherapie zu beseitigen. Viele Patienten, deren Krebs weit fortgeschritten ist, erhalten eine Chemotherapie zusätzlich zur Operation. Manchmal wird auch eine zielgerichtete Therapie angewendet. Damit sind spezifische Medikamente gemeint, die bestimmte Eigenschaften des Tumors gezielt angreifen.

Vorsorgeuntersuchung

Weil Darmkrebs, insbesondere Dickdarmkrebs, durch Vorsorge in vielen Fällen vermeidbar wäre, bieten die Krankenkassen entsprechende Vorsorgeleistungen ab dem 50. Lebensjahr an. Dazu gehören Tastuntersuchungen, ein Stuhltest auf verstecktes Blut im Stuhl sowie eine Darmspiegelung (Darmspiegelung bei Frauen ab 55 Jahren).