Mai 2019 Lesezeit 3 Minuten


Neue Zeckenart ist Überträger gefährlicher Infektionen

Forscher warnen vor einer tropischen Zeckenart, die 2018 in Österreich und Deutschland erstmals in größerer Anzahl entdeckt worden ist. Im Unterschied zu den heimischen Arten ist der Parasit aus Übersee deutlich größer und kann unter anderem das gefährliche Zecken-Fleckfieber übertragen. Als Grund für die Ausbreitung sehen Wissenschaftler der Universität Hohenheim in Stuttgart den Hitzesommer 2018. In Deutschland wurden in diesem Sommer mehr als 30 Exemplare der Gattung Hyalomma gefunden. Die subtropische Zeckenart ist nicht nur deutlich größer, sondern auch an ihren auffallend gestreiften Beinen zu erkennen. Gefunden wurde Hyalomma im norddeutschen Osnabrück, im Raum Hannover und in der Wetterau. Die Forscher vermuten, dass sie über Vogelzüge nach Deutschland eingeschleppt werden.

Eine tropische Zeckenart breitet sich offenbar in Deutschland aus. 

Infektion mit multiresistentem Keim

Als Wirte dienten den eingewanderten Parasiten bislang ausschließlich Pferde und Schafe. Allerdings ist auch der Mensch für diese Zeckenart ein möglicher Wirt. Normalerweise ist Hyalomma in Asien und Nordafrika sowie dem Mittelmeerraum beheimatet. Alle Hyalomma-Arten gelten als Überträger verschiedener gefährlicher Erkrankungen wie zum Beispiel das Fleckfieber sowie das Krim-Kongofieber. Aufschluss darüber, ob die riesige Zecke auch Borreliose und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) überträgt, stehen noch aus. FSME ist eine Viruserkrankung, die vor allem eine Hirnhautentzündung hervorrufen kann.

Auch andere neue Arten entdeckt

 Wärmere Sommer und mildere Winter lassen die Zeckenpopulation in Deutschland seit Jahren ansteigen. Die in Deutschland geläufigste Zeckenart, der gemeine Holzbock, überträgt normalerweise Borreliose und FSME. Neben Hyalomma haben Wissenschaftler in den vergangenen Jahren auch andere neue Arten gefunden. Dabei handelt es sich um die Art Xodes inopinatus,  die normalerweise im Mittelmeerraum beheimatet ist sowie die ebenfalls eingewanderte Auwaldzecke.  Welche Krankheiten Parasiten dieser Gattungen beim Menschen hervorrufen können, ist noch nicht vollständig geklärt und lässt sich außerdem schwer einschätzen. Gefunden wurden jedoch bereits FSME-Viren in Auwaldzecken.

Bis zu 500 FSME-Fälle pro Jahr

Nach Angaben der Stuttgarter Wissenschaftler sind im Jahr 2018 knapp 600 FSME-Infektionen nachgewiesen worden. Seit Beginn der Meldepflicht im Jahr 2001 sei dies bislang der höchste Stand in einem Jahr. Generell bewegt sich die Zahl der diagnostizierten FSME-Fälle pro Jahr zwischen 250 und 500 Fällen. Rund 85 Prozent der Infektionen wurden in Bayern und Baden-Württemberg nachgewiesen. Für das Jahr 2019 nennt das Robert-Koch-Institut (RKI) fünf neue FSME-Risikogebiete für Deutschland, darunter mit dem Emsland zum ersten Mal einen Landkreis im Norden Deutschlands.

FSME nun auch im Norden

Überhaupt, befürchten die Stuttgarter Forscher, breiten sich die Parasiten Richtung Norden aus: Infektionen mit FSME wurden  nun auch in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und in Berlin nachgewiesen. Ein zuverlässiger Schutz vor FSME ist die Impfung, die jedoch nicht gegen Borreliose hilft. Borreliose wird durch Bakterien übertragen und kann Gelenke und Nervensystem schädigen. Mehrere Universitäten aus Deutschland und Österreich  wollen jetzt mit zwei Forschungsprojekten versuchen, den neuen Zeckenarten auf die Spur zu kommen. Die Ergebnisse schließlich sollen über Veränderungen der Zecken-Situation in Deutschland Auskunft geben können, um daraus neue Hot-Spots ableiten zu können.