Juni 2020 | Lesezeit 4 Minuten


Neue Therapiemöglichkeiten bei Angststörungen

In unserer schnelllebigen Zeit kommt es immer häufiger zu psychosomatischen Störungen 

Ist es der gesellschaftliche Druck, der auf den Schultern der Menschen lastet oder gibt es auch noch andere Gründe, weshalb die Anzahl der Angststörungen in den westlichen Industriestaaten immer mehr ansteigt?  

Sind Angststörungen „Krankheiten des Wohlstands“, die sich aufgrund von hausgemachtem Stress zeigen?  

Fakt ist: Noch längst nicht allen Patienten kann mit den herkömmlichen Therapiemethoden geholfen werden. 

Holzpfad im Wald

Regelmäßige Aufenthalte in der Natur können sich sehr positiv auf die Psyche auswirken und bieten einen Ausweg bei Angststörungen und Depressionen.

Wie machen sich Ängste bei Betroffenen bemerkbar?

Angst-Patienten leiden massiv unter ihrer Störung. Aus einer inneren Angst heraus gehen Betroffene kaum mehr aus dem Haus.  

Beim Rückzug in die Einsamkeit weiß auch oft das nahe Umfeld nicht, wie man seinen Liebsten bei Angst-Gedanken helfen kann. Hierzu zählen keine normalen Gedanken, die ihren Ursprung im gesunden Menschenverstand haben, sondern plötzlich und unvermittelt auftretende Gedanken, die Menschen lähmen und in Schlafstörungen und Zustände der inneren Unruhe versetzen.  

Ca. 10 % der in Deutschland lebenden Menschen leiden aktuell an Angst- und Panikstörungen.  

Sehr bedenklich ist hierbei, dass nur einem Teil dieser Patienten auch medikamentös geholfen werden kann.  

Ist ein neues Medikament die Lösung? 

Menschen, die unter Angst-Zuständen leiden, zeigen unter anderem eine erhöhte neuronale Aktivität im Mandelkern des Gehirns. Dieser Teil des Gehirns wird auch Amygdala genannt und verarbeitet Emotionen, die in Verbindung mit Angst und Panik stehen.  

Forschungen haben gezeigt, dass eine erhöhte Aktivität der Amygdala verantwortlich dafür sein kann, dass übertriebene Angst- und Panik-Attacken bei Menschen auftreten.  

Fatal ist hierbei, dass die Angstgefühle oft plötzlich und ohne vorhergehenden, tieferen Grund auftreten können. Viele Medikamente, die zur Beruhigung verschrieben werden, wie z.B.  Benzodiazepine, dämpfen vermutlich die Überaktivierung der Amygdala.  

Generell werden gegen Angst- und Panik-Attacken oftmals Psychopharmaka verschrieben, die erst nach mehrwöchiger Einnahme erste Erfolge zeigen. 

Synapsen als Verbindungsstellen der Nervenzellen im Gehirn 

Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für experimentelle Medizin in Göttingen ist es gelungen, ein synaptisches Protein zu identifizieren, das den Namen IgSF9b trägt - bei ersten Versuchen, die an Mäusen vorgenommen wurden, die zuvor in einen Angstzustand versetzt wurden, konnten innere Blockaden der Tiere bereits erfolgreich gelöst werden.  

Die Synapsen gelten als wichtige Verbindungsstellen zwischen Nervenzellen im Gehirn, mit denen Informationen übertragen werden. Vereinfacht gesagt: Damit die Blockaden und Ängste innerlich gelöst werden können, müssen die sensiblen Nervenzellen untereinander sinnvoll kommunizieren.  

Die neue, experimentell eingesetzte Medizin bremst zum Beispiel in der Amygdala die Weitergabe der Reize, die bei Menschen Angst auslösen.  

Bisher dienten vor allem Benzodiazepine als die „Bremse der Angstreize“, die unter den Nervenzellen übertragen werden. Allerdings verhindert die Einnahme dieses Medikaments auch, dass zahlreiche andere hemmende Synapsen im Gehirn alle relevanten Informationen übermitteln.  

Nicht selten entstehen bei der Verschreibung von Benzodiazepinen auch Begleiterscheinungen wie Konzentrationsstörungen, Müdigkeit und eine eingeschränkte Aufnahmefähigkeit - Wissenschaftler suchen daher verstärkt nach neuen, spezifischeren Zielen für angstlösende Medikamente.  

Ist das Protein IgSF9b die Lösung?  

In Göttingen wurden in Tierversuchen mit Mäusen die Zusammenhänge der Wirkung des Proteins getestet. Das Protein IgSF9b bildet an hemmenden Synapsen eine Proteinbrücke unter zwei benachbarten Nervenzellen.  

Folgendes Zitat stammt von Olga Babaev vom Max-Planck-Institut für experimentelle Medizin in Göttingen, die die Versuche an den Mäusen im Rahmen ihrer Doktorarbeit durchführte: „Eine Blockade von IgSF9b hat auf die Mäuse mit einer genetisch verursachten Angststörung eine angstlösende Wirkung und normalisiert das Angstverhalten der Tiere. Das Protein könnte also ein Ziel für Medikamente gegen Angststörungen sein“ Leider existiert zum aktuellen Zeitpunkt noch kein zugelassenes Medikament mit diesem Wirkstoff für die Anwendung am Menschen.

Fest steht allemal, dass angesichts des raschen Anstiegs der Angst- und Panikstörungen in der Gesellschaft der Ursache für dieses Phänomen auf den Grund gegangen werden sollte.

Vor allem stellt sich die Frage, wodurch Ängste überhaupt entstehen und warum diese Störung in der heutigen Gesellschaft des Wohlstands, aber auch des großen Leistungsdrucks, verstärkt auftritt.   

Was also ist die Ursache von Ängsten? 

Die Befragungen einiger Probanden weisen unterschiedliche Ergebnisse auf. So können plötzlich auftretende Ängste bei den Patienten durch Missbrauchs-Fälle, traumatische Erlebnisse, nicht verarbeitete Erfahrungen der Trauer, von Trennungen oder Gewalttaten verursacht werden.  

Bereits Kinder klagen über hohen Druck in der Schule und Gruppenzwang in den Klassen. Viele vergleichen sich mit Mitschülern, die ihrer Meinung nach erfolgreicher als sie selbst sind, was schnell zu Unzufriedenheit führen kann.

Zudem steigt die Anzahl der gemobbten Kinder immer mehr – kein Wunder, dass sich diese Dauer-Belastung negativ auf den seelischen Zustand der Betroffenen auswirkt 

In Situationen, die Ängste auslösen, reagieren jedoch nicht nur Kinder mit Rückzug und Isolierung von der Gruppe. Auch Erwachsene vergleichen sich mit anderen und fühlen sich dadurch oft minderwertig und gesellschaftlich wenig akzeptiert 

Natürlich ist es oft leichter gesagt als getan, dem Leistungsdruck in unserer Gesellschaft zu entfliehen – dieser strömt oft von außen auf die Menschen ein, doch viele von uns tragen auch selbst dazu bei.  

Auch diverse Medien und soziale Netzwerke leisten nicht selten einen großen Beitrag zur inneren Unzufriedenheit, da den Menschen hier eine surreale Welt des Erfolges gezeigt wird, die vielen den besten Nährboden für Unzufriedenheit und Misserfolg liefert. Diese negativen Gedanken bedeuten oft nur eines: Stress pur!  

Doch wie können Patienten aus dem Hamsterrad von innerem Stress, der auch Ängste in uns auslösen kann, entfliehen?  

Natürliche Heilmethoden unterstützen den Gesundheitszustand 

Präventionsmaßnahmen, die psychosomatischen Störungen entgegenwirken, werden immer stärker von Krankenkassen oder auch Arbeitgebern unterstützt. Egal ob Yoga, progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Qigong oder andere Entspannungskurse: Bei seelischen Erkrankungen gilt es, sich selbst zu therapieren. Patienten können hierbei lernen zu entspannen. 

Meditationen helfen, sich innerlich in Achtsamkeit zu üben. Hier darf jeder Mensch, egal in welchem Alter, lernen zu entspannen und sich innerlich zu entschleunigen - Achtsamkeit und Entschleunigung sind das Mantra unserer modernen Zeit. 

Fazit 

Ängste und Panik-Störungen sollte jeder Betroffene sehr ernst nehmen. 

Viele Therapieansätze zeigen, dass es sich lohnt, derartige psychosomatische Probleme aktiv zu bekämpfen.  

Fakt ist allemal, dass jeder Patient selbst einen aktiven Beitrag dazu leisten kann und sollte, um seinen Gesundheitszustand zu verbessern.

Egal ob lange Spaziergänge an der freien Natur, die tiefe Zwerchfellatmung oder Meditationen: Wer sich selbst seelisch stärkt, erschafft die Grundlage für ein gesundes, möglichst angstfreies Leben!  

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