September 2019 Lesezeit 4 Minuten


Morbus Crohn: Krankheit unklarer Genese

Morbus Crohn ist eine bislang unheilbare Erkrankung und spielt sich in erster Linie im Darm ab. Dort verursacht sie eine chronische Entzündung. Offenbar, davon gehen Mediziner aus, richtet sich bei dieser Erkrankung, die in Schüben auftritt,  das Immunsystem gegen den eigenen Körper. Prinzipiell jedoch kann Morbus Crohn im gesamten Verdauungssystem auftreten. Überwiegend befällt die Krankheit jedoch das untere Teil des Dünndarms oder den oberen Abschnitt des Dickdarms. Häufig dringt die Krankheit auch bis in die tieferen Schichten der Darmschleimhaut vor.

Bauchschmerzen: Eines der Symptome bei Morbus Crohn. 

Die Ursachen für Morbus Crohn sind nicht genau bekannt, vermutet werden unter anderem auch genetische Faktoren: Ist ein naher Verwandter von der Erkrankung betroffen, steigt das Risiko um etwa das zehnfache, dass auch andere Familienmitglieder daran erkranken. Forschungen haben mittlerweile ergeben, dass einige der Betroffenen verschiedene fehlerhafte Gene aufweisen, am häufigsten ist das NOD2/CARD 15-Gen betroffen, das auf dem Chromosom 16 liegt. Hier bestehen offenbar Wechselbeziehungen mit dem Immunsystem. Wenn Krankheitserreger aufgrund dieses Defekts nicht mehr eliminiert werden können, könnte es nach Meinung von Forschern  zu einer Überreaktion des Immunsystems kommen, die die typische chronische Darmentzündung bei Morbus Crohn auslöst.

Umweltfaktoren fördern Morbus Crohn

Hinzu kommen Umweltfaktoren, die die Krankheit fördern, zum Beispiel Tabakkonsum. Psychische Faktoren führen nach Ansicht der Mediziner jedoch nicht zum Ausbruch, sondern können den Verlauf der Krankheit negativ beeinflussen, weil  die Einschränkungen durch Morbus Crohn häufig auch zu Depressionen führen. Genauso wenig, so heißt es, verursacht eine ungesunde oder falsche Ernährung Morbus Crohn.

Vielfältige Symptome

Meistens tritt die Krankheit erstmals bereits in jungen Jahren auf: Das durchschnittliche Alter der Betroffenen bei der Erstdiagnose beträgt zwischen 15 und 35 Jahren. Grundsätzlich jedoch kann Morbus Crohn hingegen in jedem Alter ausbrechen. Als Hinweise auf Morbus Crohn gelten Durchfälle, manchmal mit Fieber, über viele Wochen und Bauchweh. Diese sind häufig krampfartig und treten überwiegend im rechten Unterbauch auf. Immer aber hängen die Schmerzen auch davon ab, in welchem Darmabschnitt sich die Entzündung abspielt. Ein weiteres Symptom ist Müdigkeit sowie eine ungewollte Gewichtsabnahme und – als extraintestinales Syndrom – Gelenkschmerzen. Auch Haut, Augen und Knochen können betroffen sein.

Ziel: Entzündung unterbinden

Da diese Symptome auch bei anderen Erkrankungen auftreten, ist die Diagnosestellung nicht ganz einfach.  Um Morbus Crohn nachweisen zu können, müssen umfangreiche Untersuchungen eingeleitet werden. Das können neben Ultraschall verschiedene Blutuntersuchungen, eine Darmspiegelung oder die Begutachtung von Gewebeproben sein. Die Behandlung der Erkrankung hat zum Ziel, die Entzündung des Darms zu unterbinden. Bei einem akuten Schub verordnen Mediziner neben entzündungshemmenden Medikamenten auch Kortison. Wenn die Schübe regelmäßig zurückkehren, ist manchmal eine lebenslange Medikation erforderlich. Betroffene müssen außerdem auf eine entsprechende Ernährung achten, um den Darm nicht unnötig zu reizen. Darüber hinaus können durch die wiederholten Durchfälle Mangelerscheinungen auftreten. In manchen Fällen jedoch hilft nur noch eine Operation.

Unangenehme Begleiterscheinungen

Wenn die Krankheit voranschreitet, kommen häufig Begleiterscheinungen wie Stenosen, Fisteln, Abszesse und Fissuren hinzu. Möglich ist auch ein Darmverschluss. Darüber hinaus ist das Darmkrebsrisiko (bei Befall des Dickdarms und einer Entzündung der Gallenwege) bei Morbus Crohn-Patienten erhöht. Wichtig ist, einen eventuell auftretenden Mangel an Nährstoffen (Malabsorption) und Vitaminen durch gezielte Zufuhr  auszugleichen. Gerade Fisteln sind gefährlich, weil sie vielfach mit Eiter gefüllt sind und sich dadurch Abszesse bilden. Außerdem können Fisteln verschiedene Darmabschnitte miteinander verbinden, was wiederum die Gefahr einer Infektion erhöht.

Spezielle Medikamente

Die Ausprägung der Symptome ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Während manche Patienten nur wenige Symptome verspüren, sind  andere stark eingeschränkt. Meistens wechseln sich beschwerdefreie Phasen mit Schüben unterschiedlicher Schweregrade ab. Morbus Crohn lässt sich mit speziellen Medikamenten, die die Entzündung abschwächen, behandeln. Heilbar ist die Erkrankung jedoch nicht. Die Medikation zielt deshalb darauf ab, die beschwerdefreie Zeit zu verlängern. Bei einem akuten, schweren Schub des unteren Dünndarmabschnitts oder des Dickdarms wird häufig Kortison eingesetzt, bei schwächerer Ausprägung können auch andere Entzündungshemmer verabreicht werden.

Wenn Kortison nicht hilft

In sehr schweren Fällen, wenn auch Kortison nicht anschlägt, kommen Medikamente zum Einsatz, die die Aktivität des Immunsystems unterdrücken. Das wiederum kann zu einer Häufung von Infekten führen. Morbus Crohn kann ebenfalls den Magen, den Zwölffingerdarm oder die Speiseröhre betreffen. Auch hier ist häufig Kortison angezeigt, zusätzlich werden auch Protonenpumpenhemmer verschrieben, um die Magensäureproduktion zu reduzieren.

Gestörte Immunantwort

Eine neue Studie hat ergeben, dass offenbar eine Störung des programmierten Todes der Immunzellen für den Ausbruch von Morbus Crohn verantwortlich sein kann. Marburger Forscher haben herausgefunden, dass Nahrungsmittelproteine eine bestimmte Immunantwort im Darm hervorrufen. In Kooperation mit der Berliner Charité haben die Wissenschaftler nachgewiesen, dass die Immunantwort bei Morbus Crohn –Patienten gestört ist.

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