Zuletzt aktualisiert: Juli 2021

Mittel gegen Katzenhaar-Allergie: IgG-Antikörper hemmen Immunreaktion

Eine Allergie gegen Katzenhaare ist für viele Tierliebhaber ein großes Problem, denn bislang gibt es kein dauerhaftes und wirksames Gegenmittel – das könnte sich in naher Zukunft vielleicht ändern, denn die Wissenschaft testet zurzeit einen völlig neuen Ansatz, der auch gegen andere Allergien helfen könnte: Allergieauslösende IgE-Antikörper werden dabei durch IgG-Antikörper angegriffen, die mit ihnen in Konkurrenz stehen.

Erste Studien zeigen nun, dass schon eine einzige Verabreichung dieser therapeutischen Antikörper allergische Reaktionen über mehrere Wochen hinweg blockieren kann. Nun folgt eine Phase-3-Studie, an der mehrere tausend Patienten teilnehmen – verläuft diese erfolgreich, könnte der neue Ansatz die erste erfolgreiche und schnelle Therapie gegen Katzenhaar-Allergie sein und vielen Menschen Erleichterung bringen.

Durch was wird eine Katzenhaar-Allergie ausgelöst?

In den meisten Fällen ist der Auslöser der Allergie das Protein Fel-d1, welches vor allem im Fell, auf der Haut sowie in Speichel und Drüsen von Katzen vorkommt. Es reichen schon kleinste Mengen dieses Stoffes, um allergische Reaktionen bei Betroffenen auszulösen. Diese reichen von Schnupfen über Bindehautentzündungen bis hin zu asthmatischen Anfällen. Es gibt zwar einige Medikamente, die die allergischen Symptome lindern können, gegen die Ursachen hilft bisher allerdings nur eine Hyposensibilisierung, die sehr lange dauert und oft auch Nebenwirkungen mit sich bringt.

Wie funktioniert der neue Therapie-Ansatz?

Der Ansatz, an dem die Wissenschaftler momentan arbeiten, macht sich einen Verdrängungseffekt zunutze. Um ihn auszulösen, werden den Probanden IgG-Antikörper verabreicht, die sich an das Fel-d1 Protein der Katzenhaare binden. Auf den ersten Blick ist dies dieselbe Reaktion, die IgE-Antikörper zeigen, die für die allergischen Reaktionen verantwortlich sind, es gibt dabei allerdings einen weiteren wichtigen Effekt: Sobald die therapeutischen Antikörper alle Bindungsstellen des Fel-d1 Proteins belegt haben, gibt es keine verbleibenden Andockmöglichkeiten für die IgE-Antikörper. Dies unterbindet die Aktivierung der Mastzellen und hemmt damit die Freisetzung von Histaminen und anderen Botenstoffen, die Entzündungen fördern.

Bei dieser Therapie werden die IgE-Antikörper, die für die allergischen Reaktionen verantwortlich sind, also einfach von der schieren Masse an therapeutischen IgG-Antikörpern verdrängt und verhindern damit den Ausbruch von allergischen Reaktionen.

Zu welchen Ergebnissen sind die bisherigen Studien gekommen?

Bisher wurden die IgG-Antikörper sowohl in Tierversuchen als auch in Phase I und II Studien am Menschen erfolgreich eingesetzt. Bei der Mehrheit der Patienten kam es beim Einsatz der Antikörper zu deutlich verringerten Allergiesymptomen. Die Wirkung entsprach hierbei einer Linderung der Symptome, die bislang nur durch ca. zwei Jahre Hyposensibilierung erreicht werden konnte. Schon eine einzelne Spritze mit Antikörpern war dazu in der Lage, die Allergie für einige Wochen verschwinden zu lassen, was auch durch Hauttests bestätigt wurde. Die nun geplante internationale Phase-III Studie mit mehreren tausend Teilnehmern wird zeigen, ob die Therapie massentauglich ist.

Kann die Therapie auch gegen andere Allergien eingesetzt werden?

Sollte sich die Wirksamkeit dieser Methode in den nächsten Phasen der Forschung bestätigen, ist es gut möglich, dass der Einsatz konkurrierender Antikörper auch bei anderen Allergieformen erfolgreich eingesetzt werden kann – im Rahmen der bevorstehenden Phase-III Studie wird dieser Ansatz u.a. auch schon gegen die Birkenpollen-Allergie getestet.

Außerdem erhoffen sich die Forscher belastbare Daten über den Wirkungszeitraum der Antikörper-Spritzen - sollten sich bisherige Erkenntnisse bestätigen, sollte die Wirkung mindestens einen Monat lang anhalten. Ebenso könnte eine Kombination der Therapie mit der bisher etablierten Hyposensibilisierung möglich sein.

Allergiker können für die Zukunft also durchaus Hoffnung haben, dass in absehbarer Zukunft neue und wirksame Therapieformen zur Verfügung stehen, die ihren Alltag spürbar erleichtern.

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