​August 2019 Lesezeit 4 Minuten


Mikrobiom passt sich dem Körper an

Genauso einzigartig wie jeder Mensch ist auch die Zusammensetzung der Darmflora. Die gemischte Mikrobengemeinschaft aus unterschiedlichen Bakterienstämmen ist vielfältig. Bei der Erforschung des menschlichen Mikrobioms stoßen die Wissenschaftler auf immer neue Erkenntnisse.

Das Mikrobiom ist Forschungsgegenstand vieler Studien. Wissenschaftler haben jetzt entdeckt, was Darmmikroben möglicherweise leisten können.

​Darmmikroben kommt in vielen Zusammenhängen der Funktionsweise des Körpers offenbar eine immense Bedeutung zu. Sie sind aktuellen Studien zufolge offenbar am Abbau von Medikamenten beteiligt, kommunizieren mit dem Gehirn und schützen möglicherweise vor Krebs. Dabei sind sowohl Gene und Lebensstil, als auch Umwelteinflüsse und Ernährung verantwortlich dafür,  wie die Darmflora eines Individuums zusammengesetzt ist.

Mikroben passen sich dem Wirt an

Eine aktuelle Studie kann nun nachweisen, dass jeder Mensch nicht nur eine eigene Mikrobenkombination in seinem Körper beheimatet, sondern dass diese sich dem jeweiligen Wirt anpassen, indem sie sich im Körper weiterentwickeln. Aus dieser Mutation resultieren schließlich sogenannte Subpopulationen. Bei diesem Vorgang haben die Wissenschaftler festgestellt, dass manche Arten deutlich häufiger mutieren als andere, und dass diese Veränderungen in Verbindung mit unterschiedlichen Menschengruppen stehen.

Darmbakterium unter der Lupe

Für die Studie haben Mikrobiom-Forscher zunächst das Darmbakterium Bacteroides fragilis unter die Lupe genommen, das aus Stuhlproben von Freiwilligen gewonnen wurde. Zusätzlich hatten die Forscher Zugriff auf eine Datenbank mit weiteren Proben.  Auf diese Weise war es möglich, verschiedene Gensequenzen der Bacteroides-Gruppe zu vergleichen und Erkenntnisse über deren genetische Evolution zu gewinnen.  Dabei haben die Wissenschaftler festgestellt, dass die Keime zunächst vielfältiger werden, um sich nach und nach in verschiedenen, klar voneinander abzugrenzenden Stämmen weiterzuentwickeln.

Ballaststoffreiche Ernährung

Genetische Veränderungen seien regelmäßig bei jenen Genen anzutreffen gewesen, bei denen Mutationen besonders häufig vorkämen. Eine weitere Erkenntnis, zu der die Forscher gelangt sind: Die Stellen für Mutationen würden in Genbereichen liegen, die in Verbindung mit Umwelteinflüssen stünden. Daraus folgerten die Mikrobiom-Experten, dass eine ballaststoffreiche Ernährung  spezifische Mikrobenstämme hervorbringe und dass andere veränderte Mikroben durch ein Zusammenspiel mit dem menschlichen Immunsystem entstünden.

Mensch personalisiert Mikrobiom

Durch die Studie, so die Forscher, werde deutlich, dass der menschliche Körper nicht nur durch ein individuelles Mikrobiom geprägt werde, sondern dieses auch selbst personalisiert. So komme es unter anderem auch zu geografischen Mikrobiomgruppen: Während bestimmte genetisch veränderte Formen von Bacteroides fragilis eher in der westlichen Hemisphäre vorkämen, wären andere Mutationen eher in östlichen Ländern wie China anzutreffen.