Juni 2019 Lesezeit 4 Minuten


Mikrobiom hat offenbar Einfluss auf den Abbau von Medikamenten

Die Erforschung des menschlichen Mikrobioms - der Gesamtheit der Bewohner des menschlichen Darms – steht im Vordergrund vieler Studien, aus denen bereits etliche Erkenntnisse über die Zusammenhänge des Mikrobioms und der Gesundheit hervorgegangen sind. Eine der vielen Studien hat sich jetzt der Frage gewidmet, welchen Einfluss die Mikroben des Darms auf Arzneiwirkstoffe nehmen.

Offenbar hängt es auch vom jeweiligen Mikrobiom ab, wie Medikamente wirken.   

Wissenschaftler an der Yale School of Medicine in New Haven haben nun untersucht, inwieweit Darmbakterien einen Einfluss darauf haben, dass zum Beispiel Schmerzmittel bei einigen Patienten sehr lange wirken und bei anderen nicht. Herausgekommen ist dabei, dass Darmmikroben am Abbau von Medikamenten beteiligt sind.  Anfangspunkt der Studie war die systematische Erforschung  über die Kapazität von Darmbakterien, Medikamente abzubauen. Dazu wurden etwa 300 Arzneistoffe mit verschiedenen Bakterien des Mikrobioms vermischt wurden. Die Mikroben wurden zuvor vom menschlichen Darm isoliert. Insgesamt waren es 76 Bakterienarten, die die Forscher unter die Lupe genommen haben und die alle in sogenannten Mikrobengemeinschaften vorkommen.

Bakterien bauen Medikamente ab

Wie die verschiedenen Bakterien die Medikamente verdauten, hing vor allem von der chemischen Zusammensetzung der Arzneien ab. Insgesamt konnten die Forscher zeigen, dass die Bakterien fast zwei Drittel der Wirkstoffe der Medikamente abbauen konnten. Darunter fielen Mikroben auf, die besonders effektiv an diesem Abbauprozess beteiligt waren. Da sich die Bakteriengemeinschaft eines jeden Mikrobioms anders zusammensetzt und auch vom Ernährungsstil beeinflusst wird, könnten die Untersuchungen der Forscher erklären, warum bestimmte Arzneien unterschiedlich wirken.

Arzneimittel personalisieren

Schlägt also eine Behandlung nicht an, könnte die Darmflora dafür verantwortlich sein, folgern die Wissenschaftler. Mit Blick auf die personalisierte Medizin könne die Menge des jeweiligen Arzneistoffes möglicherweise an die Darmflora des Patienten angepasst werden, meinen die Forscher. Das wäre besonders bei chronisch kranken Patienten hilfreich. Entweder werde die Menge des jeweiligen Medikaments angepasst oder die Darmflora dahingehend verändert, dass sich die volle Wirkung der verordneten Arznei entfalten könne.

Mikrobiom ist artspezifisch

Im menschlichen Körper leben mehr als 30 Billionen Bakterien. Mikroben nehmen auf vielen Ebenen Einfluss auf körperliche Prozesse. Im Grunde kann hier von Metaorganismus die Rede sein, weil der menschliche Körper als Organismus eben auch die eigenen Mikroben umfasst. Die Zusammensetzung des Mikrobions ist von Organismus zu Organismus verschieden. Trotzdem, so aktuelle Forschungen, scheint das Mikrobiom artspezifisch zu sein. Das bedeutet, dass  unterschiedliche Gattungen von Lebewesen, von kleinen Polypen bis zu ausgewachsenen Elefanten, mit speziellen Bakterienarten zusammenleben. Verantwortlich für diese Selektion ist möglicherweise das Immunsystem.