November 2018, Lesezeit 3 Minuten


Medikamente können das Risiko einer Demenzerkrankung erhöhen

Amerikanische Forscher um Shelly L. Gray von der University of Washington, haben in einer prospektiven Studie einen Zusammenhang zwischen der Einnahme verschiedener Medikamente und dem Auftreten von Demenz festgestellt.
Zuvor hatten andere Studien bereits einen Einfluss, vor allem von Arzneimitteln gegen Allergien, vermuten lassen.

Um ihre Hypothese zu untermauern beobachteten die Leiter der Studie eine Gruppe von 3434 Patienten im Alter von über 65 Jahren. Insgesamt von 1994 bis 2012.

Alle Teilnehmer zeigten zu Beginn keine Anzeichen einer Demenz und wurden anschließend alle zwei Jahre erneut untersucht.

Darüber hinaus werteten die Wissenschaftler elektronische Daten der jeweiligen Apotheke der Probanden aus und ermittelten so die Menge der eingenommenen Arzneien.

Bestimmte Arzneigruppen im Fokus:

Während der gesamten Dauer entwickelten 797 also 23,3% aller Studienteilnehmer eine Demenz. 637 (79,9%) vom Alzheimer Typ. Ein Zusammenhang zwischen dem Erkrankungsrisiko und der Arzneimitteleinnahme konnte eindeutig festgestellt werden.
Besonders im Fokus standen hierbei Histaminblocker (Heuschnupfen und Allergiemedikamente), trizyklische Antidepressiv und Arzneimittel gegen "eine schwache Blase".

Um Die Ergebnisse der Studie abzusichern wurden alle Arzneien, welche im Jahr vor der Diagnosestellung eingenommen wurden, nicht mit berücksichtigt.
Auch sonstige Faktoren wie Vorsorge oder Beleiterkrankungen rechneten die Forscher heraus.

Was bedeutet das und was kann man tun?

Allgemein erinnert dieses Ergebnis daran, wie wichtig es ist, Nutzen und Risiken verschiedener Möglichkeiten gegeneinander abzuwägen.
Es ist natürlich in vielen Fällen nicht vermeidbar auf die, von der Studie erwähnten, Medikamente zurückzugreifen.
Auch ist unbestritten wie viele Patienten tagtäglich darauf angewiesen sind oder dadurch Linderung erfahren.

Deswegen sollte hier an Stelle einer grundsätzlichen Diskussion die Frage stehen ob und wie es in bestimmten Fällen möglich ist die Menge der eingenommenen Medikamente zu reduzieren ohne die Lebensqualität zu mindern.
In vielen Fällen gibt es mehrere Methoden die zum Ziel führen können und nicht alle sind dabei auf Dauermedikationen angewiesen.

Auf jeden Fall aber kann es sich bei manchen Krankheiten lohnen, so gut wie möglich dazu beizutragen, dass aus einer sinnvollen und wichtigen Kurzzeitmedikation gegen bestimmte Symptome, nicht eine Dauermedikation gegen eine Krankheit wird.

Wenn es also nach der Behandlung eines akuten Zustandes wieder besser geht, sollten daher auch Patienten selbst aktiv werden und ihren Arzt oder Therapeuten offen darauf ansprechen wie man nun weiter verfahren kann.
Eventuell gibt es einen Spezialisten, eine Beratungsstelle oder eine Patientengruppe in Ihrer Nähe, welche dabei helfen kann.

Keinesfalls sollten Patienten jedoch ihre Medikation ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt oder Therapeuten ändern.