Mai 2019 Lesezeit 3 Minuten


Krebs durch Fertiggerichte & Co: Studie liefert Hinweise

Erhöht der Verzehr von stark verarbeiteten Lebensmitteln tatsächlich die Sterblichkeit?  Diese Frage beschäftigt Medizin und Ernährungskunde seit langem. Nun hat ein Forscherteam um Dr. Laure Schnabel von der Pariser Universität nach Antworten gesucht: In einer Studie, an der sich rund 44500 Franzosen beteiligten und die sich über sieben Jahre erstreckte, kamen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass sich das Sterblichkeitsrisiko möglicherweise erhöhen kann.

Limonaden stehen unter anderem in Verdacht, an Krebserkrankungen beteiligt zu sein. Das ist das Ergebnis mehrerer Studien.  

Risiko steigt um 14 Prozent

Die Probanden, die für die Untersuchung ausgewählt wurden, ernährten sich durchschnittlich zu 30 Prozent von aufwändig bearbeiteten Lebensmitteln. Wer über diesem Wert lag, hatte pro jeweils zehn Prozentpunkte ein um 14 Prozent gestiegenes Sterblichkeitsrisiko. Ungesund an stark verarbeiteten Lebensmitteln sind häufig die hohen Anteile an Zucker, Salz und Fett, aber auch Zutaten wie Farbstoffe und Geschmacksverstärker sowie Konservierungsmittel. Hinzu kommt, dass bei der Verarbeitung gesundheitsgefährdende Stoffe wie Acrylamid oder bestimmte Fettarten entstehen können. Unter dem Strich beweist die Studie allerdings nicht, dass der vermutete Zusammenhang zwischen Ernährungsgewohnheiten und Mortilitätsrisiko tatsächlich besteht.  Unter anderem deshalb, weil es sich um eine reine Beobachtungsstudie handelt, die Ursache und Wirkung zwar in Beziehung setzt, die Ergebnisse aber nicht begründen kann. Darüber hinaus ist nicht gesichert, ob die Teilnehmer ihre Angaben darüber, was sie gegessen haben, tatsächlich wahrheitsgemäß beantwortet haben.

Zweite Studie mit 105000 Frauen

Nach weiteren Erkenntnissen einer Forschergruppe aus französischen und brasilianischen Wissenschaftlern um den Franzosen Bernard Srour gibt es ebenfalls zumindest Hinweise darauf, dass stark verarbeitete Lebensmittel das Risiko für Krebserkrankungen erhöhen können. In einer Studie aus dem Jahr 2018 mit knapp 105000 gesunden Frauen  gingen die Forscher einem möglichen Zusammenhang nach. Dabei wurden die Teilnehmer der Studie zunächst in vier Kategorien eingeteilt: Angefangen bei jenen, die nur wenig stark verarbeitete Lebensmittel verzehren bis hin zu jenen, bei denen ein hoher Konsum dieser Nahrungsmittel quasi an der Tagesordnung ist. Daneben bezogen die Wissenschaftler in ihre Berechnungen auch Alter, Gewicht, Rauch- und Alkoholverhalten, den Bildungsrad sowie Fragen nach der Einnahme hormoneller Präparate  und Krebserkrankungen innerhalb der Familie.

Vier Kategorien 

Differenziert wurden folgende Lebensmittel:

Kaum oder wenig verarbeitete Lebensmittel: wie Fisch, Milch, Früchte, Gemüse, Reis, Eier, Fleisch, Pasta (sowohl getrocknet, pasteurisiert, fermentiert als auch eingefroren) und andere

Verarbeitete Zutaten: Butter, Zucker, Öle, Essig, Salz und andere

Verarbeitete Lebensmittel: Käse, frisches Brot, eingesalzenes Fleisch, gesalzenes Dosengemüse und andere

Stark verarbeitete Lebensmittel: Süßigkeiten, Desserts, Limonaden, Snacks, Fertiggerichte, Fleischprodukte mit Nitritpökelsalzen und andere

Nach acht Jahren erkrankten etwa zwei Prozent, das sind 2228 Probanden, an Krebs. Repräsentativ ist diese Studie jedoch nicht, so Kritiker, weil unter anderem keine genaue Aussage darüber getroffen werden kann, ob dieser Ernährungsstil ursächlich für die Krebserkrankung ist. Denn, so heißt es, hätten sich die Erkrankten nicht nur in ihren Ernährungsgewohnheiten voneinander unterschieden, sondern rauchten mehr, tranken häufiger Alkohol und trieben weniger Sport. Grundsätzlich aber ergab die Studie, dass der Konsum von aufwändig verarbeiteten Lebensmitteln  ein höheres allgemeines Risiko für Krebs sowie für Brustkrebs nach sich zieht. Wie es heißt, würden gerade ein höherer Konsum von stark verarbeiteten Fetten, Saucen, Süßigkeiten und auch Limonaden die Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu erkranken, erhöhen. Gerade das Brustkrebs-Risiko steige durch einen erhöhten Verzehr von Limonaden.