August 2019 Lesezeit 3 Minuten


Kann eine Wiesenpflanze Leben verlängern?

Vielen Heilpflanzen wird eine Wirkung nachgesagt, und in vielen Fällen wurde dies bereits bewiesen. Nun hat eine Studie ergeben, dass der vielblütige Knöterich, eine chinesische Heilpflanze, unter anderem bei Würmern zu einem längeren Leben führen kann.

Es gibt viele unterschiedliche Arten von Knöterich. Eine von ihnen soll sich positiv auf den menschlichen Körper auswirken, so Forscher. 

Die Wurzel des Gewächses wird in der traditionellen Medizin seit Jahrhunderten eingesetzt. Eine Forschergruppe an der Grazer Universität hat herausgefunden, dass der im vielblütigen Knöterich enthaltene Pflanzenwirkstoff, das Flavonoid DMC, beschädigte Zellbestandteile eliminieren kann. Der Prozess wird Autophagie genannt, und stellt einen Zellreinigungsmechanismus auch des menschlichen Körpers dar.

Beschädigte Strukturen

Auf diese Weise werden Zellen gesund gehalten. Bei der Autophagie werden beschädigte Strukturen wie etwa Organellen und Proteine entfernt und Strukturen für neue Zellen produziert. Wenn dieser Mechanismus beeinträchtigt ist, lagern sich nutzlose Reste in der Zelle ab, was diese wiederum in ihrer Funktion beeinträchtigen soll, meinen die Grazer Forscher, die dabei auch von einen Zusammenhang mit dem Auftreten von Demenz, Atherosklerose, Diabetes und Krebs sprechen. Verantwortlich für die Zellreinigung, haben die Grazer Forscher vor einigen Jahren nachgewiesen, ist das körpereigene Spermidin. Besonders in Hungerphasen finde die Zellreinigung verstärkt statt.

DMC im Fokus

Im Rahmen der internationalen Studie wurden Flavonoide auf ihren Einfluss auf die Zellgesundheit und entsprechende Reinigungsprozesse untersucht. Dabei entdeckten die Wissenschaftler die Eigenschaft des darin enthaltenen Stoffes DMC, die Autophagie in Gang setzen zu können. Bei Würmern und anderen Organismen wie Fliegen und Hefen habe dies zu einer längeren Lebenszeit geführt. Aber auch bei menschlichen Zellkulturen habe es einen Zellreinigungseffekt gegeben.

Asiatische Medizin

Das internationale Team aus über 40 Wissenschaftlern stellte außerdem fest, dass sich DMC positiv auf das Herzgewebe von Säugetieren auswirken: Mäuse mit permanenter Ischämie wiesen weniger geschädigte Herzzellen auf, wenn sie mit DMC behandelt wurden, heißt es. Der vielblütige Knöterich ist eine Heilpflanze in der asiatischen Medizin. „Angelica keiskei“, so der wissenschaftliche Namen, stammt aus der Familie der Karottengewächse.

Zellrecycling

Wie der Mechanismus der Zellreinigung genau funktioniert, haben die Forscher noch nicht genau herausfinden können. Bekannt ist, dass normalerweise bestimmte Transkriptionsfaktoren für diesen molekularen Mechanismus verantwortlich sind. Im Fall von DMC wird davon ausgegangen, dass es sich um einen spezifischen GATA-Transkriptionsfaktor handelt, der das Zellrecycling antreibt.