Juni 2019 Lesezeit 3 Minuten


Immuntherapie soll künftig Blutkrebs besiegen

Forscher der Universität Erlangen haben sich zum Ziel gesetzt, mit einer neuen Therapieform die Behandlungsmöglichkeiten von Blutkrebs zu verbessern. Unterstützt wird das Vorhaben von der Deutschen Krebshilfe, die sich auch finanziell mit knapp 145000 Euro beteiligt. Konkret geht es bei diesem Projekt um die Bekämpfung der Akuten Lympatische Leukämie (ALL).

Eine Immuntherapie soll künftig das ungehemmte Wachstum von Krebszellen verhindern können.  

Bei dieser revolutionären Methode sollen Immunzellen, die aus dem Blut der Erkrankten gewonnen werden, künftig mit Sensoren versehen werden. Diese künstlichen „Fühler“ sollen derart programmiert werden, dass sie in der Lage sind, Tumorzellen zu entdecken und diese zu bekämpfen. Dieses Behandlungskonzept wird bereits angewendet, nur führt es bislang noch nicht dazu, dass alle Erkrankten davon profitieren. Das soll sich nun durch ein verbessertes Therapiekonzept ändern. ALL ist eine bösartige Erkrankung des Bluts und entsteht in Vorstufen der Lymphozyten. Im Kindesalter ist die Akute lymphatische Leukämie die häufigste Form von Blutkrebs, Erwachsene erkranken seltener. In der jüngeren Vergangenheit konnte die Krankheit deutlich häufiger geheilt werden als noch vor ein paar Jahrzehnten.

Entartete Zellen: Ungebremstes Wachstum

Eine erfreuliche Tendenz, die nicht zuletzt den intensiven Forschungen geschuldet ist. Bei ALL ist das blutbildende System betroffen, indem sich unreife und entartete Lymphozyten vermehren. Lymphozyten zählen zu den weißen Blutkörperchen und sind außerdem Bestandteil des Immunsystems. Während gesunde Menschen nur eine begrenzte Anzahl von Lymphozyten aufweisen, vermehren sich die entarteten Zellen völlig ungebremst. Die entstehenden Zellen, sogenannte Lymphoblasten, übernehmen keine Funktion, sondern stehen der Bildung gesunder Blutkörperchen im Wege. Sie verbreiten sich im ganzen Körper bis in die Organe, die dadurch ebenfalls Schaden nehmen. Genauso kann das Blut seine lebensnotwendigen Aufgaben - Wärmeregulation, Sauerstofftransport, Abwehr – nicht mehr erfüllen.

 Rund 1000 Betroffene pro Jahr

Unbehandelt kann diese Erkrankung deshalb schnell zum Tod führen. Ursache der ALL ist eine genetische Veränderung des Knochenmarks, die nicht angeboren ist, sondern erworben wird. Risiken für den Ausbruch der Erkrankung, so wird vermutet, sind bestimmte Formen ionisierender Strahlung und auch verschiedene chemische Substanzen, zu denen auch Inhaltsstoffe von Medikamenten gehören können (sekundäre ALL). Die genaue Ursache ist jedoch nicht bekannt. Pro Jahr erkranken in Deutschland rund 1,1 pro 100000 Menschen an ALL (das sind etwa 1000 Personen). Es sind die sogenannten T-Killerzellen, die im menschlichen Körper gefährliche Viren, Bakterien Pilze oder auch kranke Zellen aufspüren und bekämpfen. 

Sensor spürt Tumorzellen auf

Krebszellen jedoch verstecken sich häufig vor dem Immunsystem und machen sich unsichtbar, um sich ungestört und ungebremst vermehren zu können. Vor einigen Jahren bereits haben Wissenschaftler körpereigene Zellen der Immunabwehr mit dem Chimeric Antigen Receptor (CAR) infiltriert. Dabei handelt es sich um eine Art Sensor, der dazu in der Lage ist, Tumorzellen anhand spezifischer Moleküle aufzudecken.  Auf diese Weise funktioniert auch die Therapie der ALL: Die implantierten Sensoren docken an Oberflächenmoleküle von Leukämiezellen und schalten diese aus. Allerdings wirkt diese Behandlungsform nicht bei jedem Erkrankten.

Neue Forschungsansätze

Die Wissenschaftler der Erlanger Studie haben nun einen weiteren neuen Angriffspunkt entdeckt. Das sogenannte Molekül CD22, das ebenfalls zahlreich in den entarteten Leukämiezellen gefunden worden ist. Daraus ergeben sich neue Forschungsansätze für eine effizientere Immuntherapie, von der sich die Wissenschaftler versprechen, künftig einen großen Teil der Betroffenen erfolgreicher behandeln zu können.