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Hilfe für pflegende Angehörige – welche Angebote gibt es?

Wird ein nahestehender Mensch pflegebedürftig, ändert sich schlagartig auch das eigene Leben. Bedürfnisse werden hintenangestellt und neue Probleme und Erkenntnisse stellen sich Betroffenen in den Weg. Hinzu kommt noch die enorme körperliche und psychische Belastung.

Viele pflegende Angehörige geben ihren Job zumindest teilweise auf, was in den meisten Fällen wiederum finanzielle Konsequenzen bedeutet.

Früher oder später benötigt man Hilfe von Beratungsstellen – wir haben die existierenden Angebote für dich zusammengefasst.

Pflegeberatung für alle offenen Fragen

Mittlerweile gibt es vielerorts sogenannte Pflegestützpunkte. Diese wurden von Kommunen und Pflegekassen eingerichtet, um offene Fragen der Bürger zu klären und diese gegebenenfalls zu unterstützen. Um einen Pflegestützpunkt in der Nähe zu kontaktieren, gibt es bundesweite Datenbanken, in denen Anlaufstellen aufgelistet sind.

Bei einer Pflegeberatung sollte immer individuell entschieden und beraten werden, weshalb es wichtig ist, einen Hinweis auf die Möglichkeit eines individuellen Versorgungsplanes zu geben.

Es gibt außerdem auch in vielen Orten eine spezifische Senioren- oder Pflegeberatung. Hier werden vor allem örtliche Hilfsangebote vorgestellt.

Eine Übersicht über alle vorhandenen Pflegestützpunkte erhältst du unter: www.zqp.de/beratung-pflege

Telefonische Beratungsangebote

Auch telefonisch kann man eine Beratung erhalten. Unter der Nummer 030-20179131 kann man sich von Experten des Bundesministeriums Rat holen. Der Austausch kann auch per E-Mail erfolgen (info@wege-zur-pflege.de).

Ebenso gibt es ein Bürgertelefon des Bundesministeriums für Gesundheit, welches unter der Nummer 030-34060066 erreichbar ist. Hier erhält man vor allem Informationen über die Rahmenbedingungen der Pflegeversicherung.

Finanzielle Absicherung im Pflegefall

Von den Pflegekassen erhalten die Pflegebedürftigen beziehungsweise die pflegenden Angehörigen etliche Leistungen. Falls die Leistungen der Pflegekasse nicht ausreichen und der Pflegebedürftige beziehungsweise die Angehörigen die Pflege finanziell nicht stemmen können, kann Hilfe bei einem Sozialamt beantragt werden.

Bei all diesen Anträgen und Möglichkeiten können auch die Pflegestützpunkte behilflich sein.

Auch medizinische Leistungen werden finanziell durch die Krankenkasse unterstützt. Dafür muss lediglich der behandelnde Arzt eine Verordnung ausstellen. Außerdem ist es möglich, eine Zuzahlungsbefreiung für Medikamente und ähnliches von der Krankenkasse zu erhalten.

Ebenso kann man Vergünstigungen erhalten, wenn ein Schwerbehindertenausweis beantragt wird. In solchen Fällen können Steuererleichterungen, aber auch freie Fahrten mit Bus oder Bahn in Anspruch genommen werden. Hierfür ist wiederum das Versorgungsamt des jeweiligen Bundeslandes Ansprechpartner.

Entlastung durch Unterstützung bei der Pflege im Alltag

Durch die Pflegekasse können auch Angebote für die Unterstützung im Alltag angenommen werden. Selbstverständlich können diese Leistungen auch in Anspruch genommen werden, wenn diese privat gezahlt werden.

Die Pflegekasse zahlt bis zu 125 Euro für anerkannte Angebote. Dieser Betrag kann für Betreuungsangebote, aber auch zur Entlastung von den Pflegenden gezahlt werden. Diese Summe  wird allerdings nicht pauschal gezahlt, die Rechnungen dafür werden bei der zuständigen Pflegekasse eingereicht.

Diese Leistungen verfallen nicht zum Jahresende, sondern können noch bis Ende Juni des Folgejahres in Anspruch genommen werden. Auch Tages- und Nachtpflege können, genauso wie Kurzzeitpflege, über diesen Entlastungsbetrag finanziert werden.

Unterstützung bei Kurzzeitpflege

Ab dem 01. Januar 2022 wird der Betrag von bis zu 1612 Euro pro Jahr um zehn Prozent erhöht. Bei Kurzzeitpflege handelt es sich um Pflege in einer Pflegeeinrichtung, die nur von geringer Dauer ist. Diese Form der Pflege wird oft nach einem Krankenhausaufenthalt in Anspruch genommen, wenn die Zeit bis zur Aufnahme in einer Pflegeeinrichtung überbrückt werden soll.

Kurzzeitpflege kann bis zu acht Wochen in einem Kalenderjahr in Anspruch genommen werden.

Unterstützung bei Verhinderungspflege

Die Verhinderungspflege, oft auch Urlaubspflege genannt, kann bei temporärer Abwesenheit der Pflegeperson in Anspruch genommen werden. Dies kann beispielsweise durch Krankheit der Pflegeperson nötig sein, ist aber genauso bei Abwesenheit der Pflegeperson durch Urlaub möglich. Diese Leistung des SGB XI kann für maximal sechs Wochen im Jahr in Anspruch genommen werden.

Hierbei kann ein kurzer Aufenthalt in einer Pflegeeinrichtung erfolgen, es besteht aber auch die Möglichkeit, die Pflege im privaten Haushalt übernehmen zu lassen.

Professionelle Schulungen zum Thema Pflege

Viele pflegende Angehörige haben die Pflegetätigkeit nicht professionell erlernt, daher sind einige Situationen im ersten Moment schwierig oder scheinen nicht zu bewältigen zu sein. Für solche Fälle gibt es diverse kostenlose Pflegekurse, in denen die pflegenden Angehörigen Handgriffe, Vorgehensweisen, aber auch Hygienemaßnahmen oder ähnliches erlernen können.

Diese Pflegekurse werden von ausgebildeten und professionellen Pflegekräften durchgeführt. Die Angebote dafür werden oft von Wohlfahrtsverbänden, aber auch von großen Krankenhäusern organisiert.

Neben der Möglichkeit, einen solchen Kurs zu besuchen, gibt es mittlerweile auch viele Online-Angebote dazu. So können Informationen oder Demo-Videos an die Pflegepersonen weitergegeben werden.

Spezielle Kur- und Urlaubsangebote im Pflegebereich

Die Pflege von Angehörigen nimmt nicht nur viel Zeit in Anspruch, auch die seelischen und körperlichen Ressourcen werden stark in Anspruch genommen. Daher kann es sinnvoll sein, spezielle Kurangebote zu nutzen - diese können teilweise durch die Krankenkassen finanziert werden.

Bei solchen Maßnahmen können auch Pflegebedürftige teilnehmen. Besonders, wenn Verhinderungspflege nicht möglich ist, ist dies eine gute Gelegenheit, trotzdem zu verreisen. Hierbei sind die Kassen sogar in der Pflicht, die besonderen Belastungen zu berücksichtigen.

Ebenso gibt es auch spezielle Angebote bezüglich Urlaubsreisen von Wohlfahrtsverbänden und anderen Organisationen oder auch Reiseanbietern, die auf solche Angebote spezialisiert sind und professionell vermitteln können.

Hilfe durch andere Betroffene Pflegepersonen

Wie auch in vielen anderen problematischen Lebenslagen, kann eine Selbsthilfegruppe, eine Behindertenorganisation oder eine ähnliche Gruppe für Austausch und Unterstützung sorgen.

Nicht nur für Gespräche, sondern auch zum Erfahrungsaustausch oder gegenseitigem Unterstützen nutzen viele Betroffene solche Möglichkeiten.

Um die richtigen Anlaufstellen zu finden, ist oft die Kommune erster Ansprechpartner. Manchmal finden solche Treffen auch überregional statt.

Die Pflegezeit nutzen

Wenn nur vorübergehende Pflege durch den Angehörigen geleistet werden muss, weil sich die Pflegesituation mit der Zeit wieder verbessert oder eine Pflegeeinrichtung gefunden wurde, hat der Angehörige einen Anspruch auf die sogenannte Pflegezeit.

Dies gilt für einen Zeitraum von maximal sechs Monaten. In dieser Zeit hat der Angehörige keinen Anspruch auf sein Gehalt, den finanziellen Verlust kann man aber mit einem zinslosen Darlehen des Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben minimieren beziehungsweise ausgleichen.

Gerade, wenn es absehbar ist, dass sich die Situation wieder verbessert, ist dies eine gute Alternative. So muss der pflegende Angehörige nicht sofort seinen Job aufgeben, was im Hintergrund auch mehr Sicherheit für die Pflegeperson bedeutet.

Die Familienpflegezeit

Neben dem Anspruch der regulären Pflegezeit besteht ebenfalls Anspruch auf die sogenannte Familienpflegezeit.

Hierbei kann die wöchentliche Arbeitszeit auf bis zu 15 Stunden in der Woche reduziert werden. Dies gilt dann für die Dauer von maximal zwei Jahren.

Auch hier kann das zinslose Darlehen des Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben beantragt werden.

Die Familienpflegezeit ist also eine gute Lösung, wenn die Pflege nicht allzu aufwendig ist, aber gleichzeitig finanzielle Sicherheit bestehen muss.

Fazit zu Hilfsangeboten für Pflegepersonen

Wer Angehörige pflegt, ist oft auf sich allein gestellt. Doch mit vielen Hilfsangeboten und Möglichkeiten der Unterstützung wurde die Pflege durch Angehörige in den letzten Jahren deutlich angenehmer gestaltet.

Auf diese Weise können nicht nur praktische Tipps zur Pflege abgerufen werden, sondern auch Hilfe bei bürokratischen Unsicherheiten ist in Anspruch genommen werden. Des Weiteren existieren zahlreiche Angebote zur Entlastung der Pflegeperson in bestimmten Situationen.

Wenn auch du auf der Suche nach Hilfsangeboten im Pflegebereich bist, empfehlen wir dir, zunächst nach lokalen Anbietern und Beratungsstellen zu suchen und dich wenn möglich mit anderen Betroffenen zu vernetzen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden.

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