März 2020 | Lesezeit 5 Minuten


Corona-Krise: Welche Hilfe gibt es für Selbstständige?

Niemanden trifft die Corona-Krise wirtschaftlich härter als Selbstständige, die in einer der Branchen arbeiten, die aufgrund der Pandemie aktuell quasi ein „Berufsverbot“ auferlegt bekommen haben.

Dazu zählen vor allem Gastronomie und die Veranstaltungsbranche, zu spüren bekommen werden es früher oder später aber wohl alle Berufsgruppen – auch Heilberufe wie Physiotherapeuten oder Heilpraktiker, zu deren Berufsalltag der direkte Patientenkontakt gehört, müssen sich auf finanzielle Einbußen gefasst machen. 

Es ist völlig klar, dass wir in Deutschland ohne staatliche Unterstützung auf einen wirtschaftlichen Totalschaden zusteuern würden – aus diesem Grund plant die Bundesregierung aktuell unter anderem ein Hilfsprogramm von über 40 Milliarden Euro zugunsten von Kleinunternehmen und Selbstständigen – genauer gesagt für diejenigen, die noch nicht von bereits aktiven Hilfsprogrammen profitieren, aber dennoch laufende Kosten (bspw. Mieten) haben und diese aufgrund von Corona momentan nicht aufbringen können. 

Viele Selbstständige stehen aktuell vor enormen wirtschaftlichen Herausforderungen - ohne staatliche Hilfe steht bei vielen die Existenz auf dem Spiel.

Wie genau wird dieses Geld eingesetzt?

Nach aktuellen Informationen sollen 10 Milliarden Euro des Hilfspakets als Soforthilfe vergeben und die restlichen 30 Milliarden als Darlehen eingesetzt werden. 

Das Bundeskabinett hat bereits beschlossen, dass bestimmte Berufsgruppen (z.B. Musiker, Pfleger, aber auch Heilpraktiker) sowie andere selbstständig Tätige und sehr kleine Firmen für drei Monate so unbürokratisch wie möglich 9.000 bis 15.000 Euro Soforthilfe erhalten sollen. Dafür müssen sie nur glaubhaft versichern können, dass sie sich momentan in einem durch die Corona-Krise verursachten Liquiditätsengpass befinden. 

Bundesrat und Bundestag müssen dem Beschluss am Freitag, den 27.03.20 noch zustimmen. Zudem wurde in Regierungskreisen die Aussage getroffen, dass die Zuschüsse ggf. in Darlehen umgewandelt werden könnten, wenn während der Prüfung Zweifel an deren Berechtigung aufkommen sollten. 

Einzelne Bundesländer wollen noch mehr tun

Eine Reihe von Bundesländern plant, für ihre Bevölkerung noch zusätzliche Gelder zur Bekämpfung der Auswirkungen von Corona zur Verfügung zu stellen. Nordrhein-Westfalen möchte bspw. zusätzliche 25 Milliarden Euro zur Verfügung stellen – dies wäre das größte Hilfsprogramm seit Bestehen des Bundeslands. 

Im Folgenden haben wir alle bisher bekannten Hilfsprogramme einzelner Bundesländer, die für Selbstständige in Heilberufen interessant sein könnten, für Dich zusammengefasst 

Aufgrund der aktuellen Lage sind noch nicht alle Angebote fertig ausformuliert und beantragbar – wo immer möglich, haben wir die entsprechenden Websites, Dokumente oder Institutionen für Dich verlinkt: 

Baden-Württemberg: Bis zu 9.000 Euro Soforthilfe für Kleinunternehmer und Firmen mit bis zu 5 Mitarbeitern Antragsformular 

Bayern: Bis zu 5.000 Euro Soforthilfe bei Einreichung eines Antrags 

Berlin: Alle sechs Monate ist eine Auszahlung von bis zu 5.000 Euro möglich, die Antragstellung ist ab Freitag, den 27.03.20 ab 12.00 Uhr über die Berliner Investitionsbank möglich. 

Brandenburg: Soforthilfe für Unternehmer zwischen 9.000 und 60.000 Euro (richtet sich nach Anzahl der Mitarbeiter), beantragbar seit 25.03.20 

Bremen5.000 Euro Soforthilfe im stark vereinfachten Verfahren und bis zu 20.000 Euro nach intensiverer Prüfung 

Hamburg: 2.500 Euro Soforthilfe für Selbstständige 

Saarland: Soforthilfe in Höhe von 3.000 bis 10.000 Euro, sobald ein Hilfspaket auf Bundesebene beschlossen wurde 

Thüringen: Soforthilfe in Höhe von bis zu 5.000 Euro, zu beantragen über die Thüringer Aufbaubank 

Niedersachsen: Soforthilfe in Höhe von bis zu 3.000 Euro, seit 25.03.20 über die NBank zu beantragen 

Hessen: Soforthilfe in Höhe von bis zu 10.000 Euro ist geplant, aktuell aber noch nicht beantragbar 

Sachsen: Möglichkeit zur Beantragung von Krediten über das Programm „Sachsen hilft sofort“  

Die bisher geplanten Maßnahmen stoßen sowohl in Politik als auch in Verbänden auf breite Zustimmung – allerdings ist es in der jetzigen Situation noch völlig unklar, ob die Hilfen ausreichen werden. Dies hängt vor allem davon ab, wie lange die Corona-Krise noch andauern wird. 

Zweck der oben aufgeführten Maßnahmen der einzelnen Bundesländer ist es in erster Linie, Selbstständigen dabei zu helfen die Zeit zu überbrücken, bis bundesweite Maßnahmen final beschlossen wurden und greifen. Sie sind also als Ergänzung, nicht als Ersatz gedacht. 

Entschädigung bei eigenem Arbeitsausfall aufgrund von Quarantäne

Für alle Selbstständigen, die in Bundesländern wohnen, die noch keine konkreten Hilfsmaßnahmen auf den Weg gebracht haben, ist staatliche Hilfe jenseits von Krediten momentan leider nur möglich, wenn sie von einer angeordneten Quarantäne betroffen sind – des Weiteren besteht nur die Möglichkeit, die Grundsicherung oder Arbeitslosengeld zu beantragen. 

Um die Höhe der Entschädigung zu bestimmen, wird der durchschnittliche Gewinn des Vorjahres berechnet, durch 12 geteilt und monatlich ausbezahlt. Zusätzlich dazu hat man auch die Möglichkeit, einen Antrag auf Ersatz für nicht gedeckte Betriebsausgaben zu stellen, die laut Gesetzgeber „in angemessenem Umfang“ ausgeglichen werden – was das konkret bedeutet, ist momentan leider noch nicht näher definiert. 

Die Entschädigung ist innerhalb eines Zeitraums von drei Monaten zu beantragen, Grundlage für die Regelung ist § 56 des Infektionsschutzgesetzes. Als Arbeitnehmer orientiert sich die Entschädigung an der Regelung für Entgeldfortzahlung im Krankheitsfall. 

Informationen zu den jeweiligen Behörden der einzelnen Bundesländer, bei denen ein Antrag zur Entschädigung gestellt werden kann, liefert die Kassenärztliche Bundesvereinigung in ihrer Informationsschrift zum Thema. 

Kann ich als Selbstständiger Kurzarbeit anmelden?

Mit Kurzarbeit soll sichergestellt werden, dass mindestens 60 Prozent des regulären Einkommens gesichert werden – leider ist es als Selbstständiger nicht möglich, diese Regelung für sich selbst in Anspruch zu nehmen. 

Nur wenn man selbst Mitarbeiter beschäftigt kann man davon profitieren, indem man für seine Angestellten Kurzarbeit anmeldet – für die meisten Betriebe wird dies die wirtschaftliche Situation allerdings nur geringfügig verbessern, vor allem, wenn weiterhin Fixkosten wie bspw. die Miete für Geschäftsräume bezahlt werden müssen. 

Es bleibt nur zu hoffen, dass die Bundesregierung die Gesetzeslage im Angesicht der aktuellen Krise noch einmal neu prüft und entsprechende Regelungen zur Kurzarbeit in Zukunft auch für selbstständige Unternehmer greifen. 

Ist ein Kredit die Lösung?

Um eine Liquiditätskrise zu überbrücken, kann kurzfristig gesehen ein günstiger Kredit eine gute Lösung sein – vorausgesetzt, er wird schnell bewilligt. Dies ist bei den meisten Banken allerdings nicht der Fall. Auch die staatlichen Kredite, die über die KfW-Bank laufen und eigens für die Corona-Krise entwickelt wurden, haben aktuell noch eine Bearbeitungszeit von mindestens zwei bis drei Wochen 

Bei nicht-staatlichen Krediten besteht momentan natürlich auch das Problem, dass auch die Banken kein zu großes Risiko eingehen wollen, indem sie Unternehmern Geld leihen, die aktuell um ihre wirtschaftliche Existenz kämpfen müssen. 

Auch wenn die Möglichkeit besteht, schnell an einen günstigen Kredit zu kommen, ist nicht jedem dazu zu raten. Sinn macht dies nur, wenn für die Zeit nach der Corona-Krise hohe Gewinne zu erwarten sind. Sind diese auch vor der aktuellen Situation eher gering ausgefallen, ist von einer Verschuldung durch einen Kredit abzuraten, da dies die finanziellen Probleme nur in die Zukunft verschiebt und im Endeffekt sogar noch vergrößert. 

Was kannst Du noch tun, um Dein Geschäft zu retten?

Zugegeben, die wenigsten Unternehmer schauen momentan optimistisch in die Zukunft, dennoch ist Aufgeben keine Option. Auch wenn es nach einer Phrase klingt: In der jetzigen Situation ist Kreativität gefragt. 

Deshalb solltest Du in Dich gehen und überlegen, auf welche Art und Weise Du Umsatz generieren kannst, auch wenn Dein eigentliches Tagesgeschäft für die nächsten Wochen und Monate teilweise oder komplett weggebrochen ist.  

Viele Menschen nutzen dafür derzeit das Internet. Auch als Physiotherapeut oder Heilpraktiker kannst Du beispielsweise versuchen, Deine Praxis zu digitalisieren – so wäre es beispielsweise denkbar, deine Sprechstunden über Videokonferenzen durchzuführen (hier gibt es einige kostenlose Anbieter, z.B. Skype) oder telefonische Beratung anzubieten. 

Auch Online-Kurse zu Deinen beruflichen Spezialgebieten wären eine denkbare Option – als Physiotherapeut könntest Du beispielsweise Videos drehen, in denen Du Übungen für zu Hause zeigst, um während der häuslichen Isolation fit zu bleiben, oder du erstellst und verkaufst Trainingspläne online. 

Dies sind nur zwei mögliche Optionen – was Du konkret tun kannst, hängt maßgeblich von Deinen Fähigkeiten und Spezialgebieten ab. Solltest Du bisher wenig Erfahrung im digitalen Bereich haben, solltest Du nicht davor zurückschrecken, Dir Hilfe bei Bekannten, Freunden oder Familienmitgliedern zu suchen. 

Auch wir von Was-heilt.de haben jahrelange Erfahrung mit der Konzeptionierung und Vermarktung von digitalen Produkten und beraten Dich gerne. 

Die Welt wird nicht untergehen

Auch wenn es uns im Moment nicht so vorkommt, sollte man sich eines vor Augen halten: Die Krise wird vorübergehen.  

Ohne Frage, jeder von uns steht momentan sowohl beruflich als auch privat vor großen Herausforderungen, allerdings ist das Beste, was wir momentan tun können, die Krise auch als Chance zu sehen – vielleicht, um sich selbst neu zu erfinden. 

Zudem dürfen wir nicht vergessen, dass das Wichtigste bei alledem nicht unser Kontostand ist, sondern dass wir selbst und unsere Mitbürger unsere Gesundheit schützen und hierfür auch bereit dazu sind, uns einzuschränken. 

Nur wenn wir uns an die vorgegebenen Kontaktverbote und Hygienemaßnahmen halten, können wir noch schlimmere Szenarien verhindern. 

In diesem Sinne wünschen wir Dir für die kommenden Wochen nur das Beste – und dass Du schnell Deinen persönlichen Weg findest, um so gut wie möglich mit dieser schwierigen Situation klarzukommen. 

Bleib gesund und halte durch. 

 

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