Praxiswissen Hygiene


Händedesinfektion – Effektive Maßnahmen zum Schutz vor Erregern

Gerade zu Zeiten der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus ist eine angemessene Händehygiene äußerst wichtig. Dazu zählt insbesondere auch die richtige Händedesinfektion, mit der man Infektionsketten effektiv unterbrechen kann.

80% aller Infektionen von Mensch zu Mensch werden über die Hände übertragen – angesichts von rund 30.000 daraus resultierenden Todesfällen jedes Jahr allein in Deutschland kann eine ordnungsgemäß durchgeführte Händedesinfektion daher buchstäblich Leben retten. 

Im folgenden Artikel erklären wir Dir im Detail, was Du dabei alles beachten musst.

Eine richtig durchgeführte Händedesinfektion bietet einen effektiven Schutz gegen Erreger.

Während die hygienische Händedesinfektion im privaten Bereich in der Regel nur in Sonderfällen nötig ist, bspw. durch die aktuelle Verbreitung des neuartigen Coronavirus, ist sie im medizinischen Bereich dauerhaft von sehr großer Bedeutung, um seine Patienten, sein Personal und sich selbst zu schützen. 

Unter dem Motto „Fight antibiotic resistance – it´s in your hands“ fordert auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) alle im medizinischen Bereich tätigen Personen dazu auf, die eigenen Hände in bestimmten Situationen immer zu desinfizieren, um die Verbreitung von schädlichen Erregern zu verhindern.

Der Hintergrund ist folgender: Die Überlebensdauer von Viren auf der menschlichen Haut liegt zwischen zehn Minuten bis hin zu mehreren Stunden, Hefepilze und Bakterien überdauern meistens ein bis zwei Stunden, teilweise auch länger. Eine korrekt durchgeführte Händedesinfektion tötet all diese Erreger durch die Zerstörung der transienten Hautflora in weniger als 15 Sekunden ab.

Wann sollte man eine Desinfektion der Hände durchführen?

Laut WHO ist eine Desinfektion der Hände in fünf Situationen, den sog. „Five Moments“ ausnahmslos immer durchzuführen:

  1. Vor der Durchführung aseptischer Tätigkeiten (hierzu zählen bspw. Kontakt mit offenen Wunden während der Behandlung, invasive Eingriffe, der Kontakt mit Schleimhäuten oder Zahnpflege)

  2. Vor direktem Patientenkontakt (dies gilt vor allem für den Kontakt mit geschwächten, erkrankten oder besonders infektionsgefährdeten Patienten, bspw. beim Waschen, physiotherapeutischen Behandlungen oder Blutdruckmessen)

  3. Nach direktem Patientenkontakt, da jede Person potenziell infektiös sein kann

  4. Nach Kontakt mit der unmittelbaren Umgebung von Patienten (bspw. beim Kontakt mit persönlichen Gegenständen, dem Wechsel der Bettwäsche oder der Reinigung sanitärer Einrichtungen wie Waschbecken oder Toilette)

  5. Nach Kontakt mit potenziell infektiösem Material, bspw. Körperflüssigkeiten wie Blut oder Speichel

Für die Durchführung der meisten dieser Tätigkeiten sollten (sterile) Einmalhandschuhe getragen werden. Auch hier ist es sehr wichtig darauf zu achten, dass eine hygienische Desinfektion der Hände sowohl vor dem Anziehen als auch nach dem Ausziehen der Handschuhe durchgeführt wird.

Wieso vorher?

Auch qualitativ hochwertige Handschuhe bieten nie zu 100 Prozent Schutz. Durch mikroskopisch kleine Risse können Krankheitserreger von den eigenen Händen auf den Patienten übertragen werden.

Wieso danach?

Auch umgekehrt ist es möglich, dass die Übertragung von Erregern durch Risse im Einmalhandschuh vom Patienten auf die behandelnde Person stattfindet. Des Weiteren kommt es oft vor, dass die Hände beim Ablegen der Handschuhe kontaminiert werden.

Wie genau sollte man eine Desinfektion der Hände durchführen?

Im Folgenden haben wir die wichtigsten Informationen zur korrekten Anwendung von Händedesinfektionsmittel zusammengefasst:

  • Immer nur trockene Hände desinfizieren
  • Die Gebrauchsanweisung des Herstellers beachten
  • Die vorgeschriebene Einwirkzeit einhalten
  • Die kompletten Hände benetzen (hier auch auf ausreichende Anwendung zwischen den Fingern und an den Fingernägeln achten)
  • Die richtige Konzentration verwenden (alkoholische Desinfektionsmittel für die Hände sind in der Regel gebrauchsfertig und sollten daher keinesfalls mit Wasser verdünnt werden)

Generell sollte darauf geachtet werden, dass das Waschen der Hände mit Wasser und Seife nur bei sichtbarer Verschmutzung der Haut durchgeführt werden sollte und ansonsten immer nur eine hygienische Händedesinfektion erfolgt, da das klassische Händewaschen weniger effektiv ist, der Haut auf Dauer mehr schadet und Erregern bei z.B. poröser Haut, die durch zu häufiges Händewaschen verursacht wird, weitere Angriffsflächen bietet. 

Was ist die richtige Technik zur Desinfektion der Hände?

Die folgenden Schritte nach DIN EN 1500 sollten 30 Sekunden lang durchgeführt und bei Bedarf wiederholt werden. Bei konkretem Verdacht auf Virenbefall sollten die Hände mindestens 60 Sekunden lang desinfiziert werden. Die Hände sind während des gesamten Vorgangs feucht zu halten, in der Regel sollte man für eine Händedesinfektion zwischen drei und fünf Milliliter Desinfektionsmittel auf die trockenen Hände gegeben werden, falls nötig kann man auch jederzeit mehr verwenden.

Der technische Ablauf sieht folgendermaßen aus:

  1. Das Desinfektionsmittel großzügig und gründlich zwischen den Handflächen verreiben und dabei auch die Handgelenke berücksichtigen
  2. Mit den Handflächen über die Handrücken und in die Zwischenräume der Finger reiben
  3. Erneut Handflächen aneinander reiben und das Desinfektionsmittel dabei noch einmal von der anderen Seite aus in den Fingerzwischenräumen verteilen
  4. Die Außenseiten der Finger aneinander reiben
  5. Die Daumen in den Handflächen reiben
  6. Die Fingerkuppen in den Handflächen reiben

Eine visuelle Darstellung des Ablaufs der Händedesinfektion kannan dieser Stelle kostenlos heruntergeladen werden und steht auch zum Ausdrucken zur Verfügung. Es bietet sich an, diesen in den eigenen Behandlungsräumen aufzuhängen – am besten in der Nähe des Desinfektionsmittelspenders. 

Was ist bei der Desinfektion der Hände noch zu beachten?

Die Hände sollten gepflegt und glatt sein – das Bedeutet auch Vorsicht bei Wunden oder poröser Haut. Die Fingernägel müssen kurz geschnitten sein und sollten die Fingerkuppen nicht überragen. 

Nagellack darf nicht getragen werden, da ab einem gewissen Alter der Lackschicht keine vollständige Desinfektion dieser Flächen mehr möglich ist. Ebenso wenig dürfen künstliche Fingernägel getragen werden, weil sich mit der Zeit ein Biofilm im Bereich zwischen echtem und falschem Nagel bildet, den das Desinfektionsmittel nicht erreicht.

Außerdem sollte das Tragen von Schmuck an Händen und Unterarmen vermieden werden (bspw. Ringe, Armbänder oder auch Uhren), da sie eine umfassende Desinfektion zusätzlich erschweren.

Welche Desinfektionsmittel solltest Du verwenden und welche Unterschiede gibt es?

Die benötigte mikrobiologische Wirksamkeit von Mitteln zur Desinfektion der Hände hängt vom jeweiligen Einsatzbereich ab und sollte vor der Aufnahme von Behandlungstätigkeiten durch die verantwortliche(n) Persone(n) in Form einer Risikoanalyse festgelegt werden. 

In jedem Fall sollte ein Desinfektionsmittel gegen Bakterien (bakterizid) und Hefepilze (levurozid) wirksam sein.

Beim Kontakt mit Patienten, die an einer Viruserkrankung leiden, sollte das verwendete Präparat außerdem Wirksamkeit gegen bestimmte Viren besitzen. Für Desinfektionsmittel existieren hier verschiedene Einstufungen:

  1. Begrenzt viruzid: Wirksam gegen bspw. HIV, HBV, HCV, RSV, CMV, Herpes-,     Influenza, Tollwut-, Mumps-, Masern- oder Rötelviren.
  2. Begrenzt viruzid plus: Wirksam gegen bspw. Noro-, Adeno- oder Rotaviren.
  3. Viruzid: Wirksam gegen bspw. Parvo-B-19-, Picorna-, Boca- oder Hepatitis-A-Viren.

Je nachdem, welche Behandlungen in Deiner Einrichtung vorgenommen werden, solltest du ggf. mehrere Desinfektionsmittel mit verschiedenen Wirksamkeitsstufen vorrätig haben. 

Nach der Behandlung von Patienten mit (Verdacht auf) Viruserkrankungen oder dem Kontakt mit potenziell virushaltigem Material sollte das Mittel zur Händedesinfektion an die erwartete Virusspezies angepasst werden. 

Einen guten und detaillierten Überblick über geeignete und geprüfte Präparate liefert die Desinfektionsmittelliste des Verbunds für angewandte Hygiene (VAH), die jährlich aktualisiert wird – hier werden ausschließlich Mittel aufgenommen, die den strengen Prüfanforderungen der VAH entsprechen und auch europäische Normen und die Vorgaben der DVV/RKI Leitlinie für den Nachweis von Viruzidie erfüllen. 

Fazit zur Händedesinfektion im medizinischen und privaten Bereich

Gerade in Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen sollte die Händedesinfektion auf gar keinen Fall vernachlässigt werden, da dies die Gesundheit Deiner Patienten oder Deines Personals gefährden könnte. 

Auch umgekehrt sollte darauf geachtet werden, dass Patienten oder Besucher solcher Einrichtungen die Desinfektion ihrer Hände ernst nehmen und sollte diese Personen auch falls nötig darauf hinweisen.

In jeder medizinischen Einrichtung muss sichergestellt werden, dass die Notwendigkeit für die Händedesinfektion allen Personen innerhalb der Organisation bekannt ist und die Umsetzung als selbstverständlich wahrgenommen wird.

Auch im häuslichen oder öffentlichen Bereich (z.B. in Behörden und Verwaltungsgebäuden) kann die regelmäßige Desinfektion der Hände durchaus sinnvoll sein – z.B. in der kalten Jahreszeit, wenn Influenza-Viren auf dem Vormarsch sind, oder in Ausnahmesituationen wie der aktuellen Pandemie, die durch das neuartige Coronavirus ausgelöst wurde.

Öffentlich zugängliche Spender mit Desinfektionsmitteln, wie sie beispielsweise in Sanitären Einrichtungen öffentlicher Gebäude zu finden sind, sollten daher bei jeder Gelegenheit genutzt werden.

Eine regelmäßige Desinfektion der Hände kann im privaten Bereich ebenfalls sinnvoll sein, wenn sich Familienangehörige in der häuslichen Pflege befinden und man Tätigkeiten wie bspw. Verbandswechsel vornimmt, bei denen eine erhöhte Infektionsgefahr besteht.

Auch bei der Infektion mit Rhinoviren (dem klassischen Schnupfen) oder Noroviren (Brech-Durchfall) innerhalb der Familie kann durch eine gewissenhafte Händedesinfektion die Erkrankung weiterer Familienmitglieder verhindert werden.

Wir hoffen, dass wir mit diesem Artikel alle Fragen zum Thema hygienischer Händedesinfektion zufriedenstellend beantworten konnten. Wenn Du Dich für das Thema Hygiene interessierst, findest du in unserem Blog einige weitere spannende Artikel zum Thema, z.B. zur korrekten Erstellung eines Hygieneplans. 

Abschließend können wir vor allem denjenigen, die im Bereich Gesundheit und Pflege arbeiten nur dazu raten, das Thema Händedesinfektion sehr ernst zu nehmen. Wenn diese regelmäßig in allen kritischen Situationen durchgeführt wird, kann ein Großteil aller Infektionen mit Krankheitserregern vermieden werden. 

Auch im privaten Bereich ist es ratsam, Desinfektionsmittel in angemessener Menge vorrätig zu haben – es muss nicht zwingend nur bei gefährlichen Epidemien und Pandemien zum Einsatz kommen, sondern kann genauso gut dazu genutzt werden, im Herbst und Winter einer lästigen Erkältung zu entgehen.

In diesem Sinne – bleib gesund.


Du interessierst Dich für Themen rund um den Bereich Gesundheit und Heilberufe? Abonniere jetzt unseren Newsletter und wir versorgen dich regelmäßig und kostenlos mit aktuellen und spannenden Artikeln – hier geht´s zur Anmeldung!

Ich möchte kostenlos und unverbindlich den was-heilt Info-Newsletter erhalten und stimme der Verarbeitung meiner Daten gemäß Datenschutzerklärung zu. Ich kann diesen Wunsch jederzeit widerrufen.

Neuste Beiträge:

Der Vagusnerv: Ein wirksames Werkzeug zur Stressbewältigung

Die medizinische Wirkung von Cannabidiol (CBD)

Hämorrhoiden; Ein Volksleiden, über das geschwiegen wird

Newsletter 200327

Corona-Krise: Welche Hilfen gibt es für Selbstständige?

Stressbewältigung in Zeiten von Corona


Derzeit beliebt:


Immer bestens informiert:

Ich möchte kostenlos und unverbindlich den was-heilt Info-Newsletter erhalten und stimme der Verarbeitung meiner Daten gemäß Datenschutzerklärung zu. Ich kann diesen Wunsch jederzeit widerrufen.

Empfohlene Artikel: