September 2019 Lesezeit 5 Minuten


Gutartige Prostatavergrößerung lässt sich oft medikamentös behandeln

Die Prostata kann nicht nur wegen eines Tumors vergrößert sein – die Vorstehergröße kann auch anwachsen, ohne dass eine bösartige Erkrankung besteht. In diesem Fall sprechen Mediziner von einer gutartigen Prostatavergrößerung oder auch von benigner Prostatahyperplasie. Zwar findet auch hier wie bei einer Krebserkrankung ein Ansteigen der Zellzahl statt, welches jedoch nicht auf andere Organe oder Strukturen übergreift. Außerdem entarten diese Zellen nicht. Anders als bei Prostatakrebs bilden sich demzufolge auch keine Metastasen. Allerdings kann eine gutartige Prostatavergrößerung zu Problemen führen. Bei etwa jedem zweiten Mann zwischen 50 und 60 Jahren  ist die Vorsteherdrüse vergrößert. Mit zunehmendem Alter erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Beschwerden kommt.

Bei etwa jedem zweiten Mann zwischen 50 und 60 Jahren ist die Prostata gutartig vergrößert.  

Betroffen sind in erster Linie die Zellen des Muskel- und des Bindegewebes zwischen den verschiedenen Drüsen rund um die Vorsteherdrüse. Auch die Zellen der  Prostata selbst können sich deutlich vermehren, was im Laufe der Zeit zu einer Volumenvermehrung führt. Grund dafür ist nach Meinung der Mediziner, dass der natürliche Zelltod im Alter langsamer abläuft als in jüngeren Jahren und sich dadurch vermehrt Zellen anhäufen. Dabei nehmen die Zellen zahlenmäßig lediglich in der sogenannten periurethralen Mantelzone zu. Das hat zur Folge, dass die Außenzone der Prostata nach und nach eingeengt wird und Beschwerden auftreten. Diese sind sehr unterschiedlich und können sich auf den gesamten Urogenitaltrakt ausweiten.

Hormone spielen eine wesentliche Rolle

Warum die Prostata mit zunehmendem Alter an Volumen zunimmt, ist noch nicht genau geklärt. Sicher ist, dass die Hormone eine Rolle spielen. Insbesondere das männliche Geschlechtshormon Testosteron steht in Zusammenhang mit einer benignen Prostatahyperplasie: Dieser Botenstoff muss vom Körper produziert werden. Fehlt er, wie etwa nach einer Kastration, kann keine Vergrößerung der Vorsteherdrüse auftreten.  Offenbar steht dieses Hormon im reiferen Altern in Zusammenhang mit der Ausbildung einer Volumenzunahme der Prostata, wie genau dieser Prozess jedoch abläuft, konnte bisher noch nicht beantwortet werden. Im Fokus der Forschung steht dabei unter anderem das Enzym 5α-Reduktase.

Zellstrukturen verändern sich mit zunehmendem Alter

Dieses wird benötigt, um in den Zellen der Vorsteherdrüse das Testosteron in Dihydrotestosteron (DHT) zu verwandeln. DHT wiederum ist nach Auffassung der Mediziner an der Ausbildung einer benignen Prostatavergrößerung beteiligt. Gleichzeitig  haben offenbar weibliche Geschlechtshormone Einfluss auf die Volumenzunahme der Vorsteherdrüse. In diesem Fall sind es die Östrogene, die die Mediziner im Blick haben: In jedem männlichen Körper existiert auch eine geringe Menge des weiblichen Geschlechtshormons. Da der Testosteronspiegel im Alter abnimmt, verändert sich das Verhältnis der Hormone zueinander, was die Bildung einer Prostatahyperplasie begünstigen kann. Ein weiterer Faktor, der ebenfalls für eine Vergrößerung zur Debatte steht, sind Veränderungen, die sich innerhalb der zellulären Matrix, also in den Strukturen in den Zellzwischenräumen, abspielen.  Diese Veränderung, so wird vermutet, könnte möglicherweise ebenfalls dafür sorgen, dass die für die Prostatahyperplasie typische Zellvermehrung auftritt.

Typische Symptome

Die Symptome der benignen Prostatahyperplasie hängen von der Größe der Vorsteherdrüse ab, denn eine Volumenzunahme führt häufig dazu, dass sie auf die Blase und Harnröhre drückt. Deshalb ist der Harndrang besonders in der Nacht häufiger. Meistens dauert es eine Zeit, bis der Urin zu laufen beginnt. Dabei ist der Harnstrahl meist deutlicher schwächer. Insgesamt dauert das Wasserlassen bei einer Hyperplasie deutlich länger, häufig bemerken die Betroffenen auch ein Nachtropfen von Urin und haben das Gefühl, dass die Blase nach dem Toilettengang nicht richtig leer ist. Um Einschätzungen über den Schweregrad abgeben zu können, werden die Symptome nach dem sogenannten IPSS (International Prostate Symptom Score) in verschiedene Stadien eingeteilt. Dazu muss der Patient verschiedene Fragen des Arztes mithilfe einer Skala beantworten (zum Beispiel wie häufig er nachts zur Toilette muss).

Umfassende Untersuchungen

Die Auswertung gibt dann Aufschluss über den Schweregrad. Eine Diagnose kann der Arzt mit diesem Verfahren jedoch nicht treffen. Dazu ist in den meisten Fällen eine digitale-rektale Untersuchung erforderlich. Durch Austasten der Prostata durch den Mastdarm kann der Arzt eine Hyperplasie ab einem gewissen Stadium vermuten. Hinzu kommen verschiedene körperliche Untersuchungen wie die Prüfung verschiedener Reflexe, die Funktion des Schließmuskels und andere. Außerdem wird der Urin auf Infektionen untersucht und per Blut bestimmte Parameter bestimmt, um ein Prostatakarzinom ausschließen zu können. Wichtig ist außerdem eine Ultraschalluntersuchung, mit der Erkenntnisse über die Restharnmenge, den Zustand der Blase und die Prostatagröße gewonnen werden können. Weiteres Instrument der Diagnostik ist die Harnstrahlmessung, um den Harnfluss auf Veränderungen zu untersuchen: Der Urin fließt bei einer Hyperplasie deshalb häufig langsamer, weil die Prostata die Harnröhre einengt. Jedoch gibt es noch weitere Untersuchungsmethoden, um medizinische Fragen rund um die Vergrößerung der Vorsteherdrüse beantworten zu können.

Behandlung nur bei Beschwerden

Behandelt wird eine gutartige Prostatavergrößerung normalerweise nur dann, wenn sie Beschwerden macht. Zunächst sind es Medikamente, die zur Anwendung kommen. In manchen Fällen ist auch eine Operation angezeigt. Meistens dann, wenn sich die Beschwerden mithilfe von Medikamenten nicht mehr beseitigen oder lindern lassen, oder es zu Komplikationen kommt.  Als Medikamente kommen Pflanzenpräparate, α1-Adrenozeptorantagonisten, 5-α-Reduktasehemmer oder Phosphodiesterasehemmer und Anticholinergika in Frage, je nachdem, wie stark die Beschwerden sind. Muss die Vergrößeung operativ beseitigt werden, kommen ebenfalls verschiedene Methoden zur Anwendung.

Neuste Beiträge:

Hilft hochwertiges CBD-Öl bei Diabetes?

Essstörungen – im Zeichen der Zeit

Wie Nanopartikel bei Krebs helfen können

Facettenreiches Organ: Die Schilddrüse

Arthrose: Vielfältige Behandlungsmethoden sollen Schmerzen lindern helfen

Krebs in reicheren Ländern Todesursache Nummer 1


Derzeit beliebt:


Immer bestens informiert:

Empfohlene Artikel: