Ju​li 2019 Lesezeit 4 Minuten


Krebsforschung: Neuartiger Mechanismus tötet Tumorzellen

Wissenschaftler aus Bonn um den Professor für chemische Biologie, Günter Mayer haben einen neuen Wirkstoff gefunden, der Krebszellen abtötet. Bisher wurde dieser Erfolg ausschließlich durch Laborversuche erzielt. Jetzt wollen die Forscher untersuchen, ob diese Reaktion auch an lebendem Körper auftritt. Genau genommen handelt es sich bei diesem Wirkstoff um einen Mechanismus, der bei einem spezifischen Proteinkomplex einsetzbar ist.

Bonner Wissenschaftler haben einen Mechanismus entdeckt, der Krebszellen abtötet. 

Dieser Mechanismus wurde auf der Oberfläche von Non-Hodgkin-Lymphomen gefunden. In Experimenten konnten die Fachleute eine Reaktion dieses Proteins auslösen, die dazu führte, dass Tumorzellen abstarben. Über die Gründe haben die Bonner Forscher noch keine Erkenntnisse. Dafür aber haben sie entsprechende Aptamere gefunden, die diese Reaktion auf der Oberfläche der Krebszellen auslösen. Aptamere sind DNA-Sequenzen, die sich zu verschiedenen Formen falten können. Für diese unterschiedliche Formung sind die Nukleotide der jeweiligen Zellen verantwortlich. 

Schlüssel-Schloss-Prinzip

Eines dieser Aptamere mit dem Namen C10.36, so haben die Wissenschaftler herausgefunden, passt nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip genau zu dem Proteinkomplex auf den Zellen des Non-Hodgkin-Lymphoms. Dadurch wird offenbar ein Mechanismus in Gang gesetzt, der beide, Proteine sowie das Aptamer, in das Zellinnere transportiert. So ist es mithilfe dieser DNA-Sequenz möglich, ins Innere der Zelle vorzudringen. Dort ist der Proteinkomplex, der ursprünglich auf der Zelloberfläche angesiedelt war, schließlich in der Lage, durch weitere sogenannte Splicing-Proteine die Erbinformationen der Krebszellen an verschiedenen Stellen zu durchtrennen, Abschnitte herauszulösen und die DNA neu zusammenzufügen. Das Splicing,schlussfolgern die Forscher, scheint die Krebszelle derart beschädigen zu können, so dass diese kurz darauf stirbt.  

Eine Billiarde Aptamere im Test 

Seit 2006 sind die Bonner Forscher bereits auf der Suche nach einer Zellsubstanz, an die sich ein Tumormarker anheften könnte. Zu diesem Zweck hatten sie zunächst eine Billiarde Aptamere mit unterschiedlichsten Gen-Informationen getestet, indem sie diese mit Tumorzellen verbanden. Alle Aptamere, bei denen sich keine Reaktion zeigte, wurden aussortiert. Die restlichen, die sich an Krebszellen anhefteten, wurden genauer untersucht.

Untersuchungen dauern an

Warum ausgerechnet eine Tumorzelle mit einem Oberflächenprotein ausgestattet ist, das in der Lage ist, die Zelle zu vernichten,  soll nun Gegenstand weiterer Forschungen sein. Ob Aptamere für die Behandlung von Krebs in einem lebenden Körper geeignet sind, sollen ebenfalls weitere Untersuchungen ergeben. 

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