November 2019 Lesezeit 5 Minuten


Facettenreiches Organ: Die Schilddrüse

Die Schilddrüse steuert wichtige Prozesse im Körper des Menschen, Erkrankungen der schmetterlingsförmigen Drüse sind nicht selten. Diese reichen von einer Schilddrüsenvergrößerung über Funktionsstörungen bis hin zu Krebs. Doch auch Autoimmunerkrankungen stehen mit dem Organ in Verbindung. Eine häufige Erkrankung ist die Vergrößerung der Schilddrüse. Entweder ist davon das gesamte Organ betroffen oder nur Teile. Hier wird zwischen sogenannten kalten und heißen Knoten unterschieden: Während die heißen Knoten in Zusammenhang mit dem Hirnanhangdrüsenhormon TSH stehen und so gut wie immer gutartig sind, sind kalte Knoten Produkt einer Gewebevermehrung ohne Hormoneinfluss. In ungefähr fünf Prozent der Fälle liegt hier Schilddrüsenkrebs vor. Heiße Knoten werden auch als autonome Adenome bezeichnet. Entdeckt werden sie durch eine szintigraphische Untersuchung, bei der radioaktives Jod verabreicht wird. Mehr als die Hälfte aller Schilddrüsenüberfunktionen sind auf heiße Knoten zurückzuführen. Die kalten Knoten hingegen sind inaktiv und können auf Narben, Zysten oder Verkalkungen zurückgehen.

Die Schilddrüse des Menschen ist paarig angelegt und hat die Form eines Schmetterlings. 

Damit die Schilddrüse optimal arbeiten kann, laufen im Gehirn komplizierte Vorgänge ab: Für die Steuerung sind dort zwei Bereiche, die Hypophyse und der Hypothalamus, zuständig. Die Hypophyse prüft die Menge der Schilddrüsenhormone verantwortlich. Durch Botenstoffe an die Hirnanhangdrüse reguliert  eine verstärkte oder Verminderte Abgabe des TSH (Thyreoidea stimulierendes Hormon). Andersherum steuert auch der Hypothalamus die Hypophyse über das Hormon TRH (Thyreotropin- releasing-Hormon). Es gibt jedoch auch Autoimmunerkrankungen, die Auswirkungen auf die Schilddrüse haben und eine Entzündung des Organs verursachen: Die Hashimoto-Thyreoiditis und der Morbus Basedow. Bei der Hashimoto-Thyreoiditis kommt es zunächst zu einer Schilddrüsenüberfunktion. Im Verlauf der Erkrankung wird mehr und mehr Drüsengewebe zerstört. Am Ende steht eine dauerhafte Unterfunktion. Beim Morbus Basedow spielt immer eine Überfunktion eine Rolle.

Symptome der Über- und Unterfunktion

Die Symptome einer Über-, beziehungsweise Unterfunktion sind grundverschieden.

Bei der Überfunktion, bei der zu viele Hormone im Körper ausgeschüttet werden und der Stoffwechsel stark angeregt wird, stehen folgende Symptome im Vordergrund:

  • - Starkes Schwitzen
  • - Warme Haut
  • - Bluthochdruck
  • - Gewichtsverlust ohne Grund
  • - Wärmeintoleranz
  • - Herzklopfen
  • - Schneller Puls
  • - Häufiger Stuhlgang (oft durchfallartig)
  • - Innere Anspannung
  • - Zittern
  • - Nervosität
  • - Durst
  •  -Verringerte Konzentration
  • - Körperlicher Leistungsabfall
  • - Schlafstörungen
  • - Potenzprobleme
  • - Regelstörungen

In Mitleidenschaft gezogen sind hier vor allen Dingen das Herz und der Kreislauf. Deshalb birgt die Schilddrüsenüberfunktion die Gefahr für Vorhofflimmern und Herzrhythmusstörungen. Letztlich kann es wegen der andauernden Überlastung auch zu einer Herzschwäche kommen. Ganz anders verlaufen die Symptome bei einer Unterfunktion, bei der der Körper mit zu wenig Hormonen versorgt wird und Körperfunktionen verlangsamt ablaufen. Die Unterfunktion kann nicht nur auf die entsprechenden Autoimmunerkrankungen zurückgeführt werden, sondern auch das Ergebnis von Operationen, einer Behandlung mit Radiojod oder ganz einfach angeboren sein.

Hier stehen meistens diese Symptome im Vordergrund:

  • - Antriebsschwäche
  • - Verstärkte Müdigkeit
  • - Empfindlichkeit gegen Kälte
  • - Kognitive Probleme, Konzentrationsschwäche
  • - verringerte Leistungsfähigkeit
  • - Wassereinlagerungen
  • - Verlangsamter Puls
  • - Gewichtszunahme ohne Grund
  • - raue Stimme
  • - trockene, kalte Haut
  • - Verstopfung
  • - sexuelle Probleme, Unfruchtbarkeit

Bei älteren Menschen kommt eine mäßig ausgeprägte Schulddrüsenunterfunktion häufiger vor, doch auch diese kann zu Gesundheitsgefährdungen führen. Insbesondere besteht das Risiko eines Anstiegs der Blutfettwerte. Das bedeutet, dass sich vermehrt Ablagerungen in den Gefäßen bilden können, was wiederum mit Folgeerkrankungen wie Schlaganfällen oder Herzinfarkten verbunden ist.

Weitere Erkrankungen der Schilddrüse:

Schilddrüsenkrebs: Diese Krebsform, eine in Deutschland vergleichsweise seltene Erkrankung,  kann alle Teile der Schilddrüse betreffen. Dabei unterscheiden die Mediziner drei verschiedene Tumorarten - das papilläre und follikuläre Karzinom, das medulläre und undifferenzierte Karzinome. Hinzu kommen verschiedene Karzinome, die nicht von der Schilddrüse ausgehen, sondern ihren Ursprung im lymphatischen Gewebe oder Bindegewebe haben (Lymphome und Sarkome). Papilläre Karzinome sind mit rund 50 Prozent die häufigsten Tumore der Schilddrüse und entwickeln sich meist im Alter zwischen 40 bis 50 Jahren. Es folgen die follikulären Karzinome (20 bis 30 Prozent), die sehr oft in Jodmangelgebieten auftreten (Erkrankungsalter meist im fünften Lebensjahrzehnt). Deutlich seltener sind die medullären (C-Zell-)Karzinome mit  fünf bis zehn Prozent – ebenso wie die undifferenzierten Tumore. Die Heilungschancen sind meistens gut, wenn der Krebs rechtzeitig entdeckt wird.

Hashimoto-Thyreoiditis: Die Erkrankung beschreibt eine chronische Entzündung der Schilddrüse, die dadurch entsteht, dass sich das körpereigene Immunsystem gegen bestimmte Eiweiße richtet. Im Verlauf der Erkrankung werden die Schilddrüsenzellen nach und nach zerstört. Nach einer Phase der Überfunktion kommt es später zu einer dauerhaften Unterfunktion, die einer lebenslangen Einnahme von Medikamenten bedarf. Meistens läuft die Erkrankung zu Beginn milder und wird deshalb lange Zeit nicht bemerkt. Warum es zu einer Hashimoto-Thyreoiditis kommt, ist nicht abschließend geklärt. Auslöser können Virusinfektionen, eine erhöhte Jodzufuhr, oder auch eine Schwangerschaft sein. Die Krankheit ist gut zu behandeln.

Morbus Basedow: Bei der Basedowschen Krankheit (auch Autoimmunhyperthyreose genannt) spielen bestimmte Antikörper eine wesentliche Rolle, die das Organ zu einer unkontrollierten Bildung und Freisetzung von Schilddrüsenhormonen anregen. Auch hier ist das Immunsystem beteiligt, das bei der TSH-Bildung Antikörper gegen bestimmte Regionen der Schilddrüsenzellen bildet. Ein wesentliches Symptom der Erkrankung sind deutlich hervortretende Augäpfel (Exophthalmus), Herzrasen sowie ein Kropf. Auch diese Krankheit ist noch nicht grundlegend erforscht. Helfen zu Beginn der Behandlung keine Medikamente, muss die Schilddrüse eventuell entfernt, oder es muss eine Radiojodtherapie erfolgen.

Struma: Ein Struma, früher Kropf genannt, ist eine mehr oder weniger deutlich sichtbare Vergrößerung der Schilddrüse. Häufig aber liegt auch dann ein Kropf vor, der von außen nicht sichtbar ist. Das Struma entsteht in den meisten Fällen durch eine nicht ausreichende Jodzufuhr. Auch hier entstehen Knoten im Gewebe, die in heiße oder kalte Knoten unterschieden werden. Als Symptome können ein Engegefühl im Hals oder Druckgefühle vorliegen. Meistens aber bleibt das Struma lange unbemerkt. Solche Knoten können auch nicht über eine Blutuntersuchung gefunden werden, weil Hormone hier keine Rolle spielen.

Erkrankungen der Schilddrüse oft gut behandelbar

Je nach Krankheitsbild spielen bei der Therapie Medikamente, Operationen oder auch radioaktives Jod eine Rolle. Eine Unterfunktion wird häufig durch die Gabe eines Schilddrüsenhormons (Thyroxin) behandelt. Thyreostatika, die die Hormonproduktion bremsen, kommen bei der Überfunktion zum Einsatz. Wenn operiert wird, wird in den meisten Fällen unnützes Gewebe entfernt. Dieses kann auch durch eine Radiojodtherapie entfernt werden. Hier zerstört angereichertes Jod das Drüsengewebe der Schilddrüse. Wie bei der Operation auch müssen Patienten nach dieser Behandlung mit einer lebenslangen Substitution von Hormonen rechnen.

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