November 2019 Lesezeit 3 Minuten


​Essstörungen – im Zeichen der Zeit

Essstörungen gelten mittlerweile schon längst als anerkannte Krankheit, da viele Menschen ihre Gefühle über das Essen kompensieren. Nach aktuellen Studien der BzgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) sind aktuell gerade auch immer mehr Menschen in jungen Jahren von einer Essstörung betroffen.

Eine verzerrte Selbstwahrnehmung und das Gefühl zu dünn oder zu dick zu sein ist charakteristisch für zahlreiche Esstörungen

Hier gelten folgende Fakten:

  • Von ca. 1.000 betrachteten Testpersonen leiden ganze 30 bis 50 an einer Essstörung. Es ist jedoch anzunehmen, dass die Dunkelziffer weitaus höher liegt.
  • Etwa 20 % der Kinder und Jugendlichen in Deutschland im Alter von elf bis 17 Jahren zeigen bereits im Alltag Auffälligkeiten in ihrem Essverhalten. Die Folgen davon sind nicht nur Übergewicht, sondern auch Gelenkbeschwerden und Bewegungsmangel.
  • Über alle Essstörungen hinweg betrachtet sind tendenziell Frauen oder Mädchen deutlich häufiger betroffen als Jungen bzw. Männer. Dennoch zeigen auch immer mehr Männer Auffälligkeiten in ihrem Essverhalten als noch vor 10 Jahren.

Zwischen welchen Arten von Essstörung wird unterschieden

Magersucht ist unter den meisten Menschen eine bekannte Krankheit, bei der der BMI (Body-Mass-Index) unter 18 liegt. Ein normaler BMI von 18 – 25 zeigt, dass die Menschen Normalgewicht aufweisen. Anorektische, d. h. magersüchtige Menschen hingegen weisen einen BMI von unter 18 auf. Ein BMI von unter 12 gilt als lebensbedrohlich. Nicht erst dann sollte die Magersucht behandelt werden.

Bulimie gilt als weit verbreitete Form einer Essstörung. Sie wird auch als Ess-Brech-Sucht bezeichnet. Hierbei zeigen Patienten vor allem, dass sie kaum eine Mahlzeit mit einem guten Gewissen im Magen behalten möchten. Absichtliches Erbrechen ist ein typisches Verhalten von Menschen mit diesem Krankheitsbild. Manches mal verbergen sich schon in jungen Jahren regelrechte Ess-Anfälle vor dem absichtlich herbeigeführten Erbrechen.

Die Binge-Eating-Störung ist eine ernst zu nehmende Krankheit, die, wie andere Essstörungen auch, unbedingt behandelt werden sollte. Menschen mit dieser Essstörung leiden immer wieder an Ess-Attacken, was sich nicht selten in einem BMI der Patienten zeigt, der deutlich höher als bei 25 liegt. Das englische Wort binge bedeutet soviel wie „Gelage“. Adipositas ist ein anderen Ausdruck dieser Krankheit, die sich immer weiter in den Industriestaaten verbreitet.

Mischformen der Essstörung finden wir immer wieder bei Magersüchtigen oder auch Patienten, die an Bulimie leiden. Nach Befragungen diverser Betroffenen wechseln sich die Phasen zwischen Essen, Nicht-Essen oder absichtlich herbeigeführtem Erbrechen oder Abführen immer wieder ab. Man spricht auch von einer Mischform der Essstörung, auch wenn sehr hohe Gewichtsschwankungen bei den Menschen zu beobachten sind.

Welche Ursachen verbergen sich hinter einer Essstörung

„Isst doch endlich einmal normal“ - das sind oft die Aussagen, die Erwachsene an ihre Kinder richten, die in der Nacht vor dem Kühlschrank stehen. Auch Menschen mit einem hohen Übergewicht hören oftmals Sprüche wie: „Du könntest auch mehr Sport betreiben“ oder „Schmeckt es Dir so gut?“. Hierbei ist wissenschaftlich mehrfach nachgewiesen, dass sich hinter Fehlverhalten beim Essen häufig ein tiefer, seelischer Konflikt verbirgt, der psychisch therapiert werden sollte. Die Ursachen von Essstörungen sind also in keinem Falle nur im Essverhalten, sondern vor allem im Inneren der Menschen, zu suchen. Deshalb sind Essstörungen Erkrankungen psychosomatischer Art, die idealerweise in speziellen Kliniken für psychische Erkrankungen therapiert werden.

Wie hoch sind die therapeutischen Erfolge bei Behandlung von Essstörungen?

Zu diesem Thema können keine Pauschalurteile getroffen werden. Als Grundlage ist jedoch eine Tatsache nicht von der Hand zu weisen: Je eher die Essstörung behandelt wird, desto größer die Chancen auf Heilung. Dennoch zeigen aktuelle Zahlen, dass auch immer mehr Frauen ab 35 Jahren wieder zur Essstörung zurückkehren, die ggf. niemals in Kindesjahren erfolgreich therapiert wurde. Sobald diese nicht mehr auf die unmittelbare Hilfe der Mutter angewiesen sind oder nach privaten und beruflichen Misserfolgen, fühlen sich diese Frauen oft leer und geraten wieder in ein Fehlverhalten beim Thema Essen. Natürlich ist auch der Einfluss der Medien (wir möchten schlank, schön, erfolgreich und dynamisch sein) und die vielen bearbeiteten Fotos, die wir in den Medien sehen, nicht unbedingt eine Hilfe für viele Frauen, die sich mit der Ideal-Figur eines Models vergleichen. Doch wie gesagt – hinter einer Essstörung verbirgt sich In der Regel mehr, als nur schlank und schön sein zu wollen! Mangelndes Selbstwertgefühl ist oftmals dafür verantwortlich, dass Menschen in Sachen Essen kein normales Verhalten an den Tag legen.

Wie hoch ist die Ziffer der Neuerkrankungen gem. BzgA?

Über den Zeitraum eines Jahres rechnet man in den Industriestaaten mit Neuerkrankungen in der Zahl von 9 bis 15. Hierbei werden als Grundlage 100.000 betrachtete Frauen und 100.000 Männer hinterlegt. Die meisten Neuerkrankungen finden sich allerdings in einer Altersgruppe der Jugendlichen von 15- bis 19 Jahren. Aber auch noch jüngere Kinder bzw. Jugendliche können bereits von einer Essstörung betroffen sein.

Fakt ist, dass die Magersucht oder die Krankheit Adipositas durch massives Unter- oder Übergewicht auf einen Blick erkennbar ist. Das Spektrum rund um die Essstörung ist jedoch weitaus größer: Viele Menschen mit einem durchaus normalen BMI von 18 – 25 sind dennoch von einer Essstörung betroffen und geben es nicht öffentlich zu. Die Dunkelziffer ist hoch. Während ca. 1 – 3 % der weiblichen Personen zugeben, an einer Essstörung zu leiden, sind tendenziell Männer hierbei nicht ganz so offensiv in der Äußerung bzgl. des ausgelebte Essverhaltens.

​Die Hintergründe sind komplexer als angenommen

Auch Männer sind manchmal sehr körperbewusst und möchten kein Gramm zu viel Fett am Körper haben. Eine eingenommene Mahlzeit wird sofort mit hartem Training abtrainiert, damit die Kalorien sofort wieder verbrannt werden, die im Vorfeld aufgenommen wurden. Es kann eine regelrechte Sport-Bulimie entstehen, da es ja „grundsätzlich eine gute Eigenschaft ist, sportlich im Alltag unterwegs zu sein!“

Allerdings ist diese Art der Essstörung auch mit einem Sucht-Verhalten verbunden, die in einem völlig übertriebenen Maße den Bewegungsdrang verkörpert. Wer also ohne schlechtes Gewissen oder ohne gedankliches Kalorienzählen nicht mehr unbeschwert essen kann läuft Gefahr darin, erste Anzeichen einer Essstörung auszuleben.

Sind die vielen Diäten daran Schuld, dass immer mehr sehr junge Menschen in eine Essstörung geraten?

Sind die vielen Diäten daran Schuld, dass immer mehr sehr junge Menschen in eine Essstörung geraten?

Kaum ein Kind im Alter von 18 Jahren hat nicht schon 1 – 2 Diäten getestet oder in der Familie erlebt. Egal, ob Intervallfasten, Low Carb-Kost oder die Keto-Diät: Mit drei gesunden Mahlzeiten den Familienalltag zu genießen, das gelingt in kaum einem Haushalt. Die Esskultur, die noch unsere Großmütter an den Tag gelegt haben, findet kaum mehr in der Realität statt. Wir essen nebenbei im Auto, nehmen den Snack to go mit oder ernähren uns ungesund in der Mensa. Dabei hetzen wir von einem Termin zum anderen und das Essen gilt schon lange meist als „herrlichste Nebensache der Welt!“ Liefert unserer schnelllebige Zeit nicht den besten Nährboden für den Ausbruch eine Essstörung? Ja – genau deshalb gilt es, das eigene Verhalten und auch das der Familie intensiv zu beobachten.

Essstörungen sind auch ohne Medikamente gut zu therapieren,

wenn die Patientinnen und Patienten ihre Krankheit als Krankheit anerkennen und gewillt sind, an sich zu arbeiten. Psychopharmaka können den positiven Krankheitsverlauf durchaus unterstützen, da sich Gefühle wie Ängste, mangelnder Selbstwert oder traumatische Erlebnisse in der Ursache beim Ausleben einer Essstörung herauskristallisieren können. Die Forschungsergebnisse zeigen es längst: Mir der Unterstützung von Medizin und Therapeuten kann der Ursache einer Essstörung erfolgreich auf den Grund gegangen werden.

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