Juni 2020 | Lesezeit 6 Minuten


Ergotherapie für Kinder - Wie effektiv ist sie wirklich? 

Die Ergotherapie ist eine weitverbreitete Therapiemethode, welche aus spielerischen, künstlerischen und musikalischen Bereichen besteht. Hierbei sollen alltägliche kognitiven Aufgaben gelöst werden, um den Patienten so bei seinem Alltag zu unterstützen. 

Mehr und mehr wird die Ergotherapie allerdings auch Kindern verschrieben.  

Wie genau sieht diese Therapieform aus und ist sie überhaupt sinnvoll? 

Ergotherapie für Kinder

Immer häufiger wird auch Kindern eine Ergotherapie verschrieben - doch macht dies wirklich Sinn?

Welchen Zweck hat die Ergotherapie? 

Die Ergotherapie ist eine Therapieform, die die kognitiven Fähigkeiten des Patienten unterstützen soll. Dies erfolgt durch Spiele, musikalische und künstlerische Aufgaben sowie Sport.  

Da es oftmals auch mental ein großes Problem ist, wenn ein Mensch plötzlich seinen Alltag nicht mehr wie gewohnt ausüben kann, kommen zugleich auch kommunikative Aufgaben für den Therapeuten mit ins Spiel - aus diesem Grund ist die Ergotherapie auch so ein weites Feld, für das der Therapeut viele Ausbildungsbereiche absolvieren muss. 

Die Ergotherapie wird oftmals nach Unfällen, Krankheiten oder auch bei Einschränkungen im Alltag durch das Alter angeboten und in letzter Zeit auch, wie bereits erwähnt, vermehrt für Kinder.

Darüber existieren allerdings auch einige negative Meinungen, da die Ergotherapie für Kinder sehr interaktiv ausgerichtet ist und daher aus der klassischen Welt der Therapie ausbricht.

Es wird vor allem bemängelt, dass die Ergotherapie für Kinder mehr eine außerschulische Spielgruppe als ein effektives Training sei. 

Wie kann die Ergotherapie für Kinder aussehen? 

Die Ergotherapie für Kinder kann sehr verschieden aussehen, beispielsweise werden Übungen verwendet, welche die Balance des Kindes stärken sollen - es wird beispielsweise geschaukelt, gemalt, Geschicklichkeitsspiele durchgeführt oder auch Musikinstrumente erlernt.

Hierbei konzentriert sich der Therapeut genau auf die kognitiven und motorischen Bereiche des Kindes, welche weitere Unterstützung bei der Ausarbeitung benötigen.

Bei Kindern muss die Ergotherapie nicht zwingend als Folge eines Unfalls oder einer Behinderung eingesetzt werden - schon eine Einschränkung körperlicher Aktivitäten des Kindes können motorische Probleme verursachen. 

Ist die Ergotherapie für Kinder sinnvoll? 

Kinder bereits in jungen Jahren zur Therapie zu schicken, löst in vielen Menschen Warnsignale aus.

Laut einer Studie der AOK bekommen aktuell bereits rund 20% der Jungen zwischen vier und sieben Jahren ein Rezept für die Ergotherapie, was in vielen Eltern Panik auslöst und Phrasen wie „Medikalisierung der Kinder“ stärker in den Fokus rückt.

Die Frage ist zugleich, ob überhaupt genau festgestellt werden kann, dass eine motorische oder kognitive Fehlfunktion bereits in jungen Jahren in der Feinmotorik der Kinder vorhanden ist?

Es wird argumentiert, dass sich solche Fähigkeiten mit fortschreitendem Alter weiterhin entwickeln und demnach nicht notwendigerweise in einer Therapie verbessert werden müssen. 

Tatsache ist aber auch, dass das Kindesalter die richtige Zeit ist, um mögliche kognitive und motorische Probleme zu erkennen und aktiv daran zu arbeiten, sodass diese keine Schwierigkeiten im späteren Leben verursachen. 

Vorbeugung psychischer Krankheiten 

Wenn ein Kind motorisch nicht altersgemäß entwickelt ist, kann sich das negativ auf das spätere Leben auswirken und vor allem psychisch schlechten Einfluss nehmen 

Hierbei kann es zu Verhaltensauffälligkeiten wie ADHS, aber auch zu Unsicherheiten, Ängsten und Panikattacken kommen.  

Auch im späteren Leben kann sich in verschiedenen Situationen zeigen, dass die motorischen Fähigkeiten nicht vollends ausgebildet sind, sodass dies nicht nur physisch ein Problem ist, sondern die Person auch psychisch belasten kann.

Dies kann unter Umständen zu Problemen im sozialen Leben, aber auch zu Erkrankungen wie Depressionen und Angstzuständen führen. 

Ausübung aller Aufgaben im Alltag 

Wenn sich bereits im Kindesalter Probleme beim Ausüben alltäglicher Aufgaben zeigen, können sich diese auch bis ins Erwachsenenalter halten.

Hierbei muss man allerdings wissen, dass es bei Kindern völlig normal ist, dass diese diverse Funktionen erst mit der Zeit entwickeln.

Vor allem sollte man sich auch bewusst sein, dass die Anforderungen an Kinder stetig steigen, dies aber zugleich nicht bedeutet, dass auch immer mehr Kinder eine Therapie benötigen. 

Spielerisch lernen 

Um Kinder auch langfristig für eine Therapie zu begeistern ist es wichtig, diese möglichst spielerisch zu gestalten. 

Hierfür ist die Ergotherapie für Kinder perfekt, da sie viele kreative Methoden bietet.

Bei deren Ausführung ist es nicht offensichtlich, dass es sich um eine Therapie handelt, was unter Umständen negative Assoziationen im Kind auslösen könnte.

Die Ergotherapie für Kinder erscheint mehr wie eine Spielgruppe, die als positiver Zeitvertreib verstanden wird. 

Welche Anzeichen zeigen, dass die Ergotherapie eine Therapieoption für Kinder ist? 

Es ist absolut davon abzuraten, eine Selbstdiagnose zu stellen, vielmehr sollten Kindergärtner und Lehrer einen Blick auf die Kinder werfen und falls nötig bei Auffälligkeiten die Eltern kontaktieren. 

Im Anschluss kann immer noch eine konkrete Diagnose von einem Arzt oder Therapeuten gestellt werden.  

Nicht jede Auffälligkeit bedarf einer Therapie, denn Kinder sind immer noch Kinder, und dass diese sich nicht immer so verhalten, wie es sich erwachsene Menschen wünschen, ist völlig normal. 

Dennoch stellt eine Ergotherapie für Kinder kein Risiko dar, denn dieses spielerische Training hat keinerlei negative Einflüsse.

Vielmehr wird Ergotherapie für Kinder heutzutage nicht oft genug verschrieben, denn in den meisten Fällen kann die Behandlung sogar von der Krankenkasse übernommen werden. 

Wann bezahlt die Krankenkasse die Ergotherapie für Kinder? 

Die Nachfrage nach der Ergotherapie für Kinder ist sehr hoch, sodass es teilweise zu langen Wartezeiten kommen kann.

Daher stellt sich die Frage, ob es für Eltern auch möglich ist, ergotherapeutische Aufgaben in den Alltag zu implementieren und somit tagtäglich die kognitiven und motorischen Fähigkeiten des Kindes zu unterstützen.

Die Antwort lautet ja es gibt sehr einfache Aufgaben, die dem Kind gestellt werden können und die leicht in den Alltag integriert werden können. 

Hier einige Beispielaufgaben: 

  • Das Kind sich selbstständig anziehen lassen, um die Bewegungswahrnehmung zu fördern
  • Sich gemeinsam mit dem Kind Rezepte auszudenken, gemeinsam einkaufen gehen und im Anschluss auch zu kochen, wobei der Fokus auf der Bewegung und Konzentration liegen sollte 
  • Ein Instrument lernen, da dies ebenfalls hilft, die Konzentration zu fördern
  • Beim Kochen Obst und Gemüse gemeinsam schneiden, was ebenfalls hilft, die Feinmotorik zu trainieren
  • Mit dem Kind spazieren gehen und es auf Spielplätzen spielen lassen, auch diese Aktivität unterstützt Fein- und Grobmotorik 

Fazit zur Ergotherapie für Kinder 

Die Zahl der Kinder, die mit einer Ergotherapie behandelt werden, steigt täglich.

Den Grund dafür sehen Forscher vor allem darin, dass die Bewegung vieler Kinder eingeschränkt ist und mehr und mehr von ihnen zu oft sitzen, statt im Freien zu spielen.  

Diese Bewegungsarmut kann darin resultieren, dass motorische, kognitive und soziale Defizite entstehen, die mit der Ergotherapie wieder in den Griff bekommen werden können.  

Ob ein Kind wirklich eine Therapie braucht, muss letzten Endes der Arzt entscheiden, sodass die ganze Behandlung auch von der Krankenkasse übernommen werden kann. 

Doch auch Eltern, Erzieher und andere Menschen im Umfeld des Kindes können darauf achten, ob das Kind dem Alter entsprechende Fortschritte macht. Hierbei kann beispielsweise darauf geachtet werden, ob das Kind die Schuhe eigenständig schnüren kann, problemlos Treppen steigt, ohne Probleme malen kann etc. 

Es ist nicht immer sofort nötig, einen Arzt aufzusuchen, denn manche ergotherapeutischen Aspekte können auch in den Alltag einer Familie eingebaut werden, sodass die sozialen, motorischen und kognitiven Fähigkeiten des Kindes trainiert werden - so kann zum Beispiel gemeinsam mit einem Elternteil gekocht werden, dabei darf sich zur Stärkung der Konzentration ein Gericht ausgedacht werden.

Im Anschluss wird gemeinsam eingekauft, was die Bewegung fördert und schließlich wird zur Unterstützung der Motorik gemeinsam gekocht.  

Es gibt viele weitere Beispiele, wie die ergotherapeutischen Ansätze innerhalb der Familie umgesetzt werden können. 

Sollte der Arzt dem Kind eine Ergotherapie verschreiben, kann diese in einer Klinik, aber auch zu Hause oder im Kindergarten durchgeführt werden. Hiefür entwickelt der Therapeut einen Trainingsplan, der sich genau auf die Funktionen konzentriert, die gestärkt werden können. Dabei gibt der Therapeut all seinen Übungen auch einen spielerischen Aspekt, um das Kind zu motivieren und Spaß zu haben.  

Solche Übungen können zum Beispiel im sportlichen, musikalischen, künstlerischen und sozialen Bereich durchgeführt werden. Vom gemeinsamen Malen bis hin zum Balancieren gibt es viele Übungen, die der Therapeut mit dem Kind durchführen kann. 

Eine frühe Diagnose von Problemen bei der Entwicklung und demnach einer Implementierung der Ergotherapie für Kinder kann großen Einfluss auf das spätere Leben haben. Nicht nur können Verhaltensstörungen wie ADHS frühzeitig erkannt und in den Griff bekommen, sondern zugleich auch physischen und psychischen Krankheiten vorgebeugt werden.  

Wenn ein Kind seine sozialen, motorischen oder kognitiven Fähigkeiten nicht optimal ausgebildet hat, kann sich dies in Angstzuständen bis hin zu Depressionen zeigen.  

Wichtig ist daher, frühzeitig zu handeln und die Ergotherapie als einen der Lösungswege in Betracht zu ziehen. 

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