Mai 2020 | Lesezeit 6 Minuten


Die Elektrotherapie - Alle wichtigen Informationen auf einen Blick

Viele Menschen sind sich gar nicht mehr bewusst, dass die Elektrotherapie auch in der heutigen Zeit nach wie vor sehr beliebt ist. Vielmehr hat diese Art der Therapie durch falsche Nutzung in der Vergangenheit einen negativen Unterton, doch haben gezielt eingesetzte Stromstöße einen wirkungsvollen und effektiven Einfluss auf den menschlichen Körper. 

Sie können Beschwerden lindern und vor allem, so gegensätzlich es sich auch anhört, gegen Schmerzen helfen.

Doch wie kann die Elektrotherapie eingesetzt werden? Gibt es verschiedene Arten der Elektrotherapie und welche Risiken bringt diese Art der Therapieform mit sich? Diese und weitere Fragen beantworten wir in diesem Artikel.

Elektrotherapie

Die Elektrotherapie erfreut sich vor allem unter Physiotherapeuten nach wie vor großer Beliebtheit - das liegt unter anderem an den geringen Risiken der Behandlungsmethode.

Was versteht man unter Elektrotherapie? 

Die Elektrotherapie arbeitet mit elektrischen Stößen, die gezielt eingesetzt werden.

Diese Art der Therapie hat viel Anklang in der Physiotherapie gefunden und erfreut sich einer immer größer werdenden Beliebtheit. 

Die Elektrotherapie wird auch gerne als Reizstromtherapie bezeichnet, die den Effekt des Stroms auf den Körper besser zusammenfasst.

Durch den Einfluss von Strom werden zum Beispiel Muskeln kontraktiert, sodass sie sich zusammenziehen und richtig trainiert werden können.

Dabei werden die Muskeln aktiv stimuliert, was sich nicht nur positiv auf den Muskelaufbau auswirkt, sondern zugleich Schmerzen lindert. Durch diese Stimulierung wird zudem die Durchblutung gefördert, was die Heilung von Verletzungen und Wunden verbessert.

In welchen Bereichen wird die Elektrotherapie eingesetzt?

Die Elektrotherapie lässt sich in verschiedenen Bereichen der Physiotherapie finden. 

Bei Lähmungen oder dem allgemeinen Ausfall von Nerven verhindert die Elektrotherapie beispielsweise den Abbau von Muskeln. Auch wird sie gerne zur Schmerzlinderung eingesetzt, da die Muskeln durch optimale Einsätze von Stromstößen stimuliert werden können und so entspannen.

Die Elektrotherapie wird auch bei Fällen von Durchblutungsstörungen eingesetzt und zugleich auch orthopädischen Erkrankungen, wie beispielsweise Sehnenentzündungen.

Auch viele weitere Krankheitsbilder können mit der Elektrotherapie behandelt werden:

  • Generelle Schmerzen, vor allem in den Muskeln und Gelenken
  • Probleme bei der Durchblutung im Gewebe
  • Lähmungen und Bewegungseinschränkungen
  • Chronische Schmerzen und Entzündungen
  • Nicht aktivierte Arthrose
  • Das sogenannte Myalgische Syndrom, auch als Muskelschmerz-Syndrom bekannt
  • Inkontinenz
  • Abnahme der Muskelmasse durch Verletzungen, Erkrankungen, Unfällen, etc.

Die Vorteile der Elektrotherapie

Die Elektrotherapie kann vielseitig eingesetzt werden und verspricht vor allem in der Physiotherapie viele Vorteile.

Die folgende Auswahl fasst für die gängigsten Anwendungsgebiete der Elektrotherapie zusammen:

  • Stimulierung der Muskeln
  • Förderung der Durchblutung
  • Stimulation bei Lähmungen
  • Anregung des Stoffwechsels
  • Erwärmung von Haut und tieferen Gewebsschichten
  • Lockerung der Muskeln
  • Aufbau der Muskeln
  • Linderung von Schmerzen

Wie läuft die Elektrotherapie ab?

Es lässt sich nicht pauschal beantworten wie die Elektrotherapie abläuft, da diese je nach Klinik, Krankenhaus oder auch im privaten Umfeld anders ausgeübt wird.

Auch die Stelle, an denen die Elektrotherapie durchgeführt werden soll, kann den Ablauf verändern.

Generell können wir allerdings vier Schritte unterscheiden, welche sich normalerweise bei allen Elektrotherapien finden lassen.

Schritt 1: Aufklärung durch den Physiotherapeuten

Zu Beginn klärt der Physiotherapeut den Patienten genau auf, wie die Elektrotherapie funktioniert, wie diese eingesetzt wird, welche Stellen mit den elektronischen Stößen bearbeitet werden und schließlich was das Ziel ist. 

Hier hat der Patient die Möglichkeit, konkrete Fragen und Wünsche zu äußern.

Zudem sollte der Physiotherapeut bei Bedarf die Angst des Patienten nehmen und darauf aufmerksam machen, dass die Behandlung jederzeit abgebrochen werden kann.

Auch sollte der Physiotherapeut über mögliche Nebenwirkungen aufklären.

Schritt 2: Befestigung der Elektroden

In der Regel werden bei der Elektrotherapie zwei Elektroden verwendet, die direkt auf der Haut platziert werden. Eine der Elektroden ist die sogenannte Wirk-Elektrode, die andere ist die Bezugselektrode

Die Wirk-Elektrode wird direkt auf die zu behandelnde Stelle platziert, die andere schließt den Stromkreis. 

Hierbei gibt es verschiedene Wege, wie diese auf der Haut befestigt werden. In der Regel sind die Eletroden selbstklebend, doch gibt es auch Modelle, welche mit einem Klettverschluss oder einem Gummiband befestigt werden.

Schritt 3: Der Strom fließt

Nun wird das Gerät eingeschaltet und der Strom fließt durch die Elektroden. Der Physiotherapeut bleibt die ganze Zeit an der Seite des Patienten und achtet auf dessen Wohlbefinden. 

Sollte es zu Problemen oder Schmerzen kommen, kann die Behandlung auf diese Weise sofort abgebrochen werden.

Zum Ende der Therapie werden die Stromeinflüsse immer weiter abgeschwächt, bis die Therapie beendet ist.

Schritt 4: Kontrolle der behandelten Stellen

Der Physiotherapeut entfernt nun die Elektroden und fragt den Patienten, wie er sich fühlt.

Zudem kontrolliert er genau die Stellen, an denen die Elektroden auf der Haut befestigt waren. Es kann zu leichten Verbrennungen kommen, sodass der Physiotherapeut die Stelle mit einer Creme und einem Verband behandeln muss.

Wie unterscheidet man in der Elektrotherapie zwischen verschiedenen Stromarten?

Je nachdem, welches Resultat gewünscht ist oder welches Ziel verfolgt werden soll, unterscheiden wir vier verschiedene Arten, beziehungsweise Therapien des Stroms: Die Gleichstromtherapie, die Niederfrequenztherapie, die Mittelfrequenztherapie und die Hochfrequenztherapie. 

Im Folgenden erläutern wir, welche Vorteile mit diesen Arten der Elektrotherapie einhergehen.

Gleichstromtherapie (Galvanisation)

Die Gleichstromtherapie hat diverse Vorteile, zum einen lockert sie die Muskulatur und wird daher vermehrt in der Physiotherapie verwendet, zum anderen regt sie die Durchblutung an und steigert diese vor allem in der Haut und in den Muskeln erheblich.

Niederfrequenztherapie (bis zu 1000 Hertz)

Die Niederfrequenztherapie arbeitet mit Impuls-Stößen, bei denen die Stärke der elektronischen Stöße je nach Bereich des Körpers angepasst werden, um so den optimalen Wert zu finden. 

Die Niederfrequenztherapie ist der Gleichstromtherapie in den Vorteilen und Resultaten sehr ähnlich. Sie unterstützt ebenfalls die Durchblutung der Haut und der Muskeln und hilft diesen, durch Kontraktionen zu entspannen.

Mittelfrequenztherapie (1 bis 100 Kilohertz)

Bei der Mittelfrequenztherapie wird vor allem mit Wechselströmen gearbeitet, die eine besonders tiefe Wirkung in das Gewebe und dem Muskel erreichen sollen.

Das Resultat der Mittelfrequenztherapie ist daher, den Stoffwechsel der Muskulatur zu unterstützen und zugleich die Ausdauer zu verbessern.

Hochfrequenztherapie (über 100 Kilohertz)

Der Sinn der Hochfrequenztherapie liegt darin, die Muskulatur zu lockern und somit eine Linderung von Schmerzen zu erzielen. Zudem wird durch den elektrischen Einfluss erreicht, dass das Gewebe und die Muskeln sich erwärmen - auf diese Weise heilen Verletzungen und Reize schneller.

Weitere Therapieformen mit elektrischen Einflüssen

Es gibt auch noch weitere Elektrotherapien, die in der Medizin und der Physiotherapie Anklang gefunden haben, darunter die Ultraschalltherapie und die transkutane elektrische Nervenstimulation, welche auch als TENS bezeichnet wird.

Was es genau mit diesen beiden Therapien auf sich hat, klären wir im Folgenden.

Ultraschalltherapie

Die Ultraschalltherapie gehört ebenfalls zur Reizstromtherapie und arbeitet vor allem mit Schallwellen. Diese erzeugen im Körper Wärme, sodass sie im Anwendungsbereich der Schmerzlinderung oft zu finden ist. 

Besonders oft wird die Ultraschalltherapie bei rheumatischen Erkrankungen, Gelenkverschleiß, Problemen mit der Wirbelsäule und dem Rücken sowie Nackenproblemen eingesetzt.

Es kann auch zu einer Kombination der Therapien kommen, beispielsweise eine Niederfrequenz-Energie, die dann durch eine Ultraschalltherapie unterstützt wird.

Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS)

Sollte der Patient an chronischen Schmerzen leiden, kommt oftmals die transkutane elektrische Nervenstimulation, auch als TENS bekannt, zum Einsatz. 

Dabei werden Elektroden an den betroffenen Stellen positioniert und versucht, den Schmerz mit leichten Stößen umzulenken.

Wann sollte die Elektrotherapie nicht angewendet werden?

Die Elektrotherapie ist nicht für jede Verletzung oder Erkrankung geeignet - auch nicht für jeden Patienten. 

Generell lässt sich festhalten, dass keine Elektroden in der Nähe des Herzens befestigt werden sollten. Diese Einflüsse können das Herz aus dem Rhythmus bringen und im schlimmsten Fall beschädigen. 

Demnach gilt auch, dass Menschen mit Herzschrittmacher die Elektrotherapie nicht nutzen sollten.

Zudem empfiehlt es sich von der Elektrotherapie abzusehen, wenn eine schwangere Frau behandelt werden soll, ganz besonders in einem frühen Stadium der Schwangerschaft - die Folge können Komplikationen, Missbildungen oder sogar der frühzeitige Abbruch der Schwangerschaft sein.

Zudem sollte die Elektrotherapie nicht angewendet werden, wenn der Patient metallische Implantate trägt, dazu zählen z.B. auch Hormonspiralen bei Frauen, da die verschiedenen Arten der Elektrotherapie Muskeln und das Gewebe erwärmen, sodass sie gleichzeitig auch das Metall erhitzen, was zu inneren Verbrennungen und Verätzungen führen kann.

Wenn der Patient offene Wunden hat, dürfen die Elektroden natürlich nicht an diesen Stellen befestigt werden, da es die Wundheilung negativ beeinträchtigen kann und die Wunden im schlimmsten Fall verschlimmert und/oder vergrößert.

Welche Risiken bringt die Elektrotherapie mit sich?

Generell wird die Elektrotherapie nur von wenigen Risiken und Nebenwirkungen begleitet, wichtig für den Physiotherapeuten ist es vor allem darauf zu achten, die Stromstärke nicht zu hoch einzustellen. 

Zudem sollte er immer an der Seite des Patienten bleiben, sodass er die Behandlung sofort bei Schwierigkeiten und Komplikationen abbrechen kann. 

Zu welchen Nebenwirkungen und Risiken kann es dennoch kommen? Im Folgenden haben wir die möglichen Risiken zusammengefasst:

  • Verbrennungen
  • Reizungen durch schlechte Befestigung der Elektroden
  • Eine Allergie gegen Strom
  • Überempfindlichkeit
  • Verätzungen
  • Herzrhythmusstörungen
  • Komplikationen in der Schwangerschaft

Was sollte nach einer Elektrotherapie beachtet werden?

In fast allen Fällen ist die Haut nach einer Elektrotherapie leicht bis stark gereizt, sodass eine schonende Creme aufgetragen werden sollte.

Es sollte zudem ein paar Tage auf Peeling und parfümierte Produkte verzichtet werden, sodass sich die Haut in Ruhe erholen kann.

Des Weiteren neigt die Haut durch die Elektrotherapie dazu auszutrocknen, was mit einer Feuchtigkeitscreme verhindert werden kann.

Es sollten generell auch nicht zu viele Elektrotherapie-Sitzungen abgehalten werden - nach maximal zehn Elektrotherapien sollte mindesten zwei Wochen Pause gemacht werden, bevor die Behandlung fortgesetzt  wird.

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