Stand Juli 2022

Dünnschichtzytologie zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs (IGeL)

Die sogenannte Dünnschichtzytologie - oder auch flüssigkeitsbasierte Zytologie genannt - ist eine Untersuchungsmethode zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs.

Mit Hilfe des Verfahrens soll es möglich sein, mehr Krebsvorstufen zu entdecken als mit dem Pap-Test, der eine Pflichtleistung darstellt und ab einem Alter von 20 Jahren in Anspruch genommen werden kann.

Im Gegensatz dazu ist die Dünnschichtzytologie eine IGeL, wird aber sehr häufig im Standardprogramm vieler Frauenärzte geführt, wobei die Kosten dafür bei 23 Euro beginnen.

Wie entsteht Gebärmutterhalskrebs?

Ein Gebärmutterhalskrebs kann dann entstehen, wenn man mit humanen Papillomviren infiziert wird. Die Übertragung dieser Viren erfolgt dabei durch Geschlechtsverkehr.

Fast jede Frau infiziert sich im Laufe ihres Lebens mit diesen Viren, das Immunsystem kann sie jedoch in den meisten Fällen erfolgreich bekämpfen. Aus einer dauerhaften Infektion kann allerdings eine Krebsvorstufe entstehen, in weiterer Folge entwickelt sich dann ein frühes bzw. ein aggressives Krebsstadium.

Welchen Verlauf eine Infektion nimmt, kann zudem durch verschiedene Risikofaktoren erhöht werden.

Gebärmutterhalskrebs kann auch jüngere Frauen betreffen. Dieser kann aber, sofern sich an anderen Körperstellen noch keine Tochtergeschwülste gebildet haben, mittels einer Operation wieder entfernt werden.

Experten sind der Meinung, dass sich aufgrund des Pap-Tests die Sterblichkeitsrate in den letzten Jahrzehnten deutlich verringert hat. Ein direkter Beleg dafür existiert allerdings bis dato nicht.

Seit einigen Jahren gibt es neben dem Pap-Test zudem die Möglichkeit einer HPV-Impfung, die zwischen dem 9. und 14. Lebensjahr von der Krankenkasse bezahlt wird.

Methodik der Untersuchung

Mithilfe eines Pap-Tests können bereits die Vorstufen eines Gebärmutterhalskrebses entdeckt werden. Dafür streift der Arzt vom Gebärmutterhals Zellen mittels einer Bürste ab, die dann unter einem Mikroskop untersucht werden.

Der freie Blick auf die Zellen kann allerdings durch Gewebereste behindert werden. Daher entwickelte man das sogenannte Dünnschicht-Verfahren, bei dem man den Abstrich in einer speziellen Flüssigkeit aufschwemmt, wodurch Gewebereste entfernt werden können.

Im Anschluss erfolgt die Untersuchung unter einem Mikroskop. Einige Länder verwenden statt des Pap-Tests nur mehr die Dünnschichtzytologie und auch in Deutschland wird diese Methode mittlerweile von sehr vielen Frauenärzten beworben.

Empfehlungen von anderen Gesellschaften

Laut der Deutschen Krebsgesellschaft bzw. der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe ist die Dünnschichtzytologie dann angemessen, wenn sie nicht jedes Jahr, sondern nur jedes zweite Jahr eingesetzt wird.

Die USPSTF ( „U.S.-Preventive Services Task Force) ist hingegen der Meinung, dass die Belege nicht ausreichen, um sich gegen bzw. für dieses Untersuchungsverfahren zu entscheiden.

Bewertung der IGeL-Leistung

Wie beim Pap-Test entnimmt der Arzt auch bei der Dünnschichtzytologie Zellen vom Gebärmutterhals, die in weiterer Folge unter einem Mikroskop untersucht werden. Dabei soll die Dünnschichtzytologie treffsicherer sein, da das Zellmaterial vorher einer Reinigung unterzogen wird, wodurch die Sicht auf die entnommenen Zellen besser ist.

Durch diese Untersuchungsmethode soll verhindert werden, dass man eventuell Krebsvorstufen übersieht. Wird das Material zuvor gereinigt, könnten aber auch Informationen bezüglich der Zellumgebung verlorengehen und dadurch die Aussagekraft reduzieren.

Nutzen der IGeL-Leistung

Der Einsatz der Dünnschichtzytologie wäre dann von Nutzen, wenn die Zahl der Fälle von aggressivem Gebärmutterhalskrebs bzw. Todesfällen reduziert werden könnten. Es gibt allerdings bis dato keine Studien, die den Nutzen der Dünnschichtzytologie untersucht haben.

Dasselbe gilt auch für den Pap-Test, zudem es bis dato ebenfalls keinerlei hochwertige Studien bezüglich seines Nutzens gibt.

Um den Nutzen indirekt zu bewerten, können Studien herangezogen werden, in denen man untersucht, wie gut man mithilfe der Dünnschichtzytologie Krebsvorstufen erkennen kann, das heißt, wie viele harmlose Zellen man als gefährlich einstuft und wie viele gefährliche Krebszellen übersehen wurden.

Mithilfe solcher Studien könnte man Rückschlüsse auf die Aussagekraft der Untersuchungsmethode ziehen, allerdings nicht darauf, welche diagnostizierte Vorstufe sich in weiterer Folge zu einem lebensgefährlichen Gebärmutterhalskrebs weiterentwickelte.

Dazu gibt es drei Übersichtsarbeiten, die zwei Studien auswerten, in denen die Aussagekraft des Pap-Tests mit jener der Dünnschichtzytologie verglichen wurde.

Für eine zuverlässige Aussage ist die erste Studie aber zu klein. Bei der zweiten Studie konnte man feststellen, dass die Dünnschichtzytologie dem Pap-Test weder bei frühen noch bei fortgeschrittenen Stadien überlegen ist.

Allerdings müssen bei der Dünnschichtzytologie weniger Tests noch einmal gemacht werden, es treten also weniger unbrauchbare Proben auf. Dieser Vorteil reicht jedoch nicht aus, um dies als Nutzen zu werten.

Insgesamt ist also kein Hinweis auf einen möglichen Nutzen dieser Untersuchungsmethode erkennbar.

Mögliche Schäden durch die IGeL-Leistung

Die Dünnschichtzytologie würde dann Schaden anrichten, wenn die Lebensqualität aufgrund des Tests darunter leidet oder die Untersuchungsmethode eine gesundheitliche Gefahr darstellt.

Von den insgesamt drei Übersichtsarbeiten geht nur eine davon auf direkte Schädigungen aufgrund der Probenentnahme bzw. auf indirekte Schädigungen durch unnötige Therapien oder Beunruhigung der Patienten ein.

Dabei sind keine Anhaltspunkte für einen möglichen Schaden erkennbar, der nicht auch beim Pap-Test auftreten könnte.

Fazit zur IGeL-Leistung Dünnschichtzytologie

Die Dünnschichtzytologie, mit der Gebärmutterhalskrebs früher erkannt werden kann, wird vom IGeL-Monitor als "unklar" eingestuft, da es bis dato keinerlei Studien zum Nutzen dieser Untersuchungsmethode gibt, die zeigen, dass aufgrund dieses Verfahrens Todesfälle verhindert werden können.

Es gibt lediglich einige Übersichtsarbeiten sowie Studien, die sich mit der diagnostischen Aussagekraft der Dünnschichtzytologie und des Pap-Tests beschäftigen. Dadurch ergeben sich aber keinerlei Hinweise auf einen möglichen Nutzen bzw. Schaden.

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