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Die Gürtelrose als Zweitinfektion

Die Gürtelrose ist eine Folgeerkrankung einer Windpocken-Infektion. Verantwortlich für beide Infektionskrankheiten ist das Varizella-Zoster-Virus (VZV), das zu den Herpes-Viren gehört.

Zwischen 10 und 20 Prozent der von den Windpocken Betroffenen leiden später auch an Gürtelrose.

Die Behandlung erfolgt durch die üblichen Schmerzmittel oder anti-virale Medikamente. Auch die in Sachen Corona häufig befragte STIKO äußert sich zu Impfungen gegen die Viruserkrankung.

Wie entsteht eine Gürtelrose?

Andere Bezeichnungen für die Gürtelrose sind Herpes Zoster, abgekürzt auch Zoster, die Umgangssprache kennt die Kopfrose oder auch Gesichtsrose.

Die Erkrankung bewirkt im Wesentlichen einen streifenförmigen, schmerzhaften Hautausschlag. Auf dem Körper zeigen sich auch die charakteristischen Hautbläschen, verursacht durch den Übergang von einem entzündeten Nerv auf umliegendes Hautgebiet, allerdings kann dieser Hautausschlag auch ausbleiben. Eine frühzeitige Behandlung verhindert Komplikationen.

Der Erreger ist äußerst ansteckend und löst als Erstinfektion die Windpocken aus, eine Kinderkrankheit, die durch eine Impfung verhindert werden kann. Mit anderen Worten, bei der ersten Infektion mit VZV kommt es zunächst zu einer Windpocken-Erkrankung. Nach deren Abheilen bleiben die Viren im Organismus, und zwar in den Spinalganglien, einer Ansammlung von Nervenzellen seitlich des Rückenmarks.

Dort bleiben sie zunächst in einem passiven Zustand, können aber auch noch nach Jahrzehnten erneut aktiv werden. Dann verbreiten sich die Erreger über die Nervenbahnen und infizieren das Nervengewebe. Als Reaktion entwickelt sich in dem betroffenen Bereich der typische Hautausschlag.

Wie steckt man sich an?

Windpocken sind äußerst ansteckend und verbreiten sich schnell. Eine Tröpfcheninfektion ist ursächlich, das heißt, die beim Atmen oder Husten an die Umgebung abgegebenen Tröpfchen enthalten den Erreger, der sich beim Einatmen überträgt.

Er kann außerdem bei einem Kontakt mit dem virushaltigen Inhalt der Bläschen oder der Hautkrusten (also durch eine Schmierinfektion) weitergegeben werden. Auch beim Berühren von Gegenständen, die ein Patient zuvor in Händen hatte, können sich die Viren übertragen.

Bei einem Kontakt mit Erkrankten überträgt sich Herpes Zoster zu 90 Prozent, geschützt vor einer Infektion sind allerdings alle, die bereits die Windpocken hatten oder dagegen geimpft sind.

Außerdem kann man sich nicht direkt mit der Gürtelrose anstecken, denn die Erkrankung kann erst ausbrechen, wenn die im Nervensystem passivierten Viren sich reaktivieren.

Bei Impfungen ist jedoch noch eine Besonderheit zu beachten: Wer mit einem Lebendimpfstoff immunisiert wurde, bekommt zwar keine Windpocken, kann aber an einer Gürtelrose erkranken, denn mitunter nisten sich auch die Impfviren im Nervensystem ein, bleiben dann ebenfalls zunächst passiv und werden erst später aktiv.

Dies kommt jedoch wesentlich seltener vor als bei einer „klassischen“ Windpocken-Infektion. Der Krankheitsverlauf ist in diesen Fällen in der Regel milder und die Gürtelrose zeigt sich dann nahe der Impfstelle.

Wie lange besteht eine Ansteckungsgefahr?

Bereits beim ersten Auftreten der Hauterscheinungen sind Patienten mit Gürtelrose ansteckend. Bis zum vollständigen Verkrusten dauert es zwischen fünf und sieben Tage, dann verschwindet auch das Risiko einer Übertragung. Bei Windpocken kann eine Ansteckung allerdings bereits auch ein oder zwei Tage früher auftreten, als der Hautausschlag beginnt.

Die Auslöser für eine Reaktivierung der Viren

Bestimmte Faktoren können dazu führen, dass die Viren wieder aktiv werden. Dies ist oft bei einer Abwehrschwäche der Fall, meist krankheitsbedingt oder im höheren Alter.

Diverse Traumata, auch Stress oder erhöhte UV-Strahlung, schwächen das Immunsystem, ebenso Medikamente, welche die körpereigene Abwehr belasten, wie z.B. TNF-Blocker bei einer Rheuma-Therapie. Nicht selten folgt Herpes Zoster auch auf einen schweren Sonnenbrand.

Außerdem geht eine Abwehrschwäche oft mit erheblichen Erkrankungen und Behandlungen einher.

Bei AIDS etwa sind die T-Zellen des Immunsystems gestört und eine Chemotherapie bekämpft auch die Abwehrzellen. Nicht zuletzt sind angeborene Immundefekte die Ursache, wenn Komponenten der körpereigenen Abwehr reduziert sind oder komplett fehlen.

Weil mit zunehmendem Alter das Immunsystem an Leistungsfähigkeit verliert, tritt die Gürtelrose meist erst ab einem Alter von 40 Jahren auf. Kinder oder junge Erwachsene sind selten betroffen.

Welche Anzeichen sind zu beachten?

Bei Windpocken ist der Körper als Ganzes befallen, bei der Zweitinfektion zeigen sich Symptome nur einseitig und lokal begrenzt, und zwar genau in der Hautregion, die mit dem jeweiligen Hirn- oder Rückenmarksnerv verbunden ist. Die Anzeichen variieren hinsichtlich ihres Schweregrads, dennoch ist meist ein bestimmtes Muster erkennbar.

Zunächst stellt sich häufig eine gewisse Abgeschlagenheit ein, ggf. mäßiges Fieber und einseitige Schmerzen in einem bestimmten Hautbereich. Auch ein Juckreiz kann bisweilen hinzukommen und etwa vier Fünftel der Betroffenen klagen bereits über Schmerzen vor dem ersten Auftreten der Hautveränderungen.

Die Rückbildung der Symptome

Die Haut rötet sich zunächst, dann folgen die typischen Bläschen, die gruppenweise und manchmal in Rosettenform auftreten. Bisweilen sind sie mit Blut gefüllt, platzen dann nach wenigen Tagen auf und verkrusten. Ebenfalls können sie Narben sowie blasse oder verfärbte Hautstellen hinterlassen. Die vollständige Rückbildung der Anzeichen kann bis zu vier Wochen andauern.

Die Schmerzen können jedoch auch weiter anhalten, denn die Viren greifen die Nerven an, was sich in einem Stechen oder Brennen äußern kann, das immer wieder urplötzlich einschießt. Der Patient empfindet den neuropathischen Schmerz oft als stark und belastend, besonders nach dem Zurückgehen des Ausschlags (als sog. postherpetische Neuralgie).

Die Gürtelrose ohne Hautsymptomatik: Der Zoster sine herpete

In einzelnen Fällen bleiben die Hauterscheinungen komplett aus. Dann kann auch die Diagnose schwerfallen und der Arzt vermutet in manchen Fällen sogar akute Erkrankungen wie einen Bandscheibenvorfall, ein Magengeschwür oder sogar einen Herzinfarkt. All diese Möglichkeiten können jedoch nach und nach ausgeschlossen werden, bis schließlich eine Zoster sine herpete festgestellt werden kann.

Mögliche Komplikationen

Grundsätzlich kann jede Körperregion von der Erkrankung betroffen sein. Schwerwiegende Erkrankungen treten zwar selten auf, sind aber insbesondere bei Beteiligung der Hirnnerven, des Ohrs (Zoster oticus) oder des Auges bedenklich.

Bleibende Sehstörungen können die Folge sein, wenn die Regenbogenhaut, die Hornhaut oder der Sehnerv in Mitleidenschaft gezogen werden, in Extremfällen ist sogar eine Erblindung möglich.

Tritt die Gürtelrose in den Bereichen um das Ohr auf, kann sich unter Umständen eine Gesichtslähmung oder Fazialisparese entwickeln, in wenigen Fällen auch bei einer Infektion in der Halsregion.

Neuere Beobachtungen legen nahe, dass sogar ein Schlaganfall als Folge entstehen kann.

Lebensbedrohliche Komplikationen können durch eine Ausbreitung auf innere Organe vorkommen, wobei Mediziner vom sog. disseminierten Zoster sprechen. Selten kommt es auch zu einer Entzündung des Gehirns (Zoster Meningitis) oder der Hirnhäute (Zoster Enzephalitis).

Harmlos bei Kindern

Im Kindesalter ist der Krankheitsverlauf überwiegend harmlos und meistens frei von Komplikationen. Bei einem Erwachsenen können die Nervenentzündungen jedoch einen chronischen Verlauf entwickeln, der über Monate oder gar Jahre bestehen bleibt (postzosterische Neuralgie).

Das Risiko für derartige Entwicklungen verstärkt sich bei einer Gürtelrose im Bereich des Kopfes und steigt mit zunehmendem Alter.

Wie wird eine Gürtelrose festgestellt?

Liegt ein Verdacht auf Gürtelrose vor, sollte der Patient zunächst seinen Hausarzt oder einen Dermatologen aufsuchen. Bei Anzeichen im Augenbereich sollte jedoch ein Augenarzt aufgesucht werden, ist das Ohrenumfeld betroffen, ist ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt der geeignete Ansprechpartner.

Bei einem typischen Krankheitsbild kann der Mediziner sehr bald die Diagnose Gürtelrose stellen.

Gerade im Anfangsstadium kann der Befund jedoch auch schwierig sein. Allgemeines Unwohlsein und ein beginnender Ausschlag lassen auch einige weitere Ursachen vermuten, aber mittlerweile etablierte Testverfahren sind sehr gut dazu geeignet, den Herpes Zoster eindeutig zu erkennen und andere Krankheiten auszuschließen.

Im Wesentlichen sind hier zwei Diagnose-Verfahren üblich. Der direkte Nachweis erkennt das Virus nach einem Wundabstrich bei der anschließenden Polymerase-Kettenreaktion (PCR) oder in einer Zellkultur.

Die zweite Möglichkeit ist eine Untersuchung des Bluts des Betroffenen auf die spezifischen Antikörper, die sich gegen das Virus bilden. In diesem Fall spricht man vom indirekten Nachweis.

Besteht die Befürchtung, das Gehirn könnte infiziert sein, wird auch eine Probe aus dem Nervenwasser (Liquor) entnommen, um sie zu analysieren.

Die Behandlung der Erkrankung

So unangenehm die Beschwerden im Einzelfall sein können, für die Behandlung stehen eine Vielzahl von Medikamenten zur Verfügung, die zuverlässig Linderung verschaffen können. Gegen die auftretenden Schmerzen hilft bereits ein leichtes Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen, das auch das Fieber senkt. Bei stärkeren Symptomen verordnet der Arzt auch eine höhere (rezeptpflichtige) Dosierung.

Der Hautausschlag wird mit Hautpflegemitteln kuriert, gegen den Juckreiz werden verschiedene spezielle Tinkturen und Salben eingesetzt. Einige dieser Präparate bewirken ein schnelleres Austrocknen der Hautbläschen, auch die Krusten lösen sich auf diese Weise schneller.

So stellt sich normalerweise in kurzer Zeit eine Linderung der Symptomatik ein. Für die ursächliche Behandlung des Virus können anti-virale Medikamente eingesetzt werden, die das Virus direkt bekämpfen.

Verlauf und Prognose bei Gürtelrose

Die Prognose ist im Allgemeinen gut, denn bei einem gesunden Immunsystem heilt die Gürtelrose in wenigen Wochen aus. Zunächst platzen die Bläschen, verkrusten dann und schließlich löst sich der Schorf nach ein paar Tagen von der Haut.

In seltenen Fällen ergeben sich allerdings Komplikationen, wenn sich etwa die betroffenen Hautbereiche mit Bakterien infizieren. Auch Pigmentstörungen sind möglich, des Weiteren kann es zum Einschmelzen der Haut, Narbenbildung und Einblutungen kommen, zusätzlich kann es zu Empfindungsstörungen und Lähmungserscheinungen in den betroffenen Arealen kommen.

Ist das zentrale Nervensystem befallen, kann sich eine Hirnhaut- oder Hirnentzündung entwickeln. Bei einem generalisierten Herpes Zoster ist sogar Körper befallen, was auch innere Organe einschließt.

Impfung gegen Windpocken

Die aktuell aus anderen Zusammenhängen bekannte Ständige Impfkommission der Ärzteschaft (STIKO) empfiehlt die VZV-Impfung für alle Kinder und Jugendliche als verlässlichen Schutz gegen die Kinderkrankheit Windpocken.

Damit ist auch einer unter Umständen folgenden Gürtelrose vorgebeugt. Sinnvoll ist die Impfung auch bei Risikopatienten, etwa während der Schwangerschaft, bei schwerer Neurodermitis oder vor Transplantationen.

Über 60-Jährigen empfiehlt das Robert-Koch-Institut einen Impfstoff, der aus abgetöteten Erregern gewonnen wird. Im Gegensatz zu einem Lebendimpfstoff besteht dann nicht das Risiko, dass sich die Viren im Organismus einnisten und später eine Gürtelrose verursachen.

Solltest du noch Fragen haben oder weitere Informationen zu Windpocken bzw. Gürtelrose benötigen, kannst du jederzeit den Arzt deines Vertrauen konsultieren, der dir gerne weiterhilft.

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