Zuletzt aktualisiert: April 2021

Die Funktionen und Aufgaben von Cholesterin

Cholesterin gehört zur Gruppe der sogenannten Lipide, ist also eine fettähnliche Substanz. Im menschlichen Organismus übernimmt es zahlreiche Funktionen und Aufgaben und ist unter anderem dafür zuständig, geschädigte Zellen zu reparieren bzw. ist Cholesterin auch an der Produktion von Vitamin D beteiligt. Ein zu hoher Cholesterinspiegel kann allerdings zu verschiedensten Erkrankungen führen.

Was genau ist Cholesterin?

Cholesterin ist eine lebenswichtige, fettähnliche Substanz, die in unserem Körper verschiedenste Aufgaben zu erfüllen hat. So ist Cholesterin beispielsweise am Zellmembran-Aufbau bzw. an zahlreichen Gehirn-Stoffwechselvorgängen beteiligt, darüber hinaus spielt es auch bei der Gallensäure-Produktion, bei der Herstellung von Vitamin D bzw. bei der Bildung von verschiedenen Hormonen eine wesentliche Rolle.

Die Cholesterinmenge, die wir täglich benötigen, wird vom Organismus selbst hergestellt, etwa ein Viertel des gesamten Cholesterins nehmen wir mit der Nahrung auf. Insofern kann man also mit einer Umstellung der Ernährung auch den Cholesterinspiegel beeinflussen.

Gutes bzw. schlechtes Cholesterin

Für den Transport im Blut verbindet sich das Cholesterin, das wasserunlöslich ist, mit wasserlöslichen Eiweißen. Dadurch entstehen sogenannte Lipoproteine, die im Körper unterschiedliche Aufgaben übernehmen. Je nach Protein- bzw. Lipidanteil kann man sie in High-Density-Lipoproteine (HDL), Low-Density-Lipoproteine (LDL) sowie Very-Low-Density-Lipoproteine (VLDL) unterteilen. Das HDL hat nur einen geringen Lipid-Anteil und wird daher auch als "gutes Cholesterin" bezeichnet, während das LDL auch "schlechtes Cholesterin" genannt wird, da sein Lipid-Anteil sehr hoch ist.

VLDL-, die Vorstufe zum LDL, sowie LDL-Cholesterin sind für den menschlichen Organismus sehr ungesund und bergen die Gefahr, dass sich an den Gefäßwänden Ablagerungen bilden, wodurch ein höheres Risiko für eine Arterienverkalkung besteht. Ein gutes Verhältnis zwischen HDl- bzw. LDL-Cholesterin wirkt sich hingegen positiv auf unseren Cholesterinspiegel aus. Je mehr LDL sich also in den Adern befindet, desto mehr Cholesterin kann sich auch an den Gefäßwänden ablagern und desto höher ist dann auch das Risiko, dass eine Herz-Kreislauf-Erkrankung entsteht.

Ursachen für einen erhöhten Cholesterinspiegel

Ein erhöhter Cholesterinspiegel kann unterschiedliche Ursachen haben. Ungefähr 70 Prozent aller Hypercholesterinämien sind sekundär bedingt, das heißt, sie treten beispielsweise aufgrund einer fettreichen bzw. falschen Ernährung auf, das heißt, die Betroffenen nehmen in diesem Fall zu viele gesättigte Fettsäuren auf.

Darüber hinaus können auch verschiedene Erkrankungen, wie zum Beispiel Zuckerkrankheit, Nierenleiden oder eine Schilddrüsenunterfunktion, oder auch Medikamente den Cholesterinspiegel erhöhen.

Eine weitere Möglichkeit ist eine familiäre oder primäre Hypercholesterinämie, das heißt, die Betroffenen haben eine genetische Veranlagung, einen hohen Cholesterinspiegel zu entwickeln. Bei diesen Menschen sind die Rezeptoren für Fettstoffe nur zum Teil oder gar nicht vorhanden, sodass das LDL-Cholesterin nicht andocken und in die Zellen aufgenommen werden kann. Dadurch wird es nur unzureichend gefiltert und sammelt sich in weiterer Folge im Blut an. Dadurch steigt auch der Cholesterinspiegel und das Risiko für Erkrankungen.

Bei Patienten, die an einer heterozygoten familiären Hypercholesterinämie leiden, ist der Cholesterinspiegel bereits vor einem Alter von 55 Jahren erhöht, wodurch sie ein 10-fach höheres Risiko für einen Schlaganfall bzw. einen Herzinfarkt haben.

Richtwerte für das Cholesterin

Liegen die Blutfettwerte nicht innerhalb der Norm, so steigt - wie bereits erwähnt - das Risiko für eine kardiovaskuläre Erkrankung. Prinzipiell gilt, dass der LDL-Wert möglichst niedrig und der HDL-Wert möglichst hoch sein sollte.

Beurteilt werden Blutfettwerte dabei immer im Zusammenhang eines kardiovaskulären Gesamtrisikos, dieses bezeichnet die Wahrscheinlichkeit, dass eine Person innerhalb eines bestimmten Zeitraumes ein kardiovaskuläres Ereignis erleiden könnte. Die Risikokategorie wird dabei in sehr hoch, hoch, mäßig und gering unterteilt, wobei Faktoren wie beispielsweise das Vorliegen anderer Erkrankungen hier eine Rolle spielen.

Ein niedriges Risiko liegt bei folgenden Richtwerten vor:

  • Gesamtcholesterin unter 190 mg/dl = 5,0 mmol/l
  • LDL unter 116 mg/dl = 3,0 mmol/l
  • HDL zumindest 40 mg/dl bei Männern bzw. 48 mg/dl bei Frauen
  • Triglyzeride unter 150 mg/dl = 1,69 mmol/l

(Quelle: https://www.cholesterinspiegel.de/auffaellige-cholesterinwerte/)

Richtwerte für Personen mit mittlerem Risiko:

  • Gesamtcholesterin unter 190 mg/dl = 5 mmol/l
  • LDL unter 100 mg/dl = 2,6 mmol/l
  • HDL zumindest 40 mg/dl bei Männern bzw. 48 mg/dl bei Frauen
  • Apolipoprotein A1 über 120 mg/dl (Frauen >140 mg/dl)
  • Triglyzeride unter 150 mg/dl = 1,69 mmol/l
  • Non-HDL-Cholesterin unter 130 mg/dl
  • Apolipoprotein B unter 100 mg/dl

(Quelle: https://www.cholesterinspiegel.de/auffaellige-cholesterinwerte/)

Menschen, die in diese Profil-Bestimmung fallen, haben das Risiko von 1 bis 5 %, in den nächsten zehn Jahren einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt zu erleiden.

Folgende Richtwerte gelten für Personen mit einem hohen Risiko:

  • Gesamtcholesterin unter 190 mg/dl = 5 mmol/l
  • LDL unter 70mg/dl = 1,8 mmol/l (oder Senkung um 50%)
  • HDL mindestens 40 mg/dl (Frauen: 48 mg/dl)
  • Apolipoprotein A1 über 120 mg/dl (Frauen über 140 mg/dl)
  • Triglyzeride unter 150 mg/dl = 1,69 mmol/l
  • Non-HDL-Cholesterin unter 100 mg/dl
  • Apolipoprotein B unter 80 mg/dl

(Quelle: https://www.cholesterinspiegel.de/auffaellige-cholesterinwerte/)

Ein hohes Risiko besteht dann, wenn das Risiko für einen Schlaganfall bzw. Herzinfarkt in den kommenden zehn Jahren zwischen 5 und 10 % liegt. Zu dieser Gruppe gehören auch Personen, die an einer angeborenen familiären Cholesterinerhöhung bzw. an einer mäßigen Nierenschwäche, Diabetes mellitus, einer massiven Hypertonie sowie niedrigen HDL-Werten leiden. Hoch ist das Risiko auch dann, wenn Eltern bzw. Geschwister einen Schlaganfall oder Herzinfarkt vor dem 60. Lebensjahr erlitten haben.

Von einem sehr hohen Risiko spricht man bei folgenden Richtwerten:

  • Gesamtcholesterin unter 180 mg/dl = 4,64 mmol/l
  • LDL unter 55 mg/dl = 1,4 mmol/l (oder Senkung um 50%)
  • HDL mindestens 40 mg/dl (Frauen: 48 mg/dl)
  • Apolipoprotein A1 über 120 mg/dl (Frauen über 140 mg/dl)
  • Triglyzeride unter 150 mg/dl = 1,69 mmol/l
  • Non-HDL-Cholesterin unter 85 mg/dl
  • Apolipoprotein B unter 6 0 mg/dl

(Quelle: https://www.cholesterinspiegel.de/auffaellige-cholesterinwerte/)

Bei diesen Patienten liegt das 10-Jahresrisiko für einen Schlaganfall bzw. einen Herzinfarkt bei mehr als 10 %. Darüber hinaus zählen auch Personen, die bereits einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt hatten zu dieser Risikogruppe.

Auch zu niedrige Cholesterinwerte sollten von einem Fachmann untersucht werden, da sich dahinter verschiedene Erkrankungen wie zum Beispiel Morbus Crohn, ein schwerer Leberschaden oder eine Schilddrüsenüberfunktion verbergen können.

Ausgewogene Ernährung bei hohen Cholesterinwerten

Personen, die einen hohen Cholesterinwert aufweisen, können diesen durch eine gesunde und ausgewogene Ernährung wieder normalisieren. Vor allem Obst, Gemüse bzw. Vollkornprodukten sollten dann regelmäßig aufgenommen werden, bei Übergewicht ist zudem eine Gewichtsreduktion anzuraten, damit man möglichen Herz-Kreislauf-Erkrankungen entgegenwirken kann.

Damit man Übergewicht abbauen kann, sollte man zu viel Zucker bzw. einfache Kohlenhydrate meiden, wie sie zum Beispiel in zahlreichen Fertigprodukten zu finden sind. Darüber hinaus sollten die Betroffenen auch die Aufnahme tierischer Fette verringern und stattdessen zu pflanzlichen Fetten greifen, die einen positiven Einfluss auf den HDL-Wert haben.

Besonders günstig wirkt sich mediterrane Kost, wie zum Beispiel Fisch, Gemüse und Obst auf den Cholesterinspiegel aus. Fisch enthält Omega-3-Fettsäuren, die günstig für die Cholesterinwerte sind. Auch Walnüsse haben eine sehr positive Wirkung und können die Triglycerid- und LDL-Werte signifikant senken, da Walnüsse ebenfalls Omega-3-Fettsäuren enthalten. Auch Knoblauch kann die Cholesterinproduktion hemmen, wobei er das LDL senkt, andererseits aber das HDL erhöht.

Für die Praxis bedeutet das, dass man verstecktes bzw. sichtbares tierisches Fett vermeiden sollte. Verstecktes Fett ist beispielsweise in Milch, Käse und Wurst, aber auch in zahlreichen Fertiggerichten und Soßen zu finden.

Bevorzugt werden sollten zudem fettarme Zubereitungsarten wie Dünsten oder Grillen, darüber hinaus empfiehlt es sich, auf fettarme Wurst- bzw. Fleischprodukte zurückzugreifen. Achte zudem auch darauf, dass du mehrmals pro Tag frisches Gemüse und Obst aufnimmst, möglichst als Salat oder als Rohkost. Butter kann man durch Diätmargarine ersetzen, die über einen hohen Anteil ungesättigter Fettsäuren verfügt.

Diese Form der Ernährung wird auch fettmodifizierte Kost genannt, wobei es nicht darum geht, dass man auf tierische Fette vollkommen verzichtet, sondern sie im richtigen Verhältnis aufnimmt. Eine fettmodifizierte Ernährung ist eine ausgeglichene Kost, die dich gesund und leistungsfähig erhält.

Cholesterin und Bewegung

Neben einer ausgewogenen Ernährung kann auch regelmäßiger Sport den Cholesterinspiegel beeinflussen. Ein Bewegungsdefizit kann das LDL erhöhen, wohingegen regelmäßige körperliche Aktivitäten HDL und LDL besser verteilen.

Ein moderates Ausdauertraining, das regelmäßig durchgeführt wird, kann das "gute" Cholesterin HDL um etwa 10 Prozent anheben. Darüber hinaus hat Sport auch einen positiven Einfluss auf unsere Gefäße und kann diese elastisch halten.

Empfohlen werden etwa drei Sporteinheiten von etwa 30 Minuten pro Woche, wobei Ausdauersportarten wie Radfahren, Laufen, Walken oder Schwimmen zu bevorzugen sind. Der Intensitätsbereich sollte moderat sein, denn durch eine Über- bzw. Unterbelastung wird eher der Zuckerstoffwechsel als der Fettstoffwechsel angesprochen.

Bevor man mit einer körperlichen Aktivität beginnt, sollte man auch mit dem behandelnden Arzt darüber sprechen, wie viel man sich selbst zumutet. Mehr Bewegung kann man auch ganz einfach in den Alltag  integrieren, indem man zum Beispiel manche Wege zu Fuß zurücklegt oder mit dem Rad fährt.

Medikamente, die das Cholesterin senken

Reicht die Umstellung auf eine ausgewogene Ernährung inklusive Reduzierung des Gewichtes nicht aus, so ist zusätzlich eine Therapie mit Medikamenten notwendig. Heutzutage kann man aus einer großen Palette an cholesterinsenkenden Wirkstoffen wählen, die auch an die individuellen Bedürfnisse angepasst werden können. Dazu gehören:

Statine

Statine gehören zu den sogenannten CSE-Hemmern und werden bei einem erhöhten Cholesterinspiegel am häufigsten verschrieben. Mithilfe von Statinen wird die körpereigene Cholesterinproduktion blockiert. Die Zellen nehmen dadurch mehr LDL-Cholesterin auf, wodurch das "schlechte" Cholesterin im Blut reduziert und das "gute" Cholesterin erhöht wird. Dadurch wird auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen gesenkt. Darüber hinaus haben Statine auch eine entzündungshemmende Wirkung und können Gefäßablagerungen stabilisieren.

Ezetimib

Werden Statine nicht vertragen, so kann man auch eine Behandlung mit Ezetimib in Erwägung ziehen. Dieses Medikament hemmt das Cholesterin, das man über die Nahrung aufnimmt, gleichzeitig wird aber auch die körpereigene Produktion von Cholesterin angeregt. Dadurch wird der Cholesterinspiegel letztendlich nur um ungefähr 15 bis 20 Prozent gesenkt.

Bempedoinsäure

Mit Hilfe von diesem Wirkstoff kann das ATP-Citrat-Lyase (ACL)-Enzym, das an der Synthese von Cholesterin beteiligt ist, gehemmt werden. Wird Bempedoinsäure gemeinsam mit Statinen verabreicht, so kann das LDL zusätzlich noch um 28% reduziert werden.

PCSK9-Hemmer

Zu den PCSK9-Hemmern zählen Alirocumab bzw. Evolocumab, dabei handelt es sich um Antikörper, die die Patienten alle zwei Wochen mithilfe eines Injektions-Pens verabreicht bekommen.

PCSK9-Hemmer verhindern, dass LDL-Rezeptoren in der Leber abgebaut werden, wodurch sie frei bleiben und LDL-Cholesterin binden können. Dadurch wird das Blut vom "schlechten" Cholesterin gereinigt und der LDL-Wert sinkt um etwa 60 Prozent. Der Nachteil ist, dass die Kosten für dieses Medikament sehr hoch sind, gemeinsam mit Statinen sind PCSK9-Hemmer allerdings in der Wirkung ideal.

Fibrate

Fenofibrat bzw. Bezafibrat senken das LDL im Blut, darüber hinaus wird auch die Triglycerid-Produktion eingeschränkt. Fibrate werden daher vor allem dann eingesetzt, wenn eine Senkung des Triglyceridspiegels notwendig ist.

Pflanzliche Cholesterinsenker

Auch pflanzliche Medikamente wie Knoblauch- oder Artischocken-Extrakte können eine cholesterinsenkende Wirkung haben. Unterstützend dazu kann man dann auch Flohsamen oder Leinsamen einnehmen.

Roter Reis

Darüber hinaus gibt es Präparate, die aus rotem Reisschimmel hergestellt werden und Monacolin K enthalten, das einem Statin gleicht. Zu beachten ist, dass die Qualität der Präparate, die angeboten werden, oft sehr stark variiert. Daher ist von einer Selbstmedikation abzuraten.

Auch unter medikamentöser Behandlung solltest du deinen Lebensstil aber anpassen, damit das Therapieziel erreicht werden kann und Medikamente nur in einer relativ geringen Dosis eingenommen werden müssen.

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