Mai 2020 | Lesezeit 5 Minuten


Die drei Disziplinen der Osteopathie

Das Gewebe des menschlichen Organismus kommuniziert mit jeder Bewegung des Körpers.  

Die Beweglichkeit von Knochen, Muskulatur, Sehnen oder Organen kann allerdings eingeschränkt sein – dies kann häufig nach Unfällen oder Operationen vorkommen, aber auch unter den üblichen Alltagsbedingungen kann es durch Fehlhaltungen oder Fehlbelastungen zu Störungen der natürlichen Organisation kommen. Die Folgen können dann andauernde Schmerzen, Nervenreizungen oder eine partielle Bewegungseinschränkung sein.  

Das Ziel einer osteopathischen Behandlung ist der Erhalt oder die Wiederherstellung der lebensnotwendigen Bewegungsfähigkeit des Körpers und seiner Harmonie.  

In seinem natürlichen Zustand besitzt der Körper die Fähigkeit, sich aus eigenem Antrieb zu regulieren - Krankheiten und Störungen der üblichen Abläufe werden erkannt und korrigiert.

Allerdings kann der menschliche Organismus diese Fähigkeit verlieren – in diesem Fall kann auf die Osteopathie zurückgegriffen werden, deren Ziel es ist, die Selbstheilungskräfte erneut zu aktivieren.  

Wie auch andere Naturheilverfahren gehört die Osteopathie zu den Regulationstherapien.

Andere Bezeichnungen für die Behandlungsmethode sind „manuelle Therapie”, Chirotherapie oder Chiropraktik. 

Osteopathie-Behandlung

Die Behandlung von körperlichen Beschwerden durch Osteopathie erfreut sich in den letzten Jahrzehnten immer größerer Beliebtheit.

Die Geschichte der Osteopathie 

Im Zentrum der Osteopathie steht der Körper des Menschen mit seinen komplexen Konstruktionen.

Die Methode wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts von Andrew Taylor Still entwickelt.

Der Begriff ist eine Ableitung aus den griechischen Bezeichnungen „Osteo” für Knochen und „Pathie” für Krankheit.

Der Amerikaner prägte das System und die Philosophie der Osteopathie und gründete in den USA die erste Schule dieser Behandlung – nach wie vor sind Osteopathen in aller Welt bis heute seinen Prinzipien verpflichtet. 

Die Theorie der Behandlungsmethode beschreibt den Organismus als eine Funktionseinheit. 

Durch Ertasten erkennt der Therapeut Veränderungen der anatomischen Strukturen: Knochen, Muskeln und Bänder geben Auskunft über Einschränkungen und Hinweise auf nötige Anpassungen oder Korrekturen.  

Klagt ein Patient über Einschränkungen der Beweglichkeit, oder verspürt gar Schmerzen, verfügt der Osteopath über eine ganze Reihe von Griff- oder Berührungstechniken, mit denen er die Einschränkungen beheben kann. Damit setzt er die körpereigene Regeneration in Gang und aktiviert die Selbstheilung des Organismus.

Aufgabe des Therapeuten ist es also, Hilfe zur Selbsthilfe für den Körper zu leisten. 

Seit den 1980er-Jahren verbeitet sich die Osteopathie in Deutschland zunehmend und findet in den letzten zehn Jahren immer mehr Beachtung - der Verband der Osteopathen in Deutschland (VOD) gibt an, dass jährlich 20 Millionen osteopathische Behandlungen stattfinden. 

Was genau ist Osteopathie? 

In seiner „osteopathischen Theorie”, die er selbst als Philosophie bezeichnet, hat Still die Grundlagen seiner Behandlungsmethode dargelegt: Der Körper ist eine Einheit diverser Funktionen und Störungen an einer bestimmten Stelle wirken sich auch auf ganz andere Bereiche aus.  

Durch die Behandlung des Bewegungsapparats und des Knochengerüsts behebt der Therapeut solche Störungen, denn die Funktion bestimmt die Struktur des Körpers und umgekehrt.  

Durch das Gefäß- und Nervensystem findet die Versorgung des Organismus statt.  

Alle Körperfunktionen sind von einer funktionierenden Bereitstellung von Nährstoffen abhängig, Stoffwechselprodukte müssen abtransportiert und ausgeschieden werden.  

Egal, ob eine verspannte Muskulatur vorliegt, Gelenke blockiert sind oder eine Arterienverkalkung den Blutkreislauf beeinträchtigt: All diese Einschränkungen behindern die Versorgung über den Blutkreislauf oder das Lymphsystem – die Folge sind Krankheitssymptome. 

Nach Stills Auffassung wird der Organismus versuchen, die Störungen zu kompensieren.  

Der Osteopath erspürt mit seinen Händen die Grundspannungen der Muskeln, Gelenke und Knochen und erkennt gestörte Funktionen. 

Der Körper versucht zwar, diese Funktionen durch Selbstheilung zu gewährleisten - dies gelingt häufig aber nur bedingt.

Der Osteopath unterstützt den Körper immer dann, wenn die Störungen zu groß geworden sind und die Selbstheilungskräfte des Organismus nicht mehr ausreichen oder selber bereits geschwächt sind. 

Normalerweise verhindert die perfekte Ausrichtung von Muskeln und Skelett Hindernisse in den Versorgungssystemen und gewährleistet somit einen optimalen Gesundheitszustand – sollte der Körper aus dem Gleichgewicht geraten, stehen dem Therapeuten diverse manipulative Techniken zur Verfügung, um die ideale Positionierung wiederherzustellen.  

Systeme der Osteopathie  

Der Osteopath verschafft sich mit seinen Behandlungstechniken einen Überblick über Blockaden und Einschränkungen, denen der Organismus unterliegt. 

Außerdem behandelt er Beschwerden durch Mobilisation, Manipulation und diverse Muskeltechniken.

Damit löst er die entstandenen Einschränkungen und Blockaden, damit anschließend die normalen Körperfunktionen den Heilungsprozess fortführen.  

Diese Beschwerden können mit Osteopathie behandelt werden 

Viele gesundheitliche Probleme haben ihre Ursache im Rücken- und Nackenbereich.

Hierzu gehören insbesondere der Hexenschuss, Schulterschmerzen, Versteifungen der Muskulatur, der Arme und Beine und Hernien, außerdem Gelenkprobleme wie Frozen Shoulder und diverse Kopfschmerzen wie z.B. der Spannungskopfschmerz, die Migräne oder Schwindel.  

Unter dem Überbegriff der Organbeschwerden behandelt der osteopathische Therapeut Sodbrennen, Völlegefühl, Verstopfungen und andere Verdauungsbeschwerden sowie Regulierungsanomalien der Magensäure. 

Des Weiteren sind Sportverletzungen wie Verstauchungen, Entzündungen und Krämpfe ebenfalls Behandlungsgebiete der Osteopathie. 

Die Osteopathie hilft außerdem Kindern bei Reflux (übermäßigen Weinen), funktionalen Haltungsabweichungen, Konzentrationsstörungen, Verhaltensauffälligkeiten, Rückständen in der Entwicklung, Schlafstörungen, Darmkrämpfen, Bauchschmerzen und Stuhlproblemen 

Die drei Disziplinen der Osteopathie 

Insgesamt sind drei Disziplinen Bestandteil der osteopathischen Behandlungsweise.  

Die Antwort auf die Frage „Was ist Osteopathie?” besteht also auch aus drei Teilen:  

Die parietale Osteopathie behandelt Gelenke, Muskulatur und Bindegewebe.

Die inneren Organe und ihre Aufhängung durch Bindegewebe zählen zum Aufgabengebiet der viszeralen Osteopathie.

Die inhärenten Rhythmen des Organismus werden von der cranio-sacralen Osteopathie behandelt. 

Im Folgenden werfen wir noch einmal einen genaueren Blick auf die drei verschiedenen Bereiche. 

Die viszerale Osteopathie 

In einer ärztlichen Praxis besteht ein großer Teil der Beschwerden der Patienten aus funktionellen Erkrankungen, was bedeutet, dass kein ersichtlicher Organbefund vorliegt.  

Im Zentrum der viszeralen Osteopathie steht der Zusammenhang zwischen den Organen, dem Nervensystem und den Extremitäten.  

Als Unterabteilung der Osteopathie konzentriert sich die viszerale Therapie auf die funktionellen Erkrankungen der inneren Organe.  

Symptome und ihre Ursachen 

Als Ursachen funktioneller Erkrankungen beschreibt die viszerale Osteopathie Störungen der Organbewegungen. 

Besondere Merkmale eines jeden Organs sind seine innerliche und räumliche Beweglichkeit.  

Die natürliche Beweglichkeit verschiedener Organe zueinander und darüber hinaus zu einhüllenden, stützenden Strukturen ist die Grundlage für eine verlässliche Funktion des Organismus und Beschwerdefreiheit des Patienten. 

Zusätzlich vollführt jedes Organ fortwährend feine Eigenbewegungen. Diese sind tastbar und geben Auskunft über den jeweiligen Zustand seiner Vitalität - dieses Prinzip bezeichnet der Osteopath als Motilität. 

In der embryonalen Entwicklung unserer Organe können sich bereits spätere Probleme herausbilden und manifestieren.

Typische Indikatoren für eine notwendige Behandlung sind Senkungen von Niere, Blase oder Gebärmutter, die bekannten Folgen daraus sind Inkontinenz, Menstruations- und Zyklusstörungen.  

Jedes Organ sollte über eine gesunde Mobilität und Motilität (Rhythmik) verfügen, um seine Funktion normal ausführen zu können. 

Damit seine Gesundheit erhalten bleibt, reagiert das Organ auf unterschiedliche Situationen und funktionelle Anforderungen: Wird beispielsweise etwa eine Mahlzeit eingenommen, muss die Magenschleimhaut besser durchblutet sein.  

Unter emotionalen Belastungen passiert dasselbe, die Blutzufuhr wird erhöht.

Bleibt die Stresssituation bestehen, ermüdet schließlich das Organ und die Reflexmechanismen über Nerven- und Blutsysteme werden nach und nach erschöpft. Als Folge geht die adäquate Versorgung des Organs verloren, und es kommt darüber hinaus zu einem Nachlassen der räumlichen Stabilität. 

Der Körper versucht aber gleichzeitig fortwährend, die Harmonie zu wahren und so entsteht eine Spannungsänderung innerhalb des Organs. Die Nachbarorgane stützen zusätzlich das beanspruchte und geschwächte Organ, um die Disharmonie zu kompensieren.  

Wenn dieser Prozess längere Zeit anhält, verlangt er mit der Zeit sehr viel Energie und die sich einstellende Ermüdung wird zunächst von den Muskeln und einer in der Folge überspannten Körperhaltung ausgeglichen.  

Eine Folge von überlasteten Muskelbereichen können etwa chronische Nackenschmerzen sein, oft sind auch Bandscheiben und Wirbelgelenke in einen derartigen Verlauf integriert.  

Ziel der Osteopathie ist nicht nur eine Linderung der Symptome, sondern die Beseitigung der Ursachen durch den Therapeuten.

Der Behandelnde „palpiert“ oder ertastet die Eigenbewegungen der Organe und erkennt so ihren Gesundheitszustand. Durch sanftes Bewegen mobilisiert er das Organ und korrigiert Fehlstellungen.  

Die Eigendynamik des behandelten Organs sowie die Balance mit dem Umfeld, der Muskulatur und dem Nervensystem werden wiederhergestellt. 

Die parietale Osteopathie 

Das Aufgabengebiet der parietalen Osteopathie sind krankhafte Veränderungen der Muskulatur und des Skeletts.

In diese Kategorie fallen die Muskeln, Knochen, Faszien, Gelenke, Bänder und Sehnen, die Anwendungsgebiete sind vielfältig.  

Die Beschwerden, derer sich die parietale Osteopathie annimmt, gehen von Bewegungseinschränkungen über Bandscheibenprobleme bis hin zu Haltungsschäden, aber auch die Behandlung von diversen Unfallfolgen wie einem Schleudertrauma, Verrenkungen und Verstauchungen als Sportverletzungen gehören zu ihrem Aufgabengebiet. 

Mit Hilfe verschiedener Behandlungstechniken bringt der Behandelnde nach den Vorgaben der Osteopathie fehlgestellte oder blockierte Gelenke in die normale physiologische Lage zurück - dafür nutzt er die Muskelenergie des Patienten, verkürzte Muskeln werden hierbei gedehnt, geschwächte Muskulatur gekräftigt. 

Außerdem mobilisiert der Therapeut Wassereinlagerungen im Gewebe, sogenannte Ödeme, und regt die Blut- und Lymphzirkulation an. Dies führt zu einer verbesserten Funktionalität des Gewebes.  

Die Osteopathie ist nachhaltiger und effektiver als das bloße Einrenken, da der Patient aktiv mitarbeitet und sich in die Übungen einbringt. Auf diese Weise wird die Behandlung nachvollziehbar, das Körpergefühl verbessert und das Bewusstsein für den eigenen Körper entwickelt. 

Der Therapeut wählt je nach Beschwerden und Krankheitsbild die entsprechende Methode.

Zu den in der parietalen Osteopathie angewendeten Techniken gehören unter anderem die Myofasziale Release-Technik, die Muskelenergie-Technik, die Cranio-Sacral-Technik, die Triggerpunkt-Therapie und das General-Osteopathic-Treatment 

Die Cranio-Sacral-Therapie 

Zum Behandlungsgebiet der cranio-sacralen Osteopathie gehören die Hirnhäute, die unser Gehirn unterteilen und umgeben, außerdem die Gehirnkammern und ihre Strukturen und die Membranen, von denen das Rückenmark umgeben ist. 

Die Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit, der Liquor, die in feinen Kanälen zwischen den Membranen fließt, die das gesamte Zentralnervensystem umgeben, kann bei der Behandlung ebenfalls eine Rolle spielen. 

Die Schädelknochen, das Bindegewebe und die Membranen werden in der Therapie indirekt bearbeitet, Blockaden des Systems werden wahrgenommen und behandelt.  

Im Bindegewebe sind alte Verletzungen – körperliche sowie seelische - gespeichert.  

Durch feinfühliges Therapieren erlangt der Behandelnde spontan Zugang zu tiefgehenden Erinnerungen. Alte Traumata können so zugänglich und verarbeitet, Blockaden gelöst werden.  

Das cranio-sacrale System findet durch die Osteopathie wieder in seine Balance - die Besonderheit dieses Verfahrens ist, dass der Therapeut direkt mit dem zentralen Nervensystem in Kontakt kommen kann. Damit greift die Behandlung weiter als eine rein symptomatisch und manipulativ ausgerichtete Therapie. 

Sehr viele Erkrankungen, seien sie körperlich oder psychisch bedingt, eignen sich für die therapeutische Begleitung durch die Osteopathie.  

Spezifische Beschwerden und Krankheitsbilder werden heilend unterstützt, wie z.B. Bandscheibenvorfälle, Lernschwierigkeiten und Sehstörungen, aber auch Erkrankungen, die durch schwerwiegende Anlässen ausgelöst wurden, können durch die Osteopathie behandelt werden – hierzu zählen z.B.  Gehirnerschütterungen oder Schädel- und andere Unfalltraumata.  

Sogar Dysfunktionen des Kiefergelenks sowie Stress und Depressionen stehen mit dem zentralen Nervensystem in Verbindung und können durch cranio-sacrale Osteopathie behandelt werden.  

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