April 2020 | Lesezeit 3 Minuten


Der Vagusnerv - Ein wirksames Werkzeug zur Stressbewältigung

Unsere Nerven spielen eine zentrale Rolle wenn es darum geht, wie sich die Menschen dem Stress im Alltag gewachsen fühlen. Nicht umsonst gibt es immer mehr Kurse, die der Stressbewältigung dienen.  

Doch können Präventionskurse, wie sie die Krankenkasse fördert (z.B. Yoga, Qigong oder progressive Muskelentspannung) wirklich vom Stress des Alltags befreien? 

„Entschleunige Dein Leben und gehe achtsam mit Dir um“ - Solche oder ähnliche Werbeslogans finden sich wie Sand am Meer, doch in den meisten Fällen stecken nur Marketing-Strategien dahinter, die uns dazu bringen sollen irgendwelche Produkte zu kaufen, die uns am Ende gar nicht helfen.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Stressbewältigung kein wichtiges Thema ist – das nötige Werkzeug hierfür müssen wir aber nicht erst kaufen, es befindet sich bereits in unserem Besitz, genauer gesagt in unserem Körper: Die Rede ist vom Vagusnerv.

Es gibt immer mehr wissenschaftliche Studien über unser autonomes Nervensystem und die Zusammenhänge von Parasympathikus und Sympathikus, die bei Stressaufkommen einen elementaren Einfluss auf unser Wohlbefinden haben.

Der Begriff Vagusnerv (auch "Hirnnerv" oder "Nervus Vagus" genannt) kommt aus dem Lateinischen und bedeutet übersetzt soviel wie „der umherschweifende Nerv“. Doch wie funktioniert der Vagusnerv, der auch als 10. Hirnnerv gilt, genau?

Zuerst schauen wir uns hierfür die Definition von zwei anderen Begriffen genauer an, die eine zentrale Rolle im autonomen Nervensystem der Menschen spielen:

Der Parasympathikus:

Der Parasympathikus ist zu einem großen Teil für die Steuerung der Ruhe bzw. inneren Gelassenheit zuständig. Er ist Teil des vegetativen Nervensystems und reguliert die für Aufbau und Regeneration des Gewebes notwendigen Körperfunktionen.

Der Vagusnerv, der oft als Synonym für den Parasympathikus verwendet wird, bildet dessen größten Teil, ist dabei allerdings nicht der einzige Nerv des parasympathischen Nervensystems und wird in Fachkreisen auch als Selbstheilungsnerv bezeichnet. 

​​​Der Sympathikus: 

Der Sympathikus ist das Gegenstück des Parasympathikus. Auch er gilt als wichtiger Bestandteil des vegetativen bzw. autonomen Nervensystems. Durch ihn werden vorwiegend Körperfunktionen gesteuert, die bspw. Organe wie Lunge, Leber, Herz, Darm oder Niere beeinflussen. 

Dieser Nerv kann den menschlichen Körper in erhöhte Leistungsbereitschaft versetzen und sorgt dafür, dass alle Organfunktionen optimal aufeinander abgestimmt werden und der Mensch Energiereserven bilden kann. 

​​Welche Rolle nimmt der Vagusnerv bei der Stressbewältigung ein?

Patienten diverser Studien berichten, dass durch einfache Stimulation des Nervus Vagus Krankheiten wie Angststörungen, Herzleiden, Panikattacken, Depressionen, aber auch durch Entzündungen initiierte Krankheit therapiert werden können. 

Auch Krankheitsbilder wie MS, Artrose, chronischer Reizdarm oder Tinnitus können mit einfachen Methoden der Stimulation des Vagusnerv wirksam geheilt werden. Nicht umsonst entstehen auch viele Arten von Kopfschmerzen wie Migräne vor allem bei erhöhtem Stressaufkommen. 

Der Vagusnerv ist als Selbstheilungsnerv ein wirkungsvolles Werkzeug, um Alltagsstress schnell entgegenwirken zu können.

Die feinen Äste des Nervenstrangs ziehen sich durch den ganzen Körper des Menschen und verlaufen vom Hirn aus über die Halsschlagader bis zu den einzelnen Körperzellen und Organen.

Im Darm sind die feinen Verästelungen besonders stark ausgeprägt und spielen eine wichtige Rolle für die Funktionsfähigkeit unseres Verdauungstraktes. Nicht umsonst wird auch vom sogenannten „Darm-Hirn“ gesprochen, wenn Menschen unter nervlicher Anspannung mit Durchfällen, Verstopfung oder weiteren Verdauungsstörungen leiden. 

Das menschliche Nervensystem kann durch regelmäßige Stimulation des Vagusnerv effektiv gestärkt werden, was wiederum die Stressbewältigung im Alltag positiv beeinflusst.

Mit welchen Übungen können Patienten den Vagusnerv aktivieren und stärken?

Es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten, wie man den Nervus Vagus ohne jegliche Hilfsmittel effektiv stimulieren kann. Die wirksamsten Methoden stellen wir Dir im Folgenden vor:

​Summen, Gurgeln und Singen

Der Vagusnerv spielt eine zentrale Rolle für Hals- und Rachenraum sowie die Stimmbänder. Wer bspw. im Stau steht oder sich aufregt, kann durch einfaches summen oder singen den Nerv so aktivieren, dass sich der innerliche Stress löst. 

Tiefe Bauchatmungen an der frischen Luft

Die Zwerchfellatmung ist ein weiterer guter Weg, um sich innerlich zu beruhigen. 

Das tiefe Einatmen an der frischen Luft durch die Nase und ebenso tiefes Ausatmen durch den Mund kann unsere Organe sofort stärken und ist auch präventiv wirksam. 

Die Lunge nimmt hierbei sofort Energie durch besonders frischen Sauerstoff auf, der auf direktem Weg an andere Organe wie Gehirn, Herz oder Leber weitergeleitet wird. Für Menschen mit regelmäßiger Migräne sind die Atemübungen besonders zu empfehlen.

​K​altes Wasser trinken

Wer kaltes Wasser in großen Schlucken trinkt, unterstützt generell Herz und Kreislauf. Auch die Aktivierung des Vagusnerv funktioniert auf diese Art und Weise, da es auf die selben Körperregionen einwirkt wie bspw. das im Vorangegangenen beschriebene Summen und Singen. 

K​älte – ein Wunder für die Nerven

Kälte bringt nicht nur den Kreislauf in Schwung und kurbelt die Blutzirkulation an, sie ist auch ein guter Stimulator für den Vagusnerv

Aus diesem Grunde kann es nie schaden Kühl-Akkus zur Hand zu haben, die nicht nur Schmerzen bei Entzündungen oder Schwellungen hemmen können, sondern auch den Nervus Vagus stärken, wenn sie in den Nacken oder an die Stirn gehalten werden. Auch Wechselduschen oder eine komplett kalte Dusche am Morgen stärken das Nervensystem.

F​azit

Wir hoffen, dass die verschiedenen Techniken zur Stimulation des Vagusnervs Dir und Deinen Patienten dabei helfen werden, das eigene Nervensystem wirkungsvoll zu stärken.

Fest steht in jedem Fall: Es gibt zahlreiche wissenschaftliche Beweise dafür, dass das vegetative Nervensystem und insbesondere der Parasympathikus eine entscheidende Rolle dabei spielen, wie effektiv wir Stress bewältigen können.

Viele Therapieformen setzen inzwischen als Ergänzung zur Schulmedizin erfolgreich Therapien zur Stimulierung des Vagusnervs ein.

Wie heißt es noch so schön? „Ein dickes Nervenkostüm ist die halbe Miete für ein gesundes Leben!“ Jeder, der sich aktiv für eine Stärkung der Nerven einsetzt wird merken, dass er die Strapazen des Alltags um einiges leichter bewältigen kann. 

Klingt das nicht nach einem guten Plan für die Zukunft?


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