Zuletzt aktualisiert: Januar 2021

Der Einfluss des Lockdowns auf Krebsbehandlungen

Viele Menschen haben im Frühjahr Krankenhäuser gemieden, da sie Angst hatten, sich dort mit dem Coronavirus zu infizieren. Eine neue Studie zeigt nun, dass im Jahr 2020 deutlich weniger Krebspatienten stationär aufgenommen worden sind als im Vorjahr.

Da es unwahrscheinlich ist, dass die Anzahl der Krebserkrankungen gesunken ist, führen die Wissenschaftler dies auf die Lockdown-Maßnahmen zurück. Für die Betroffenen kann das ernste Konsequenzen haben.

Die Studie, die von einem Team um den Mediziner Peter Reichhardt vom Helios-Klinikum in Berlin Bruch durchgeführt wurde, fand heraus, dass es im Jahr 2020 eine durchschnittliche Verringerung der stationären Aufnahmen für Therapien und/oder Diagnostik von 10-20 Prozent im Vergleich zu 2019 gegeben hat. Besonders auffällig ist diese Entwicklung bei älteren Menschen ab 75 – in dieser Personengruppe wurde sogar ein durchschnittlicher Rückgang von 20 Prozent festgestellt.

Laut den Autoren der Studie sind deren Ergebnisse für ganz Deutschland repräsentativ.

Woher stammen die Daten für die Studie und wie belastbar sind die Ergebnisse?

Die Datengrundlage der Studie stammt aus ca. 69.000 individuellen Fällen im Jahr 2020 aus insgesamt 75 Helios Kliniken in 13 Bundesländern. Helios ist nach eigenen Angaben der größte private Betreiber von Kliniken in Europa. Die Fälle wurden zunächst im Zeitraum von Mitte März bis Ende April untersucht und noch einmal direkt danach von Anfang Mai bis Mitte Juni, als Vergleich dienten Untersuchungen aus demselben Zeitraum im Vorjahr.

Laut Studienergebnissen waren vor allem größere Häuser von den Einschnitten in der Krebsbehandlung betroffen, die sich in Bundesländern befinden, die in dieser Zeit besonders stark mit Covid-19 zu kämpfen hatten. Auch wenn laut Aussage von Sprechern der Helios-Kliniken erst noch weitere Untersuchungen stattfinden müssen, liegt die Vermutung nahe, dass die Ursache dieser Entwicklungen zum einen mit der Angst der Patienten zu tun hat, sich bei einer Untersuchung mit dem Coronavirus zu infizieren – des Weiteren könnte es sein, dass auch geschlossene oder nur bedingt geöffnete Arztpraxen dazu beigetragen haben. Ein belastbares Fazit kann laut den Autoren der Studie allerdings erst nach der Pandemie gezogen werden.

Wie eingangs schon erwähnt, ist es wohl eher unwahrscheinlich, dass es weniger Krebserkrankungen gab – vielmehr ist wahrscheinlich, dass die Erkrankungen einfach erst zu einem späteren Zeitpunkt festgestellt wurden. Gerade bei Krebserkrankungen ist jedoch eine frühe Entdeckung oft ausschlaggebend für den Erfolg einer Behandlung.

Steigt die Sterblichkeit von Krebserkrankungen als Folge der Pandemie?

Lorenz Trümper, der das Amt des geschäftsführenden Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie innehat, betont, dass es noch zu früh ist, um einzuschätzen, ob die Corona-Pandemie bzw. der daraus resultierende Lockdown zu einer höheren Sterblichkeit von Krebspatienten führt. Laut ihm sind daran auch Datenlücken schuld, da das Krebsregisterwesen in Deutschland aufgrund bürokratischer Hürden nicht so zufriedenstellend funktioniere wie in anderen Ländern.

Ein weiterer Grund für die Reduzierung von Aufnahmen im Krankenhaus kann z. B. auch sein, dass während des Lockdowns weniger Patienten während der Therapie für gewisse Zeiträume nach Hause entlassen wurden, was die generellen Kapazitäten im Krankenhaus eingeschränkt hätte.

Außerdem gab es im ersten Lockdown in Deutschland sog. „Freihaltepauschalen“, die Krankenhäuser dazu anhielten, eine gewisse Anzahl von Betten für Covid-19 Patienten freizuhalten. Diese Maßnahme gibt es nun nicht mehr, es ist aber durchaus möglich, dass auch diese Verringerung der Bett-Kapazitäten für einen Rückgang der Krebsbehandlungen gesorgt hat – um Fragen wie diese zu klären muss jedoch abgewartet werden, bis die entsprechenden Daten vorliegen, bis dahin handelt es sich lediglich um Annahmen.

Ist die Angst von Krebspatienten, sich im Krankenhaus mit Covid-19 zu infizieren, gerechtfertigt?

Natürlich ist eine Infektion mit dem Coronavirus für einen krebskranken Menschen deutlich gefährlicher als für eine gesunde Person, dennoch sind sich Experten einig, dass die Krebserkrankung auch in Zeiten der Pandemie für Betroffene eine deutlich größere Gefahr darstellt als eine Ansteckung mit dem Virus.

Deshalb sollten Behandlungstermine im Krankenhaus oder in Arztpraxen - wenn möglich - unbedingt wahrgenommen werden. Alle entsprechenden Einrichtungen verfügen über spezielle Sicherheits- und Hygienekonzepte für Risikogruppen, was eine Ansteckung an solchen Orten eher unwahrscheinlich macht.

Auch die Corona Task Force der Deutschen Krebshilfe (DKH), die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) und das Deutsche Krebsforschungszentrum üben Kritik daran, dass immer mehr onkologische Eingriffe wegen der Pandemie verschoben werden und auch diagnostische Untersuchungen und Nachsorge im Moment vielerorts auf Sparflamme laufen.

Die größte Hoffnung ist momentan ein schnelles Ende der Pandemie, allerdings ist dieses Ziel noch lange nicht in Sicht – die beste Alternative ist in diesem Fall wohl eine fachkundige Aufklärung von Krebspatienten über die Risiken einer aufgeschobenen Therapie gegen Krebs.

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