Stand September 2022

Chronisches Fatigue Syndrom – Die unsichtbare Krankheit

Hast du schon einmal vom Chronischen Fatigue Syndrom gehört? Wenn nicht, geht es dir wie den meisten, auch wenn in Deutschland nach aktuellen Schätzungen 250.000 – 300.000 Menschen daran leiden. 

Davon sind ca. ein Viertel so schwer erkrankt, dass sie das Haus nicht mehr aus eigener Kraft verlassen können, manche sind sogar bettlägerig. Dennoch gibt es bis heute weder eine zugelassene Therapie noch eine Möglichkeit, die Krankheit zweifelsfrei nachzuweisen.

Wie entsteht die Krankheit?

Der medizinische Fachbegriff für die Erkrankung lautet Myalgische Enzephalomyelitis, die Abkürzung ist ME/CFS. Zur Entstehung der Krankheit und der damit verbundenen Beschwerden gibt es bislang nur Theorien, relativ sicher scheint jedoch, dass sie häufig nach einer schweren Virusinfektion ausbricht, z. B. das Epstein-Barr-Virus, das das Pfeiffersche Drüsenfieber auslöst.

Aufgrund der neuesten Studien wird davon ausgegangen, dass sich das Immunsystem auch nach einer überstandenen Infektion nicht herunterfährt und dauerhaft im Krisenmodus bleibt. Dies ist wahrscheinlich die Folge einer Autoimmunerkrankung, die dafür sorgt, dass der Energiestoffwechsel eingeschränkt wird und die Abwehrreaktionen in die natürlichen Strukturen des Körpers eingreifen.

Welche Symptome gehen mit ME/CFS einher?

Die Beschwerden, die die Krankheit auslöst, können von Patient zu Patient komplett verschieden sein – manche leiden über einen langen Zeitraum hinweg unter Kopf- und Gliederschmerzen und haben Fieber oder geschwollene Lymphknoten, andere haben Schlaf- und Konzentrationsschwierigkeiten oder Schwindelanfälle, Kreislaufprobleme, Herzrasen oder Blutdruckschwankungen. Gleichzeitig liegt aber kein eindeutiger Befund zur Ursache vor, wie bspw. ein schwaches Herz, eine Gelenkentzündung oder eine Erkältung.

Nur eines haben alle Patienten gemeinsam: schnelle und langanhaltende Erschöpfung. Diese kann schon durch ganz alltägliche Dinge wie einem kurzen Spaziergang, Einkauf oder Wohnungsputz entstehen, die einen gesunden Menschen überhaupt nicht beeinträchtigen würden.

Selbst Zähneputzen, aufrechtes Sitzen oder angestrengtes Nachdenken können bei manchen Betroffenen schon ausgeprägte Erschöpfungszustände hervorrufen, die oft tagelang anhalten. Gleichzeitig sorgen auch ausgedehnte Ruhephasen kaum für Erholung.

Wieso bleibt die Krankheit oft lange unerkannt?

Menschen, die an ME/CFS leiden, haben oft eine lange Odyssee von Arzt zu Arzt hinter sich, bis schließlich die richtige Diagnose gestellt wird.

Dies liegt u.a. daran, dass langanhaltende körperliche und geistige Erschöpfung durch eine Vielzahl an Ursachen hervorgerufen werden kann und normalerweise durch leichte sportliche Aktivitäten nach und nach wieder in den Griff bekommen werden kann.

Bei ME/CFS-Patienten ist allerdings genau das Gegenteil der Fall: selbst moderate Bewegung kann die Symptome stark verschlimmern. Dieser Umstand wird auch „Post Exertional Malaise“ genannt und kann bis zu 48 Stunden nach einer körperlichen, geistigen oder emotionalen Anstrengung auftreten.

Wenn Ärzte keine körperliche Ursache für die Beschwerden finden können, gehen sie oft von einem psychischen Problem aus und halten die Symptome für psychosomatisch bedingt, bspw. durch eine Depression.

Auch wenn ME/CFS von der WHO schon seit über 50 Jahren als Erkrankung des Nervensystems gelistet ist, steht sie bei den meisten Universitäten nicht auf dem Lehrplan für Medizinstudenten. Deshalb sind Betroffene oft dazu gezwungen, ihre Diagnose nach langwieriger Recherche selbst zu stellen.

Doch auch wenn endlich Klarheit über den Ursprung der Beschwerden herrscht, bedeutet dies noch lange keine Besserung, denn in ganz Deutschland gibt es nur zwei medizinische Zentren, die sich auf die Behandlung von ME/CFS spezialisiert haben. Aufgrund des großen Andrangs ist es für Betroffene äußerst schwierig, in einer solchen Einrichtung als Patient aufgenommen zu werden.

Davon abgesehen ist es für Menschen, die unter dieser Krankheit leiden auch oft gar nicht möglich, sich auf eine Reise zu begeben, da in schweren Fällen jeder äußere Reiz zur Qual werden kann.

Viele Patienten sind daher komplett vom Alltag und der Außenwelt abgeschnitten und verbringen ihre Tage ohne Ablenkung in abgedunkelten Zimmern. Die Situation erscheint für viele so ausweglos, dass es unter Betroffenen auch regelmäßig zu Suiziden kommt.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es für ME/CFS-Patienten?

Leider gibt es zum aktuellen Zeitpunkt keine etablierte Therapie, mit der man ME/CFS heilen kann, allerdings gibt es Möglichkeiten, um die Symptome zu lindern.

Hierzu zählt die Verschreibung bestimmter Medikamente, um beispielsweise den Kopfschmerz zu lindern, außerdem existieren Entspannungstechniken, die gegen Schlafbeschwerden helfen.

Eine weitere Technik ist das sog. „Pacing“: Den Patienten wird hierbei nahegelegt, mit ihren knappen Energiereserven möglichst gut zu haushalten und darauf zu achten, zu welchen Zeitpunkten die Erschöpfung besonders groß ist. Auf diese Weise kann dafür gesorgt werden, dass man nach den Einbrüchen genügend Zeit zur Erholung hat.

Des Weiteren ist die Unterstützung durch das eigene soziale Umfeld sehr wichtig, denn auch in schweren Fällen von ME/CFS wird die Krankheit von Krankenkassen oft nicht anerkannt, da sie nicht eindeutig nachgewiesen werden kann.

Laut einer aktuellen Studie aus Dänemark sind rund 60 Prozent aller Betroffen arbeitsunfähig und müssen zusätzlich zu den körperlichen und geistigen Beschwerden auch mit finanziellen Einbußen klarkommen.

Hoffnung durch Covid-19?

Auch wenn es erst einmal seltsam klingt: Die Corona Pandemie könnte ein Hoffnungsschimmer für ME/CFS-Patienten sein, denn jeder zehnte, der von Long Covid betroffen ist, entwickelt ein Chronisches Fatigue Syndrom, was zu einer schnell wachsenden Zahl von Patienten führt.

Dies erhöht den Druck auf Politik und Wissenschaft, die Forschung auf diesem Gebiet schneller voranzutreiben und auch die Pharmaindustrie daran zu beteiligen, was bisher kaum der Fall war.

Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es in einigen Jahren wirksame Medikamente gegen die Erkrankung gibt und Betroffenen endlich wieder eine Rückkehr in den Alltag und das Berufsleben ermöglicht wird.

Weitere ausführliche Informationen über ME/CFS findest du in unserem Buchtipp zum Thema: "Chronisches Fatigue-Syndrom: Chronisches Erschöpfungssyndrom - Systemische Belastungs-Intoleranz-Erkrankung" von Dr. Wolfgang Schuhmayer.

Was-Heilt Expertenkurs:

Stress verstehen und bewältigen

Wie Stress entsteht, was er im Körper auslöst und wie Du mündig mit ihm umgehst 

  • Physiologische Grundlagen, Modelle, Stressreaktionen, persönliche Ressourcen 
  • Kurzfristige Maßnahmen und langfristige Strategien für ein gesundes Stresserleben

Neueste Beiträge:

Erste Hilfe Online Kurs >>

Einfach

Preiswert

Zertifiziert

Beliebt:

Migräne: Gewitter im Kopf
Die Wirkung von CBD bei Parkinson
Kann eine Heilpflanze Leben verlängern?
Hochresistenten Gonorrhö-Stamm gefunden

Die wichtigsten Fortbildungen für Deine Praxis

Pflichtunterweisung Hygiene für 1 Euro 14 Tage testen!

  • Interaktive Module, Übungen und Vorlagen für schnelle Umsetzung in der Praxis
  • Erledige essenzielle Themen in nur zwei Stunden pro Monat
  • Mach Schluss mit langwieriger Recherche und verbring mehr Zeit mit Dingen die Dir wichtig sind!

Finde Therapeuten in deiner Nähe

Ich möchte kostenlos und unverbindlich den was-heilt Info-Newsletter erhalten und stimme der Verarbeitung meiner Daten gemäß Datenschutzerklärung zu. Ich kann diesen Wunsch jederzeit widerrufen.

Ich möchte kostenlos und unverbindlich den was-heilt Info-Newsletter erhalten und stimme der Verarbeitung meiner Daten gemäß Datenschutzerklärung zu. Ich kann diesen Wunsch jederzeit widerrufen.

Empfohlen:

Hilft Sport gegen Depressionen?

Beliebt:

Lieferengpässe bei Medikamenten: Antidepressiva, Schmerz- und Beruhigungsmittel gehen zur Neige
Kann CBD bei ADHS eingesetzt werden?
Digitale Gesundheit – Elektronische Patientendaten & die medizinische Zukunft
>