Zuletzt aktualisiert: Juni 2021

CBD: Wirkung und Anwendung in der Medizin

Hanf und das in ihm enthaltene THC hat bei vielen noch einen schlechten Ruf - dabei enthält die Pflanze noch viele andere Wirkstoffe, die weder berauschend sind noch süchtig machen.

Dazu gehört CBD, welches bereits seit einigen Jahren in der Medizin eingesetzt wird. Seit Kurzem ist es auch in Nahrungsergänzungsmitteln zu finden. In diesem Artikel erfährst du alles zu CBD: Was ist CBD? Wie wirkt es im menschlichen Körper? Bei welchen Erkrankungen setzt man es ein? Treten Neben- und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten auf? Welche Anwendungsformen von CBD gibt es?

Was ist CBD?

Bei CBD handelt es sich um die Abkürzung für Cannabidiol, ein in der weiblichen Hanfpflanze vorkommendes Cannabinoid. CBD hat jedoch keine berauschende Wirkung, anders als THC, welches ebenfalls zu den Cannabinoiden gehört. Neben CBD und THC kommen noch über 100 weitere Cannabinoide in der weiblichen Hanfpflanze vor.

Seit den 1980er Jahren ist bekannt, dass jedes Wirbeltier, also auch der Mensch, ein System besitzt, welches durch Cannabinoide funktioniert. Dieses System heißt Endocannabinoid-System und spricht sowohl auf körpereigene als auch körperfremde Cannabinoide an.

CBD kommt in der Hanfpflanze hauptsächlich in seiner Säureform (CBD-Carbonsäure) vor. Extrahiert ist es in den USA beispielsweise als Arzneimittel namens Epidiolex bekannt. In der EU trägt es den Namen Epidyolex. Ferner existiert noch ein Medikament mit dem Namen Nabiximols. Neben CBD enthält es auch THC und unterliegt damit in Deutschland dem Betäubungsmittelgesetz.

Wirkungsweise von CBD

CBD kann an zwei Cannabinoid-Rezeptoren im menschlichen Endocannabinoid-System binden: CB1 und CB2. Normalerweise ist diese Bindung agonistisch, die Signalübertragung also aktiviert. CBD kann diese aber auch blockieren. Warum und wie CBD dies schafft, wissen wir noch nicht.

Darüber hinaus blockiert es die Signalübertragung eines weiteren Cannabinoid-Rezeptors namens GPR55. Welche Aufgaben dieser Rezeptor übernimmt, ist ebenfalls noch nicht erforscht. Ferner besitzt Cannabidiol eine pleiotrope Wirkung. Das bedeutet, dass es all seine Wirkungen und Nebenwirkungen auf mehr als einem Weg herbeiführen kann. Das erschwert die Erforschung seiner genauen Wirkungsmechanik zusätzlich.

Was wir jedoch wissen ist, dass CB1-Rezeptoren hauptsächlich im zentralen Nervensystem, also Gehirn und Rückenmark, zu finden ist. Ohne Einfluss von außen schüttet der Körper in Stresssituationen eigene Cannabinoide aus, die diese Rezeptoren besetzen. Sie führen zu einer Analgesie, einer vorübergehenden Schmerzhemmung.

Darüber hinaus lindern CB1-Rezeptoren, wenn sie mit dem richtigen Cannabinoid besetzt sind, die Symptome eines Entzuges und steigern den Appetit. Es ist außerdem erwiesen, dass der Rezeptor nach Hirnverletzungen das Absterben der Nervenzellen verlangsamt, das Signal zur Verminderung der Knochenmasse gibt und dabei hilft, angstauslösende Erinnerungen zu verdrängen.

Der Rezeptor befindet sich in großer Zahl in Hirnregionen, die für das Lernen und die Motorik zuständig sind. Es ist also durchaus möglich, dass Cannabinoide wie Cannabidiol auch in diesen Bereichen beteiligt sind.

CB2-Rezeptoren befinden sich oftmals auf Zellen des Immunsystems. Es liegt daher nahe, dass sie in Vorgänge, die der Heilung dienen, eingreift. Tatsächlich steigt ihre Aktivität, wenn eine Entzündung vorliegt. Welche genaue Aufgabe die Rezeptoren dabei haben, ist noch nicht erforscht. Vermutlich spielen sie bei der Freisetzung von Zytokinen eine Rolle. Zytokine sind für das Wachstum und Teilungsverhalten von Zellen verantwortlich und können Zellen dazu animieren oder davon abhalten. Vermutlich hilft die Forschung an den CB2-Rezeptoren daher auch der Krebsforschung weiter. Daneben wird vermutet, dass der Rezeptor den Verlauf der Alzheimer-Krankheit positiv beeinflussen könnte.

Eine weitere wichtige Aufgabe der CB2-Rezeptoren ist das Knochenwachstum. Forscher haben bei einem Tierversuch Mäuse genetisch so verändert, dass ihre CB2-Rezeptoren nicht mehr richtig funktionierten. Anschließend stellten sie fest, dass die Anzahl von knochenabbauenden Zellen (Osteoklasten) deutlich angestiegen war. Gleichzeitig verloren die Mäuse ihre Knochenbälkchen. Die Knochenbälkchen befinden sich im inneren Knochenmark. Sie sorgen für die Stabilität des Knochens, ohne selbst viel Gewicht mitzubringen. Besitzt ein Knochen zu wenig Knochenbälkchen, steigt die Gefahr für Brüche. Je weniger Knochenbälkchen die Last, die auf den Knochen wirkt, verteilen, desto schneller bricht er.

Beide Rezeptoren steuern außerdem die Herzfrequenz und haben eine schützende Wirkung auf Leber, Darm und Haut.

Wann wird CBD angewendet?

Die Wirksamkeit von CBD ist bisher nur in wenigen Bereichen belegt. Dennoch warben einige Anbieter damit, ihr Präparat wirke sich positiv auf Autismus, Alzheimer oder Krebs aus. Die FDA (US-Behörde für Lebens- und Arzneimittel) mahnte 2019 aus diesem Grund mehrmals ab, bis die Anbieter die illegale Werbung einstellten.

Patienten mit multipler Sklerose können Nabiximols als Spasmolytikum, also Krampflöser, erhalten. Das Medikament wird dafür oral in Form eines Mundsprays eingenommen.

Epidyolex ist seit Oktober 2019 bei Epilepsie erhältlich. Allerdings ist es nur für zwei Epilepsieformen bei Kindern zugelassen (Lennox-Gastaut-Syndrom und Dravet-Syndrom), welche beide sehr selten vorkommen.

Seit 2017 ist es in Deutschland außerdem erlaubt, Nabiximols und andere Medikamente mit THC begleitend bei einer Chemotherapie zu verschreiben. Sie sollen dabei die Nebenwirkungen der Chemotherapie lindern und gleichzeitig die Psyche des Patienten heben und seinen Appetit anregen. THC und CBD werden dabei gemeinsam eingesetzt, was ihre Wirkung möglicherweise verstärkt. Wissenschaftlich nachgewiesen ist dies allerdings noch nicht.

Neben diesen Medikamenten existieren mittlerweile viele verschiedene und frei verkäufliche Nahrungsergänzungsmittel. Laut Gesetz dürfen Nahrungsergänzungsmittel keine Heilungsversprechen enthalten. Allgemein müssen gesundheitsbezogene Aussagen wissenschaftlich geprüft und zugelassen sein. Stattdessen setzen Anbieter darauf, den bloßen Inhalt von CBD durch die Verpackung hervorzuheben oder auf durchgeführte Kundenumfragen zu verweisen. Daher beziehen sich die folgenden Aussagen auf nicht oder nur teilweise wissenschaftlich bestätigte Wirkungen von CBD. Verbraucher stellten diese bei sich selbst fest.

Allen voran wird CBD als entspannender und angstlösender Wirkstoff beschrieben. Einige Menschen nutzen Cannabidiol bei Schlafstörungen, weil das Cannabinoid Stress mindert und dadurch beim Ein- und Durchschlafen helfen kann. Manche Personen, die an Depressionen oder Ängsten leiden, stellten nach der Einnahme von CBD außerdem eine Verbesserung ihres psychischen Zustandes fest.

CBD ist als krampflösendes Medikament bei MS und Epilepsie zugelassen. Es könnte diese Wirkung auch bei allgemein auftretenden Muskelkrämpfen oder dadurch verursachten Schmerzen haben.

CBD wird außerdem eine immunsuppressive Wirkung zugeschrieben. Bei chronischen Entzündungen, Autoimmunerkrankungen, Rheuma oder Asthma könnte es sich daher positiv auswirken. Genau erforscht ist diese Wirkung allerdings noch nicht, daher ist es in diesem Bereich auch noch nicht als Medikament zugelassen.

Zusätzlich sei gesagt, dass viele Patienten CBD begleitend zu den von ihren Ärzten verschriebenen Medikamenten eingenommen haben. Ob CBD allein auch zu einer spürbaren Besserung ihrer Symptome geführt hätte, lässt sich daher nur schwer einschätzen.

Darüber hinaus gibt es in der Schweiz und in Österreich sogenannten "Nutzhanf". Dieser Nutzhanf enthält viel CBD und wenig THC. Verkauft werden dabei die Blüten der Hanfpflanze, die geraucht werden können. In Deutschland ist Nutzhanf nur zugelassen, wenn er weniger als 0,2 % THC enthält.

CBD-Öl ist außerdem in einigen Kosmetikprodukten enthalten. Über die CB-Rezeptoren nimmt der Körper Cannabidiol auch über die Haut auf. Seine entzündungshemmende Wirkung kann auf diese Weise zu einem besseren Hautbild führen.

Nebenwirkungen

CBD gilt als gut verträglich. Trotzdem können Nebenwirkungen auftreten, die in der Regel aber schwach ausfallen. Häufig sind sie auch auf andere Inhaltsstoffe zurückzuführen, die neben Cannabidiol in dem genutzten Präparat enthalten sind. Daher solltest du darauf achten, dass dein Produkt keine Zusatzstoffe oder Pestizide enthält.

Zu den häufigeren Nebenwirkungen gehören Schläfrigkeit, allgemeines Unwohlsein und Verdauungsbeschwerden. Dabei kann es auch zu Appetitlosigkeit kommen. Hautausschläge können ebenfalls vorkommen.

Seltener klagen Patienten über Schlafstörungen, Schlaflosigkeit und innere Unruhe nach der Einnahme von CBD. Dazu muss man sagen, dass diese Symptome ein häufiger Grund sind, CBD überhaupt einzunehmen. Sie bestanden daher möglicherweise bereits vor der Einnahme und haben nichts mit dem Cannabidiol zu tun.

Forscher fanden durch Versuche an Mäusen heraus, dass sehr hohe Dosen CBD die Leber angreifen können. Die Wahrscheinlichkeit, dass es dieser Effekt auch beim Menschen auftritt, ist sehr gering. Menschen mit vorgeschädigter Leber haben allerdings ein höheres Risiko, ihre Leber zusätzlich zu belasten.

Durch seine immunsuppressive Wirkung kann CBD außerdem die Infektanfälligkeit erhöhen. Allergische Reaktionen auf CBD sind ebenfalls möglich, allerdings sehr selten. Menschen, die auf Katzen, Schimmel, Pollen oder Hausstaubmilben allergisch reagieren, neigen eher zu einer Allergie gegen CBD.

Wechselwirkungen

CBD beeinflusst den Körper in vielen Bereichen. Einer davon kann der Abbau von Medikamenten sein. Nimmt man CBD zusätzlich zu einem Medikament ein, kann es passieren, dass letzteres nicht mehr so wirkt, wie es soll.

Dazu gehören Säurehemmer, die bei Sodbrennen eingesetzt werden. Wer Pantoprazol und eine große Menge CBD gleichzeitig einnimmt, verstärkt damit die Wirkung des Pantoprazols.

Ähnlich sieht es bei dem Epilepsiemedikament Clobazam aus. Eine Studie hat ergeben, dass die gleichzeitige Einnahme von CBD und dem Medikament die Wirkung des letzteren verstärkt. Das bedeutet, dass die Dosis von Clobazam verringert werden könnte und es dadurch auch zu weniger Nebenwirkungen bei gleichbleibender Wirkung kommen kann.

Bei Diazepam hingegen besteht ein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen, wenn es zusammen mit CBD eingenommen wird. CBD verstärkt hier sowohl die Wirkung als auch Nebenwirkungen des Medikaments.

Darüber hinaus sind Wechselwirkungen bei Gerinnungshemmern, Betablockern, Antihistaminika, Immunsuppressiva sowie Medikamenten, die zur Senkung des Cholesterinspiegels eingesetzt werden, bekannt.

Musst du Medikamente nehmen, solltest du in jedem Fall deinen Arzt befragen, bevor du zusätzlich zu CBD greifst.

Anwendungsformen von CBD

CBD gibt es in vielen verschiedenen Darreichungsformen. Am beliebtesten ist es als Öl, da es sich dabei besonders leicht dosieren lässt.

Neben der Ölform existieren Nahrungsergänzungsmittel mit CBD als Kapseln, Liquid für E-Zigaretten und in Kristallform. Im Bereich Kosmetikprodukte findet sich CBD außerdem in Cremes.

Die Dosierung hängt von dem CBD-Anteil des jeweiligen Produktes ab. Hinzu kommt, dass jeder Mensch unterschiedlich stark auf das Cannabinoid anspricht. Daher raten die meisten Anbieter dazu, mit wenig CBD zu starten und sich nach und nach an die ideale Dosis heranzutasten. 5 mg gelten dabei als gute Tagesdosis für Einsteiger.

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