​Juni 2019 Lesezeit 5 Minuten


Biomarker soll Hinweis auf CFS/ME geben

Wer an der Myalgische Enzephalomyelitis (ME) leidet, die auch unter dem Namen „chronisches Erschöpfungssyndrom“ (CFS) bekannt ist, leidet oft nicht nur erheblich an der Erkrankung selbst, sondern an den Auswirkungen im sozialen und materiellen Bereich. Hinzu kommen häufig auch psychische Probleme. Das Krankheitsbild besteht unter anderem aus einer stetigen und starken Müdigkeit und Erschöpfung. Das kann so weit gehen, dass die Erkrankten nicht in der Lage sind, das Bett zu verlassen. Bislang gibt es keine hilfreiche Therapieform, und oft sind auch Ärzte nicht ausreichend informiert, um eine entsprechende Diagnose stellen zu können. Das könnte sich jetzt durch eine neue Studie ändern.

Manchmal ist die Krankheit derart ausgeprägt, dass Betroffene kaum aus dem Bett kommen. 

Ein Team von Forschern um Professor Ron Davis von der University of California haben ein Modell entwickelt, bei dem Aussicht darauf besteht, dass die Erkrankung erstmals leicht und in einem frühen Stadium diagnostiziert werden könnte.  Dazu wurde ein Biomarker bestimmt, den die Wissenschaftler aus Blutproben gewinnen wollen. Aus dem gewonnenen Blut wurden die roten Blutkörperchen entfernt, um den Rest der Probe mit winzigen Elektroden auf ihre elektrischen Eigenschaften bei der Zugabe einer Kochsalzlösung zu überprüfen.

Eigenschaften ändern sich

Nach Ansicht der Wissenschaftler setzt das hinzugefügte Salz die zurückbleibenden weißen Blutkörperchen durch osmotische Regulierungen unter Stress. Auf diese Weise soll die Erschöpfung durch körperliche Bewegung nachgeahmt werden, unter der  ME- und CFS-Erkrankte leiden. Die Forscher haben festgestellt, dass sich dadurch die elektrischen Eigenschaften der Blutproben nach einer gewissen Zeit verändern. Bei gesunden Probanden sei das nicht der Fall. Ob diese Studie jedoch Aussagekraft bezüglich einer Abgrenzung von ME/CFS zu anderen Erkrankungen besitzt, sei fraglich, meinen Kritiker.

CFS/ME: Systemerkrankung

Gemeinsam mit Ananda Ramasubramanian von der San Jose State University kam Davis außerdem zu dem Ergebnis, dass rote Blutkörperchen bei an ME/CFS leidenden Patienten deutlich weniger verformbar sind als bei Gesunden. Ob sich daraus ein Zusammenhang zu ME/CFS ableiten kann, ist ebenfalls noch unklar. Charakterisiert wird die Krankheit als eine neuroimmunologische Systemerkrankung, mit der starke körperliche Einschränkungen verbunden sind. Dabei steht die Erschöpfung - sowohl geistige als auch körperliche – im Vordergrund.

Hinzu treten vielfach Gelenk- und Muskelschmerzen, Konzentrationsstörungen, Verschlechterung des Gedächtnisses, Beschwerden des Verdauungstrakts und schmerzende Lymphknoten auf. Insgesamt, heißt es, wird die Zahl der Betroffenen auf etwa 17 Millionen Menschen weltweit geschätzt. Laut Bundesverband Chronisches Erschöpfungssyndrom Fatigatio e.V. seien in Deutschland rund 300000 Menschen an ME/CFS erkrankt. Wissenschaftler vermuten unterschiedliche Ursachen, die Auslöser für die Erkrankung sein könnten. Im Gespräch sind neben vermuteten Veränderungen der Gene und der Proteine im Hirn auch Beschädigungen im zellulären Bereich oder ein Ungleichgewicht der Darmflora.

Viele Auslöser im Gespräch

Genauso stehen bei der Ursachenforschung verschiedene Allergien als Auslöser im Raum. Viren werden ebenfalls als Auslöser verdächtigt. Diese könnten das Immunsystem entweder schwächen oder auch überaktivieren, heißt es, und so zu den typischen Symptomen führen. Im Fokus stehen dabei das Eppstein-Barr-Virus, das Humane-Herpes-Virus 6 (HHV6), das Cytomegalievirus (CMV) und das Humane Gamma-Retrovirus. Bislang gibt es noch kein einfaches, standardisiertes Verfahren, mit dem ME/CFS entdeckt werden kann. Allerdings gibt es Möglichkeiten, mit denen Anomalien in verschiedenen Bereichen des Körpers festgestellt werden können. Für eine klinische Diagnose wird häufig die sogenannte Kanadische Definition herangezogen, mit der die Erkrankung gesichert festgestellt werden kann. Dabei müssen zunächst andere Erkrankungen ausgeschlossen werden. Dieses Verfahren ist jedoch relativ aufwändig. Auch deshalb dauert es häufig lange, bis die Betroffenen eine Diagnose erhalten. Die von den US-Forschern um Professor Ron Davis entwickelte Studie gilt dabei als erster Schritt.