Mai 2019 Lesezeit 7 Minuten


Überblick: Prostatakrebs und seine Behandlungsmethoden

Prostatakrebs tritt in Deutschland jährlich bei mehr als 60000 Patienten auf und steht damit auf Platz eins der Krebserkrankungen bei Männern. Die Prostata ist eine ringförmige Drüse, die die Harnröhre des Mannes umschließt. In ihr wird ein Teil der Samenflüssigkeit gebildet. In den meisten Fällen tritt die Erkrankung jenseits des 50. Lebensjahres auf. Prostatakrebs wächst häufig langsam. Die Behandlungsmethoden bei diesen bösartigen Erkrankungen der männlichen Vorsteherdrüse sind unterschiedlich.

Bei Prostatakrebs muss nicht zwingend operiert werden.

Heilung möglich

Manchmal kann es sein, dass der Arzt beschließt, zunächst abzuwarten („wait and see“, „active surveillance“), wie sich der Tumor entwickelt. Grundsätzlich haben das Alter des Patienten, sein Gesundheitszustand und die Bösartigkeit sowie Ausbreitung des Tumors Einfluss auf die Behandlungsmethode. Zur Verfügung stehen den Ärzten dabei die Operation, die Strahlentherapie, eine Hormon- sowie Chemotherapie.  So lange Prostatakrebs lokal begrenzt ist, kann der Patient geheilt werden. Im metastasierenden Stadium ist eine Heilung jedoch nicht mehr möglich. Wichtig für die Beurteilung des Tumors ist der sogenannte PSA-Wert, der Schlüsse über die Aktivität des Tumors im Verlauf der Krankheit zulässt. Beurteilt wird ein Tumor der Vorsteherdrüse nach dem Gleason-Score (Gleason-Wert). Dabei handelt es sich um eine Einteilung des Gewebes unter verschiedenen histologischen Gesichtspunkten. Daraus lässt sich auf die Bösartigkeit des jeweiligen Tumors schließen.

Gleason-Score wichtig

Erste Orientierung - welche Behandlungsmethoden möglich sind:

Abwartendes Beobachten: Beim sogenannten abwartendem Beobachten leitet der Arzt unabhängig vom Stadium des Tumors zunächst keine Therapie ein. Die Behandlung wird erst dann eingeleitet, wenn Symptome bestehen. Häufig ist der Krebs in solchen Fällen in einem ausgesprochenen Frühstadium entdeckt worden. Bei Patienten mit einer Lebenserwartung von über 10 Jahren und mit einem Gleason-Wert über 7 sollte nach Expertenmeinung jedoch eine Behandlung angestrebt werden, wenn grundsätzlich die Möglichkeit einer Heilung besteht.

Aktive Überwachung

Beobachtung unter ärztlicher Kontrolle („active surveillance“): Diese sogenannte aktive Überwachung ist eine von mehreren Alternativen, wenn ein Prostatakarzinom örtlich auf die Vorsteherdrüse begrenzt ist. Es wird keine Therapie eingeleitet, stattdessen findet eine engmaschige Kontrolle durch den Arzt statt. So lange die Erkrankung nicht voranschreitet, wird keine Behandlung eingeleitet. Jedoch ist die aktive Überwachung nur unter bestimmten Umständen relevant: Der Patient muss beschwerdefrei, und der Tumor klein sowie ausschließlich auf die Prostata selbst begrenzt sein. Hinzu muss das Risiko des Voranschreitens der Krebserkrankung gering sein. Zur Beurteilung werden verschiedene Kriterien herangezogen wie etwa einen PSA-Wert bis zu 10 ng/ml, einen Gleason-Wert von bis zu 6 und ein Stadium (analog der TNM-Klassifikation) von cT1 oder cT2a. Darüber hinaus darf sich lediglich maximal in zwei Stanzen Tumorgewebe befinden.

OP: Drei Varianten

Operation: Wenn sich der Tumor noch nicht über die Prostata hinaus ausgebreitet hat, kann auch eine Operation in Frage kommen. Dabei werden Prostata und Samenblasen (radikale Prostatektomie) entfernt. Gängig sind drei Methoden: Über einen Schnitt in den Unterbauch, über endoskopische Verfahren oder über einen Schnitt durch den Damm (Perineum). Die Chance, den Krebs auf diese Weise zu besiegen, wird von Medizinern als sehr gut eingeschätzt. Insbesondere dann, wenn der Krebs komplett entfernt werden kann. Sollte dies nicht möglich sein, besteht das Risiko, dass der Tumor zurückkehren kann. Allerdings ist eine Prostatektomie vielfach mit Langzeitfolgen verbunden. Dazu zählen Impotenz und Harninkontinenz (in 5 bis 10 Prozent der Fälle). Letztere ist jedoch oft vorübergehend. Nach einigen Wochen bis Monaten kann sich der Harnröhrenschließmuskel seine Aufgabe wieder übernehmen. Hilfreich dabei ist ein gezieltes Beckenbodentraining. Impotenz ist eine relativ häufige Folge der Operation, weil die für eine Erektion verantwortlichen Nervenstränge unter der Operation verletzt werden können. Die Ausbreitung des Tumors bestimmt dabei unter anderem, ob die Nervenstränge auch erhalten werden können. Seltenere Folgen einer Prostata-OP sind Stuhlinkontinenz, Verletzungen des Enddarms oder auch eine Einengung des Blasenhalses.

Bestrahlung: Zwei Möglichkeiten

Äußere und innere Bestrahlung (Brachytherapie): Derzeit existieren drei unterschiedliche Möglichkeiten für eine Strahlentherapie bei Prostatakrebs. Ziel der Strahlentherapie ist, die Krebszellen durch Strahlung zu zerstören und gesundes Gewebe dabei zu schonen. Die zum Einsatz kommenden Strahlen können unter anderem ultraharte Röntgenstrahlen, Gammastrahlen, Photonenstrahlung oder auch Teilchenstrahlung sein. Bei der Behandlung wird unterschieden, ob die ausgewählte Strahlung heilen (kurativ) oder lindern soll (palliativ). Vielfach beinhaltet die auf Heilung abzielende Therapie mit Strahlung eine Möglichkeit, eine Prostataoperation zu umgehen. Sie ist außerdem eine Option für Patienten, bei denen eine Operation nicht möglich ist oder bei Betroffenen höheren Alters. Bei den Bestrahlungsformen wird zwischen äußerer (perkutan) und innerer (Brachytherapie) Strahlung unterschieden. Die perkutane Form der Behandlung (perkutan = durch die Haut) wird normalerweise bei lokal begrenzten Tumoren angewendet. Die Therapie erfolgt ambulant. Zum Einsatz kommt ein Linearbeschleuniger.

Therapie mit Implantaten

Auch die sogenannte intensitätsmodulierte Strahlentherapie gehört zu den externen Formen der Behandlung. Die LDR-Brachytherapie (innere Therapie): Die Brachytherapie ist eine innovative Therapieform. Im Rahmen der Behandlung werden über mehrere Hohlnadeln Implantate in die Prostata eingesetzt, sogenannte „Seeds“. Über diese Implantate kann eine exakte Strahlungstherapie eingeleitet werden. Die Behandlungsmöglichkeit gehört zur personalisierten Krebstherapie, weil die Strahlungsmenge individualisiert ist. Das umliegende Gewebe wird dabei geschont, denn der Radius der verabreichten Strahlung beträgt nur wenige Millimeter. Bei dieser Behandlungsmethode muss mit regelmäßigen Röntgen- und Ultraschallkontrollen den Zustand und Sitz der „Seeds“ überwacht werden. Der Behandlungserfolg ist nach Expertenmeinung ebenso hoch wie bei einer Prostataoperation und eignet sich vor allem führ Erkrankungen in frühen Stadien. Die Therapie ist normalerweise relativ nebenwirkungsarm und dauert in der Regel ungefähr sechs Monate. Allerdings kann es auch hier zu entsprechenden Spätkomplikationen kommen.

Therapie durch Hormonentzug

Hormontherapie: Der sogenannte Androgenentzug ist eine Option bei fortgeschrittenem Prostatakrebs. Die Behandlung erfolgt medikamentös, teilweise auch in Verbindung mit einem Antiandrogen. Androgene, insbesondere Testosteron,  sind Geschlechtshormone, die bei der Entwicklung von Prostatakrebs eine Rolle spielen. Sie werden überwiegend in den Hoden und zu einem geringen Anteil in den Nebennieren gebildet. Weil sie das Tumorwachstum beeinflussen, ist die Absenkung der Androgene mit einer medikamentösen Therapie nachweislich wirksam. Neben verschiedenen medikamentösen Behandlungsformen besteht in diesem Zusammenhang auch die Möglichkeit der Orchiektomie. Damit ist die Entfernung der Hoden gemeint. Die Hormontherapie kann als chemische Kastration verstanden werden und kommt in überwiegenden Fällen bei einer fortgeschrittenen Krebserkrankung der Prostata in Frage. Die Entfernung der Hoden dagegen wird chirurgische Kastration genannt und kommt selten zur Anwendung. Allerdings kann der Tumor im Laufe der Zeit Hormon unabhängig werden. Dann ist eine andere Behandlungsform gefragt.

Therapie mit Zystostatika

Chemotherapie: Eine chemotherapeutische Behandlung kommt meistens dann in Frage, wenn ein Tumor auf Hormonentzug nicht oder nicht mehr anspricht und wenn bereits Metastasen vorliegen. Unterschieden wird dabei in einer Erstlinien- und einer Zweitlinientherapie. Diese Medikamente töten Krebszellen oder hemmen sie in ihrer Ausbreitung. Die überwiegend zum Einsatz kommenden Wirkstoffe, Zystostatika, verhindern die Teilung der bösartigen Zellen, oder sie verlangsamen diese. Allerdings, heißt es, seien Zystostatika häufig wenig wirksam, weil ein Prostatakarzinom meistens nur langsam wächst. Mit der Chemotherapie soll in erster Linie eine verbesserte Lebensqualität erreicht werden. Dazu gehören die Reduzierung von Schmerzen und ein verbesserter körperlicher Allgemeinzustand.

Neue Behandlungsformen

Systemische Therapien: Darunter sind neue Behandlungsformen zu verstehen, zum Beispiel die Immuntherapie und die Target-Therapie. Voraussetzung dafür ist das Vorliegen eines Hormon unabhängigen Tumors. Allerdings sind diese innovativen Behandlungsmethoden häufig nicht derart ausgereift, dass sie tatsächlich zur Anwendung kommen. Sehr viele befinden sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt (2019) in der Studienphase. Diese Therapieformen, die auf die Behandlung von fortgeschrittenem Prostatakrebs abzielen, setzen systemisch an, was heißt, dass der gesamte Körper behandelt wird. Behandlungsformen sind neben der Hormontherapie die Radionuklid-Therapie und weitere Methoden: Die Target-Therapie ist eine medikamentöse Therapie, mit der sich die Inhaltsstoffe gegen bestimmte Moleküle richten soll.  Im Grunde werden mit dieser Methode Antikörper blockiert, die mit Wachstum, Gefäßneubildung und Gefäßveränderung bei Tumorzellen zusammenhängen.

Neue Behandlungsformen

Bei der Immuntherapie werden Wirkstoffe verabreicht, die die körpereigene Abwehr stärken sollen. Erreicht werden soll damit eine spezifische Bekämpfung der jeweiligen Krankheit. Für den Einsatz bei Prostatakrebs kommen verschiedene sogenannte Tumorvakzine in Frage.