Stand Juli 2022

Augentropfen gegen Weitsichtigkeit?

Viele Menschen benötigen mit zunehmendem Alter eine Lesebrille, da die Sehkraft langsam nachlässt. Bei den meisten ist das etwa ab dem 40. Lebensjahr der Fall, der Fachbegriff für dieses Phänomen heißt Presbyopie oder Altersweitsichtigkeit.

Für Betroffene wird es damit schwieriger, kleingedrucktes wie Bücher, Speisekarten oder Kassenzettel zu lesen. Nun hat das Pharmaunternehmen AbbVie Augentropfen entwickelt, die die Brille ersetzen sollen, in den USA ist das Mittel seit Ende 2021 offiziell zugelassen.

Wir haben uns angeschaut, was bisher über die Wirksamkeit und Nebenwirkungen bekannt ist.

Wie funktionieren die neu entwickelten Augentropfen?

Die Tropfen tragen den Namen Vuity und sind das erste derartige Produkt auf dem Markt, es gibt allerdings ca. ein dutzend weitere Firmen, die derzeit ähnliche Mittel klinisch erproben. Alle haben eines gemeinsam: sie sollen den Alterungsprozess der Augen ausgleichen.

Bei jungen und gesunden Menschen ist die Linse im Auge flexibel und bündelt das Licht, das von nahen und weiter entfernten Objekten einfällt, noch sehr präzise. Mit zunehmendem Alter wird die Linse jedoch steifer und Objekte, die sich in Leseentfernung befinden, verschwimmen zunehmend.

Dieses Problem wird durch die neuartigen Tropfen gelöst, indem sie die Pupille verkleinern. Wenn dies geschieht, dringt weniger Licht von Objekten in größerer Entfernung ein, was wiederum dafür sorgt, dass es zu einer schärferen Abbildung näher befindlicher Gegenstände kommt. Ebenso wird dafür gesorgt, dass keine unspezifischen Lichtstrahlen zur Netzhaut vordringen.

Derselbe Wirkstoff wie zur Behandlung von grünem Star

Der Wirkstoff, der zu diesem Effekt führt, heißt Pilocarpin und wird auch schon seit längerer Zeit für die Behandlung von grünem Star eingesetzt. Er reizt die Augenmuskeln und sorgt so dafür, dass diese sich zusammenziehen.

Bei Menschen, die unter grünem Star leiden, fließt durch die Kontraktion der Augenmuskeln überschüssige Flüssigkeit aus dem Auge ab. Dies sorgt dafür, dass der Augendruck sinkt. Gleichzeitig drücken die Muskeln jedoch auch die Pupille zusammen, die sich dadurch verkleinert.

Bei klinischen Studien mit dem Mittel Vuity kam es bei ca. 30 Prozent der Versuchspersonen zu einer deutlichen Verbesserung der Sehkraft in Leseentfernung, die für etwa sechs Stunden anhielt.

Welche Risiken und Nebenwirkungen hat Pilocarpin?

Es gibt bereits Kritik an den neu entwickelten Augentropfen. Diese richtet sich zum einen auf den hohen Preis des Mittels – während generisches Pilocarpin, wie es zur Behandlung von grünem Star genutzt wird, relativ günstig ist, kostet ein 2,5-Milliliter-Behälter Vuity umgerechnet stolze 70 Euro.

Der Hersteller begründet dies mit einer veränderten Rezeptur zur Verhinderung von möglichen Nebenwirkungen.

Ebenso kann es zu unerwünschten körperlichen Nebenwirkungen kommen: Im Normalfall weiten sich die Pupillen nämlich bei geringer Helligkeit, um auf diese Weise mehr Licht einzulassen. Werden die Pupillen jedoch durch Pilocarpin verengt, wird dies verhindert.

Dies kann die Unfallgefahr bei nächtlichen Autofahrten erhöhen, da die Augen durch den Einfluss von Pilocarpin nicht mehr wie gewohnt auf die Lichtverhältnisse bei Nacht reagieren – wovor der Hersteller jedoch auch in der Packungsbeilage warnt. Laut den dort enthaltenen Informationen sollte dieser Effekt jedoch kein Problem darstellen, sofern man das Medikament ausschließlich morgens in die Augen träufelt.

Aktuell ist Vuity noch nicht in der EU zugelassen – für Menschen, die keine Lesebrille tragen möchten, könnte es auch hier in Zukunft eine Option sein. Die klassische Brille ist nach heutigem Wissenstand jedoch das verlässlichere und sicherere Mittel gegen Altersweitsicht – und zudem auf lange Sicht auch günstiger.

Wer seine Augen ohne jegliche Medikamente fit halten möchte, sollte einen Blick in unseren Buchtipp zum Thema werfen: "Wieder lesen ohne Brille: Einfache Übungen bei Altersweitsichtigkeit".

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