​August 2019 Lesezeit 3 Minuten


Antidepressiva: Warnung vor Absetzsymptomen

Das Royal College of Psychiatrists ist ein Zusammenschluss von Psychiatern in Großbritannien, Irland und Nordirland. Die Organisation warnt jetzt vor den Risiken von Antidepressiva. Die Experten sind zu der Meinung gekommen, dass die Absetzerscheinungen derart schwerwiegend sein sollen, dass die Patienten bei der Verschreibung von ihrem Arzt künftig darauf hingewiesen werden sollten. 

Ärzte sollen ihre Patienten künftig auf die Absetzsymptomatik von Antidepressiva hinweisen.  

Die neue Einstellung der Psychiater zu dieser Medikamentengruppe ist das Ergebnis einer Studie. In dieser haben 56 Prozent der Befragten angegeben, nach dem Absetzen von Antidepressiva teilweise starke Entzugserscheinungen zu erleben. Die Symptome würden sich unter anderem in Angstzuständen, Übelkeit, motorischer Unruhe und Schlaflosigkeit äußern. Laut der Techniker Krankenkasse (TK) habe sich die Verordnung von Antidepressiva von 2007 bis 2017 verdoppelt. Die Krankenkasse ermittelte in ihrem jüngsten Gesundheitsreport aus dem Jahr 2018, dass erwerbstätige Männer und Frauen im Jahr 2007 im Durchschnitt 6,8 Tagesdosen an Antidepressiva einnahmen. Im Jahr 2017 seien es 13,5 Tagesdosen gewesen. Frauen, das hat der Gesundheitsreport ergeben, lagen mit 16,9 Tagesdosen bei der Medikamenteneinnahmen deutlich höher als Männer mit 10,6 Tagesdosen.

Neues Medikament in den USA

Allerdings helfen die verschiedenen Mittel nicht allen Patienten. Deshalb wird seit langem an neuen Wirkstoffen geforscht. 30 Jahre lang ist kein neues Medikament gegen Depressionen auf den Markt gekommen. Seit einiger Zeit ist in diesem Zusammenhang von einem neuen Wirkstoff die Rede, der eine enge Verwandtschaft zu Ketamin, einem Narkotikum, aufweist. In den USA ist die Behandlung im Jahr 2019 zum ersten Mal zugelassen worden. Der Wirkstoff wird über ein Nasenspray an den Körper abgegeben und darf nur dann verabreicht werden, wenn sich andere Antidepressiva bei einem Patienten als wirkungslos erwiesen haben.

Einnahme unter Aufsicht

Das Arzneimittel mit dem Namen Spravato darf nur unter strenger medizinischer Kontrolle eingenommen werden und das nicht zu Hause, sondern in einer Arztpraxis oder einer medizinischen Einrichtung. Fachleute sind der Ansicht, dass in Spravato großes Potenzial steckt. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leiden derzeit über 300 Millionen Menschen an Depressionen. Wie es heißt, soll der neue Wirkstoff besonders schnell Depressionssymptome lindern können, wie eine klinische Studie ergeben habe. Bei den herkömmlichen Präparaten dauert es meist mehrere Wochen, bis sich eine Besserung zeigt.

Immer bestens informiert: