Juli 2019 Lesezeit 4 Minuten


Antibiotikaresistenz: WHO stellt globalen Plan auf

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bemängelt, dass die Hälfte der Antibiotika falsch eingesetzt wird. Bekanntlich fördert ein falscher Einsatz die Bildung multiresistenter Keime. Eine Infektion mit diesen Keimen führt häufig zum Tod. Nun hat die WHO einen weltweiten Plan vorgestellt, der die Gefahr, die durch den falschen Einsatz von Antibiotika entsteht, eindämmen soll.

Antibiotikaresistenz: Die WHO läutet die Alarmglocken und stellt einen globalen Plan auf. 

Nach Angaben der Organisation nehmen diese Resistenzen in der jüngeren Vergangenheit in einem alarmierenden Maß zu. Zu dem Plan der WHO gehört unter anderem eine Einteilung der verschiedenen Antibiotika in drei Kategorien: Die erste Kategorie listet Medikamente auf, die bei schwerwiegenden Infektionen zum Einsatz kommen. Die zweite Gruppe beschreibt Antibiotika-Arten, die in jedem Gesundheitssystem vorgehalten, aber nur in Ausnahmefällen verabreicht werden sollten. Die dritte Kategorie benennt Wirkstoffe, die nur bei lebensbedrohlichen Erkrankungen verordnet werden.

Weniger Antibiotika 

In der ersten Gruppe sind Medikamente benannt, die gezielt gegen spezifische Mikroorganismen helfen. Die häufig verordneten Breitbandantibiotika sind eher in der zweiten und dritten Kategorie zu finden. Insgesamt appelliert die WHO an die Mediziner, Antibiotika weniger großzügig zu verschreiben. Damit könne der weiteren Entwicklung von Resistenzen entgegengewirkt werden.

Keine Heilung mehr bei bestimmten Bakterien

Wer gegen ein Antibiotikum resistent ist, spricht auf diesen Wirkstoff nicht mehr an. In diesem Fall machen sich die eingedrungenen Bakterien unangreifbar – eine Resistenz ist entstanden. Dieser Vorgang ist ein natürlicher Mechanismus innerhalb der Evolution, wenn Mutationen im Erbgut der Bakterien Schutzmechanismen gegen Antibiotika entwickeln. Je häufiger Erkrankungen mit Antibiotika behandelt werden, desto mehr beschleunigt sich dieser Prozess. Dasselbe gilt auch für die Tiermast, in der Antibiotika in großen Mengen auch zur Krankheitsvorbeugung verabreicht werden und über die Nahrung in den menschlichen Körper gelangen.  Daneben existieren Bakterien, gegen die keines der handelsüblichen Antibiotika mehr helfen kann. Für die betroffenen Patienten gibt es dann in den meisten Fällen keine Heilung mehr.

Zielgerichtete Medikamente

Antibiotika werden von Ärzten häufig bei grippalen Infekten verordnet, die allerdings durch Viren verursacht werden und Penicillin & Co in diesem Fall ohnehin nichts ausrichten können. Hinzu kommt, dass viele Mediziner Breitbandantibiotika verschreiben, die gegen verschiedene Bakterien wirken und demnach auch gegen diese Resistenzen entwickeln. In solchen Fällen wäre ein zielgerichtetes Medikament gegen den jeweiligen Krankheitserreger die bessere Wahl.

Schwere Erkrankungen

Gerade die Ausbreitung von Bakterien der Gattungen Acinetobacter, Escherichia Coli und Klebsiella pneumoniae wird von der WHO als dramatisch beschrieben. Diese Mikroben können schwere Erkrankungen wie Lungenentzündungen, Wundinfektionen und Blutvergiftungen auslösen. Das neue Klassifizierungssystem  trägt den Namen AWaRe (engl. „sich bewusst machen“). Seit Jahren treten mehr und mehr multiresistente Bakterien auf.

Forscher warnen vor neuem Superkeim

Kürzlich haben australische Wissenschaftler vor einem neuen, hochaggressivem Keim gewarnt. Alle bekannten Antibiotika-Arten sind hier wirkungslos. Dieser Superkeim, der mit dem tödlichem MRSA-Keim verwandt ist, könne zu schweren Infektionen oder auch zum Tod führen, heißt es. Die australischen Forscher haben drei verschiedene Varianten dieser Bakterie in Proben aus zehn Ländern festgestellt – unter anderem auch in Europa. Das Bakterium trägt den Namen Staphylococcus epidermidis und kommt auf der menschlichen Haut vor.  Die Forscher haben bei Untersuchungen Veränderungen im Erbgut verschiedene Stämme festgestellt. Nach Meinung der australischen Wissenschaftler verbreitet sich der Keim besonders auf Intensivstationen. 

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