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Angst vor Spritzen? Das kannst du dagegen tun

Aktuellen Schätzungen zufolge leiden allein in Deutschland über drei Millionen Menschen unter der Angst vor Spritzen – auch Trypanophobie (wörtlich „Angst vor dem Stechen) genannt. Die Angst entsteht in den meisten Fällen schon in der frühen Kindheit und wird mit ins Erwachsenenleben genommen.

Warum ist die Bekämpfung der Angst vor Spritzen so wichtig?

Spritzen sind in vielen Bereichen der Medizin elementar wichtig – zum einen für Impfungen, aber auch die Blutabnahme zur Diagnose und Prävention von Krankheiten spielt eine wesentliche Rolle für die Gesundheit von Patienten.

Auch die Verabreichung von Nährlösungen und Infusionen ist ohne Einstich nicht möglich und auf die tägliche Thrombosespritze bei längerer Bettruhe sollte auch nicht verzichtet werden.

Wenn Spritzen also aus Angst heraus abgelehnt werden, kann dies schwere negative Folgen für die eigene Gesundheit haben.

Wie kann man der Entstehung von Trypanophobie entgegenwirken?

Um das Entstehen von Spritzenangst von vornherein zu verhindern, sollten Kinderärzte und Eltern kleinen Kindern den Piks mit der Spritze schon von Anfang an mit einer anschließenden Belohnung schmackhaft machen – hierfür eignet sich z. B. ein Schnuller während der Injektion oder Zuckerlösung nach der Impfung – ein solches Vorgehen wird auch von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen.

Auch ist es möglich, Kinder mit ihrem Lieblingsstofftier abzulenken oder mitbestimmen zu lassen, in welchen Arm die Spritze gegeben werden soll. Ebenso sollte mindestens ein Elternteil das Kind zum Arzt begleiten und dabei Ruhe ausstrahlen.

Wenn man solche Tricks von Anfang an einsetzt, kann man die Einstellung zu Spritzen für den Rest des Lebens positiv beeinflussen.

Wie kann man der Angst vor Spritzen als Erwachsener entgegenwirken?

Wenn die Angst vor Spritzen stark ausgeprägt ist, kann sie unter anderem zu Hitzewallungen, Schwindelanfällen oder sogar zur Ohnmacht führen – in leichteren Fällen kommt es zu Nervosität sowie verkrampftem und panischem Auftreten.

Egal, wie stark die Phobie ausgeprägt ist – sie sollte von Ärzten und anderem medizinischem Personal auf jeden Fall ernst genommen werden.

Wenn die Panik bemerkt oder vom Patienten angesprochen wird, hilft in den meisten Fällen schon ein offenes Gespräch über die Angst, um Betroffene zu beruhigen. Neueste Studien zum Thema zeigen, dass empathisches Verhalten die Furcht vor der Nadel erheblich senken kann.

Gerade die Fälle von Trypanophobie, die ihren Ursprung in der Kindheit haben, sind oft stärker ausgeprägt und es kann teilweise sogar zum Kreislauf-Kollaps kommen. Dem kann ganz bewusst entgegengewirkt werden, indem man seine Muskeln für 15 bis 20 Sekunden anspannt und im Anschluss wieder für 20 bis 30 Sekunden entspannt – wenn dieser Vorgang einige Male wiederholt wird, sorgt dies dafür, dass der Blutdruck langsamer abfällt und auf diese Weise einer Ohnmacht vorgebeugt werden kann.

Wer zu Ohnmachtsanfällen bei der Verabreichung von Spritzen neigt, sollte sich Spritzen in jedem Fall im Liegen geben lassen.

Therapie gegen Trypanophobie

Für schwere Fälle gibt es bestimmte kognitive Verhaltenstherapien gegen die Angst vor Spritzen, während derer sich Betroffene Schritt für Schritt mit ihrer Phobie auseinandersetzen. Solche Therapien beginnen zumeist damit, dass Patienten sich Fotos von Spritzen oder von Situationen ansehen, in denen Menschen eine Spritze erhalten – in der Regel ist die Therapie mit einer Blutentnahme nach einigen Sitzungen abgeschlossen und die Angst im Idealfall besiegt – wie viele Stunden genau benötigt werden, hängt davon ab, wie stark die Angst bei den einzelnen Personen ausgeprägt ist.

Um die Trypanophobie zu besiegen, sind auch Ablenkungsmanöver ausdrücklich erlaubt, dazu zählen unter anderem Luft anhalten (denn hierbei nimmt das Gehirn Schmerzen weniger stark wahr), im Moment des Piks einfach nicht hinschauen oder sich ein schönes Erlebnis in Erinnerung zu rufen.

Ebenso kann es helfen, sich im Vorfeld eine Belohnung, wie z. B. ein bestimmtes Essen, auszusuchen und daran zu denken, während die Spritze verabreicht wird.

Wir können allen Menschen, die an Trypanophobie leiden, nur dazu raten, sich mit ihrer Angst auseinanderzusetzen - wenn du gerne mehr über das Thema und Möglichkeiten zur Überwindung der Angst erfahren möchtest, empfehlen wir dir das Buch "Angst vor Blut und Spritzen: Ein Ratgeber für Betroffene und Angehörige (Ratgeber zur Reihe Fortschritte der Psychotherapie)" 

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